Wertheim

Vortrag Dr. Norbert Stallkamp erinnert an Wolfgang Borchert

Im Wettlauf mit dem Tod

Archivartikel

Hofgarten.Wolfgang Borchert – verfemt und vergessen? Im Rahmen der Ausstellung „Verfemt und vergessen – Maler des expressiven Realismus“ im „Schlösschen im Hofgarten“ erinnert der ehemalige Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums, Dr. Norbert Stallkamp, am Donnerstag, 30. Mai, um 19 Uhr an Wolfgang Borchert, der ebenso wie Jeanne Mammen, von den Nazis schikaniert und ins Abseits gestellt wurde. Die Lesung wird von Manuel Dahner und seinem Saxophon musikalisch begleitet.

Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ wurde Deutschlands meistgespieltes Stück, machte ihn weltberühmt, erschütterte in seiner expressionistischen Sprache 1949 in einer Inszenierung Erwins Piscators Amerika und wurde in den 50er und 60er Jahren Pflichtlektüre an den Schulen in Deutschland, ehe es mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Wer ein Menschenleben rettet, so sagt ein jüdisches Sprichwort, der rettet die Welt. Das heißt aber auch, wer einen Menschen tötet, der vernichtet die Welt. Das ist die Botschaft von Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür.“

Für Norbert Stallkamp gehört Wolfgang Borchert neben Heinrich Heine, Bertolt Brecht und Heinrich Böll, zu den Schriftstellern, die sein Denken schon früh geprägt haben. Und so lässt er seine persönlichen Leseerfahrungen mit einfließen.

Wolfgang Borchert, der gelegentlich auch gemalt hat, war 18 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, 24, als er zu Ende war, das Übrige tat die Hungersnot der Nachkriegsjahre. Zwei Jahre blieben ihm zum Schreiben, und er schrieb wie jemand, der im Wettlauf mit dem Tode schreibt. Er starb am 20. Januar 1947, 26 Jahre alt, einen Tag vor der Uraufführung seines Dramas in den Hamburger Kammerspielen.

Seine expressionistische Stimme hallt bis heute nach und ist aktueller denn je.