Wertheim

Erntedank-Gottesdienst Ökumenische Feier mit Dekan Büsing und Pastoralreferentin Zeilmann

Immer mehr Ansprüche

Archivartikel

Wertheim.Gut besucht wie selten war gestern Vormittag der ökumenische Gottesdienst in der Main-Tauber-Halle, den man nicht nur deshalb als einen der Höhepunkte der 197. Wertheimer Michaelis-Messe bezeichnen kann – wenn auch einen der ganz anderen als auf dem Volksfest sonst üblichen Art.

Es gebe, sagte Pastoralreferentin Ute Zeilmann, nach der musikalischen Eröffnung durch Bezirkskantorin Katharina Wulzinger am E-Piano und Querflötistin Elisa Meyerholz, „keinen Anspruch darauf, dieses Fest zu feiern. Gute Gründe, Tradition, ja – aber keinen Anspruch“.

Mehr Dankbarkeit gewünscht

Womit sie bei ihrem Thema war, dem Leben, das immer mehr von Anspruchsdenken geprägt sei. „Bis hin zu Menschen, die den Anspruch erheben, dieses Land gehöre ihnen, obwohl es doch purer Zufall ist, dass sie nicht in Syrien oder dem Sudan geboren wurden.“

Die Pastoralreferentin wünschte sich mehr eine Haltung der Selbstzurückgenommenheit und der Dankbarkeit. Nach der Lesung von Daniela Löser aus der Bergpredigt erinnerte Dekan Hayo Büsing an Katastrophen, die etwa beim Cannstatter Wasen, der Ursprung der heute ausgelassenen Volksfeste gewesen seien. „Das droht oft in Jubel, Trubel und Heiterkeit unterzugehen.“ Er zitierte aus dem Paulus-Brief an die Epheser, in dem es unter anderem heißt, „so seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.“

Und weiter: „Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.“ Er wehre sich gegen Pauschalurteile, die nicht die Wirklichkeit widerspiegelten, so der Dekan. Man dürfe aber auch nicht so tun, als wenn alles in Ordnung sei. „Nicht nur die gute Saat geht auf, auch die des Hasses.“ Doch auch Christen verfügten nicht über Patentrezepte. Im Sinne des Paulus-Briefes sprach sich Büsing für „Momente des Innehaltens und Besinnens“ aus. Man solle sich nicht mit allzu einfachen Antworten auf die Probleme der Welt, die Konflikte in der Nachbarschaft oder in der Familie begnügen. Die Bedeutung Jesu für das Leben und die Lösung der Probleme erkenne man nur, wenn man sich Zeit für ihn nehme. „Der tägliche Blick in die Bibel bringt nichts, wenn wir nicht bereit sind, unser Leben zu ändern.“

Verzicht aus Einsicht

Die Ethik des Verzichts, die Paulus predige, sei von Freiheit und Freiwilligkeit gekennzeichnet. „Verzichten muss man nicht aus Pflichtgefühl. Das kann man auch aus Einsicht und weil es vernünftig ist.“ Verstehe man das eigene Leben als Geschenk, dann ändere sich der Blickwinkel. Wer aus Dankbarkeit lebe, denke anders. „Dann kann man auch anderen einmal den Vortritt lassen.“

Die Fürbitten sprachen Dr. Christian Löser und Herbert Gebhardt und nach dem Vaterunser ging der Gottesdienst mit, wie Pastoralreferentin Zielmann sagte, „dem Kirchenschlager schlechthin“ zu Ende: „Großer Gott wir loben Dich“. ek