Wertheim

Jubeltag Erna Luise Sinnhold feiert in Dertingen am Sonntag ihren 100. Geburtstag

In die Heimat zurück gekehrt

Archivartikel

Dertingen.Erna Luise Sinnhold feiert am Sonntag ihren 100. Geburtstag. Am 4. November 1918 wurde sie als Tochter der Eheleute Johann Thomas Diehm und Elisabetha Katharina, geborene Beuschlein, in Dertingen geboren.

In der Dertinger Wehrkirche wurde sie am 24. November 1918 getauft und später dort konfirmiert. Sie ging in Dertingen in den Kindergarten, der ihrem Elternhaus gegenüber stand und an die Schulgasse grenzte. Anschließend besuchte Erna die Volksschule, die sich auch in unmittelbarer Nähe befand. Der ehemalige Kindergarten und das Schulgebäude dienen heute als Wohnhaus. Jahre später wurde in der Hofapotheke der Familie Brems in Wertheim ein tüchtiger „Hausgeist“ gesucht. Erna arbeitete dort ein Jahr lang als Hausangestellte und lernte hier ihren späteren Mann Adolf, der dort als Apotheker tätig war, kennen und lieben. Die einundzwanzig Jahre alte Erna Diehm heiratete am 5. Dezember 1939 den 30-jährigen Adolf Sinnhold. Die standesamtliche Eheschließung und kirchliche Trauung fand in Dertingen am gleichen Tag statt.

Am 1. August 1940 zog die Familie ins hessische Bad Sooden-Allendorf, weil Adolf dort eine Stelle als Apothekenleiter angeboten worden war. Aus der Ehe gingen die drei Töchter Renate, Ursula und Helga hervor. Im letzten Jahr seines Aufenthaltes in Bad Sooden-Allendorf arbeitete ihr Mann in einem jüdischen Camp, welches in der Nähe lag und wo alle Überlebenden des Krieges aus Nah und Fern eine provisorische Unterkunft fanden. Die Familie Sinnhold zog mit ihren drei Mädchen 1947/48 wieder nach Dertingen in Ernas Heimatdorf. In dem kleinen Gemeindehaus, das seit 1745 als Hirten- und Wachhaus diente und später Gefängnis und Rathaus war, fanden sie eine Unterkunft und die Möglichkeit ein Geschäft zu eröffnen.

Nach kleineren Umbauten zogen sie als Mieter der Gemeinde ein und eröffneten 1950 die Brunnen-Apotheke. Elf Jahre später zog die Familie nach Versbach bei Würzburg und eröffnete dort die St. Rochus-Apotheke. 1969 verstarb Adolf Sinnhold plötzlich beim Besuch seiner jüngsten Tochter Helga in Nürnberg an einem Herzinfarkt. Er fand in Dertingen seine letzte Ruhestätte. Erna ging zunächst wieder zurück nach Dertingen und kümmerte sich um Enkel und Urenkel. Im betagten Alter fand sie ein neues Zuhause bei ihrer Tochter Ursula in Würzburg. Anfang 2014 ging es mit Tochter Ursula und deren Sohn Alexander wieder zurück nach Dertingen. Erna war zu diesem Zeitpunkt bereits 96 Jahre alt. Seither lebt sie mit ihrer Familie, mittlerweile bestehend aus fünf Generationen, unter einem Dach in Dertingen. Dieser bewegte Lebenslauf geht aus den Aufzeichnungen ihrer 78-jährigen Tochter hervor, den sie zum 100. Geburtstag ihrer Mutter angefertigt hat.

Der Enkel von Erna Sinnhold scherzt: „Ich bin selbst schon Opa und habe noch eine Oma.“ Leider hat sich der Gesundheitszustand der Jubilarin in den letzten Monaten verschlechtert.