Wertheim

Forscherkids Vier Juniorstudenten erhalten ihr Diplom / Klassischer Archäologe gibt Nachwuchsforschern Einblick in das Leben und Wirken der Römer

In Wertheim hausten die Wilden

Archivartikel

Die Spuren der Römer sind bis heute an vielen Orten zu finden. In der Kinderuni der Forscherkids Wertheim gingen die Juniorstudenten auf Spurensuche und Zeitreise ins antike Rom.

Wertheim. Das „Imperium Romanum“, das römische Reich, hatte Ausläufer, die fast bis nach Wertheim reichten. Dr. Florian Leitmeir, vom Lehrstuhl für klassische Archäologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg nahm die Juniorstudenten am Samstag im Kulturhaussaal mit auf eine Zeitreise in den Alltag dieses Weltreichs.

Der Vortrag war eine Kooperation der Forscherkids mit der Stadtbücherei Wertheim und der Uni Würzburg. Im Rahmen der Veranstaltung konnte Birger-Daniel Grein, ehrenamtlicher Projektleiter der Forscherkids, gleich vier Kinder ein Juniorstudentendiplom verleihen. Dies erhalten Juniorstudenten, die an drei Vorträgen der Kinderuni Wertheim teilgenommen haben.

Wie Leitmeier einleitend verdeutlichte lag Wertheim vor 2000 Jahren an der Grenze zum römischen Reich, im Gebiet der Germanen. „Laut Römer waren diese wild“, so der klassische Archäologe.

Mehrfach Krieg

Zwischen den Römern und den Germanen habe es mehrfach Krieg gegeben. Als Schutz des Reiches bauten die Römer einen Grenzwall, den „Limes“. Spuren von diesem findet man heute in unserer Region unter anderem in Walldürn und Osterburken. Zu Beginn bestand der Limes nur aus Wachtürmen, die mit Posten besetzt waren. Später wurden diese durch einen Holzzaun verbunden, dahinter war ein Graben und der Turm stand auf einem Wall. „Die Römer haben sehr klug gebaut, man konnte von den Türmen aus das ganze Tal überblicken“, erklärte er. Mit wachsender Bedrohung kam eine Mauer als Schutz dazu. „Die Grenze bestand mehrere hundert Jahre lang.“ Ausführlich ging er auf das Römische Heer ein. Die Legionärsuniform bestand unter anderem aus zwei Panzerteilen, einem Kettenpanzer der zehn bis 15 Kilogramm wog und Pfeile abhalten konnte und einem Segmentpanzer aus gebogenen Metallstücken. Die Schutzausrüstung der Soldaten habe sich im geschichtlichen Verlauf immer weiter verbessert. Bei Märschen hatten sie 30 Kilogramm Gepäck dabei. Das ganze habe die Füße stark belastet. Leitmeier ging auch auf die Reiserouten ein. Heute bräuchte man von Wertheim nach Rom laut Onlineroutenplaner zwölf Stunden mit dem Auto oder rund einem Monat zu Fuß. Mit Hilfe der Internetseite Orbis zeigte er auf, wie die historischen Reiserouten aussahen.

Die schnellste Route bestand aus einem Fußweg nach Südfrankreich und einer Schifffahrt nach Rom. Die billigste Route nach damaligen Verhältnissen war lang. Sie führte entlang des Limes nach Norden, mit dem Schiff ging es an England vorbei, Richtung Frankreich, weiter nach Spanien und durch das Mittelmeer nach Rom.

„Der Straßenbau war eine der größten Errungenschaft der Römer. Teilweise seien die Straßen und ihre Pflaster noch heute erhalten. Die Straßen seien für die Beherrschung des Gebietes zentral gewesen, dienten zum Transport von Post, dem Handel und als Wege für Soldaten.

In Rom „angekommen“, begab sich Leitmeier mit den Kindern auf die „Via Appia“, der bekanntesten Straße Roms mit vielen Grabanlagen.Eine der Grabstädten gehörte „Eurysaces“, einem reichen Bäcker der 30 bis 20 vor Christus starb „Er war stolz auf sein Brot, das er für den Kaiser backen durfte und zeigte deshalb sein Handwerk auf dem Grabstein.“ Die Getreidemühle und die Rührer hatte man damals mit der Kraft von Eseln angetrieben. „Der römische Herrscher schenke den Bewohnern das Brot.“ Nach römischen Originalrezept hatte Leitmeier für die Kinder ein Brot gebacken, dass er in seinem Vortrag verteilte.

Nach einer Reise führte der Weg der Römer zuerst in die Therme. „Es gab dort ganz strenge Regeln.“ Zuerst zog man sich vollständig aus, dann ging es durch mehrere Becken, von sehr warm bis kühl. Zum Abschluss konnte man in einer Art Planschbecken entspannen. „Die Thermen dienten der Reinigung, nicht dem Schwimmen.“ Sie boten aber auch Freizeitmöglichkeiten wie Sport und Bibliothek oder die Chance auf einen Arztbesuch. sjr