Wertheim

Verkehr Anbindung an Vockenrot erneut diskutiert / Kein „Krieg der Stadtteile“

„Ja“ zur Erschließungsstraße

Archivartikel

Reinhardshof.Der Stadtteilbeirat Reinhardshof sagt „Ja“ zur Erschließungsstraße, mit der das Gewerbegebiet an die Landesstraße 508 in Vockenrot angebunden werden soll. Nahezu voll besetzt war der Nebenraum in „Henry’s Café“ in der Rotkreuzklinik am Mittwochabend.

Gekommen waren zur Sitzung des Stadtteilbeirates Reinhardshof allerdings offensichtlich überwiegend Bewohner aus Vockenrot, die einmal mehr ihre Ablehnung der geplanten Erschließungsstraße und des damit verbundenen Kreisverkehrs deutlich machen wollten. „Der Reinhardshof hat keinerlei Ambitionen, sich gegen Vockenrot zu stellen“, versicherte ihnen der Vorsitzende Walter Ploch, auch wenn man der Erschließungsstraße zustimme. Später bekräftigte er, man wolle „keinen Krieg der Stadtteile“.

Auf der Tagesordnung der Sitzung standen die „Bebauungspläne Gewerbegebiet Reinhardshof Abschnitt fünf und sechs“. Mit dem sechsten Abschnitt, so Ploch, brauche man sich jetzt aber angesichts des von Oberbürgermeister Herrera Torrez angekündigten Planungsstopps jetzt nicht so intensiv zu beschäftigen. Intensiv befasste sich der Stadtteilbeiratsvorsitzende aber noch einmal mit den Ergebnissen und den Konsequenzen aus der Verkehrsuntersuchung durch das Ingenieurbüro Brilon Bondzio Weiser. Dann referierte er über bereits zwischen der ersten und zweiten Auslegung vorgenommene Veränderungen an der Planung der Erschließungsstraße beziehungsweise die Forderungen des Stadtteilbeirates in seiner bis heute vorzulegenden Stellungnahme.

Gemeinsame Sitzung

Dazu gehört eine Verlängerung des vorgesehenen Lärmschutzwalls, ein Gehweg entlang des Sportgeländes bis zur Theodor-Heuss-Straße, aber auch Tempo 50 auf der Landesstraße 508. Den Vorschlag einer gemeinsamen Sitzung der drei Stadtteilbeiräte Reinhardshof, Vockenrot und Wartberg zur Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes brachte Klaus Kohn ins Gespräch. Er forderte außerdem, keiner Erweiterung des Gewerbegebietes mehr ohne eine Verkehrslösung zuzustimmen, wobei man nicht prinzipiell gegen weitere Firmenansiedlungen sei. Das versicherten auch Redner aus Vockenrot.

Wiederholt wurde aus den Reihen der Zuhörer bereits bei früheren Gelegenheiten vorgebrachte Äußerungen des Unverständnisses, „wie man so etwas planen kann, ohne zu wissen, wie der Verkehr hin und wieder wegkommt“. Da habe man sich keine Gedanken gemacht. Das wollte Baudezernatsleiter Armin Dattler verständlicherweise so nicht stehenlassen. Er erläuterte, auch nicht zum ersten Mal, wie es in den 90er-Jahren zum Kauf des ehemaligen Kasernengeländes und zur Ausweisung von Gewerbegebieten kam und dass es bei den jetzt in Rede stehenden Bereichen um den Rest der damaligen Konversionsfläche handele.

Dattler betonte energisch, dass bei der Planung der Verkehrsuntersuchung wie bei der Vorstellung der Ergebnisse alle Stadtteilbeiräte in ihrer Gesamtheit, nicht nur deren Vorsitzende, einbezogen gewesen seien. „Ich kann es nicht mehr hören, dass wir nicht nachgedacht hätten.“ Dattler wies zum einen darauf hin, dass nicht nur die Gremien, sondern jeder einzelne Bürger in der Anhörungsphase Stellung nehmen könne, und dass die Bauverwaltung vom Gemeinderat den Auftrag erhalten habe, die von vielen geforderte Umfahrung Vockenrots noch einmal zu untersuchen.

Wenn man allerdings hinsichtlich der Erschließungsstraße von Naturzerstörung rede, dann müsse man auch überlegen, wie das bei der viel längeren Umgehungsstraße aussehe. Und zu bedenken sei schließlich, „wir schaden mit der Erschließungsstraße eigentlich niemandem, aber wir entlasten die Stadtteile Reinhardshof und Wartberg erheblich“. ek