Wertheim

Kabarett im Convenartis-Keller Marion Bach und Hans-Günther Pölitz von der „Magdeburger Zwickmühle“ präsentierten freche Dialoge

Jede Pointe gerät zum Volltreffer

Archivartikel

Die Kabarettisten von der „Magdeburger Zwickmühle“ nehmen Probleme aus Sicht der Betroffenen ins Visier. Das Publikum im Conventartis-Keller fühlte sich prächtig unterhalten.

Wertheim. Die ganze Bandbreite des Lachens konnten die Zuschauer der „Magdeburger Zwickmühle“ am Samstagabend spüren. Und das fast unentwegt. Das Duo Marion Bach und Hans-Günther Pölitz trat mit seinem neuen unter Regisseur Rainer Otto entwickelten Programm „Wolle was komme“ im Convenartis-Gewölbekeller auf. Mit diesem präsentieren sie seit Ende 2018 satirische Lösungen für aktuelle menschliche, deutsche und weltpolitische Verwerfungen.

Das Künstlerduo schafft den schwierigen Spagat, die ganz großen Themen dieser Zeit mit scharfer Zunge so anzusprechen, das früher oder später ein Lacher folgen muss. Die Brisanz der satirischen Bälle, welche sich Marion und Günther auf der Bühne hin und her werfen, steigert sich im Laufe des Abends.

Keine einfachen Themen

Kein leichtes Thema ist die immer noch vorherrschende Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft, mit einem kleinen Seitenhieb, dass Teile Deutschlands diesbezüglich schon einmal viel weiter waren. Erstaunlich die Gelassenheit, mit welcher die Magdeburgerin Marion Bach dies beschreibt. In sächsisch-thüringische Mundart ist die satirische Lösung logisch: Hätte doch Maria einst Nein zur unbefleckten Empfängnis gesagt und damit ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung rechtzeitig direkt beim Heiligen Geist durchgesetzt.

Doch wie Kollege Günther schmerzhaft auf die Erfolge der AfD verweist, gibt es andere Sorgen, dringendere. Das Programm schafft es, die Themen Niedriglohnsektor, Mindestlöhne und HarzIV-Empfänger aus der Perspektive der Betroffenen so zu vermitteln, dass es gerade richtig ein wenig schmerzt.

Lautes Lachen

Sogleich rutscht den Zuhörern ein lautes Auflachen heraus, wenn die beiden Magdeburger wieder zum Ausgangsthema zurückschwenken: Muss es denn in einer genderneutralen Sprache „FußgängerüberwegIn“ heißen und geht das Günther am Arsch oder der Ärschin vorbei?

Bach und Pölitz sind in dem zweieinhalbstündigen Abend ein eingespieltes Team, bei dem jede Pointe sitzt. Das Programm zeigt emotional Frau Europa, Marion Bach elegant in eine Fahne gewickelt, welche vor Sorge um ihre, „ach so unterschiedlichen Kinder“ immer betrunken ist.

Nachdenklich schaut sie ins Smartphone, um sich zu erinnern, dass internationale Vereinbarungen Friedfertigkeit und Unschuldsannahme im Umgang mit anderen (Ländern) garantieren.

So gälte das eigentlich für alle, aber eines ist klar, für Russland und den Kremel nicht. Der Russe ist ausgemacht, ist einfach an allem Schuld. Schließlich räumt er im Urlaub in Antalya das Buffet ab, bevor der Deutsche ankommt.

Herzliche Begeisterung für diese These zeigten die Zuschauer im Gewölbekeller. Deren Nummernschilder verrieten Anfahrtswege aus Miltenberg, Külsheim, Marktheidenfeld und bis aus Aschaffenburg.

Freche Dialoge

Selten ist es möglich, die Verrohung der Menschen so gefühlvoll präsentiert zu bekommen, wie von den Satirikern der Zwickmühle. Auch Völkerrechtsverletzungen in Syrien durch die Türkei und Deutschland schafften die beiden anzusprechen.

Laut Marion „netter klingende Rüstungsgüter“ benennt Günther knallhart als „Mordwerkzeuge, das was sie denn auch nun mal sind“. Die frechen Dialoge gewürzt mit stimmigen Musikeinlagen lockten alles vom nachdenklichen Schmunzeln über das plötzliche Aufprusten bis zum ausgelassenen Gelächter hervor.

Einige Zuschauer spürten am nächsten Tag sicher Bauchmuskeln, die sie vorher noch gar nicht gekannt hatten.