Wertheim

Jugendarbeit der Stadt Wertheim Antrag von Udo Schlachter / Gemeinderat nimmt Bericht und Zahlenwerk zur Kenntnis

Kein für alle anwendbares Patentrezept

Archivartikel

Einen transparenten Bericht über die Jugendarbeit der Stadt Wertheim hatte Ende Februar CDU- Stadtrat Udo Schlachter angefordert. Am Montag wurden die Zahlen im Gemeinderat diskutiert.

Wertheim. „Welche Mittel fließen aus dem laufenden Haushalt in die Jugendarbeit der Stadt?“ – so lautete die Kernfrage eines Antrags, den CDU-Stadtrat Udo Schlachter bei einer Gemeinderatssitzung Ende Februar gestellt hatte. Ausschlaggebend dafür war laut Schlachter folgendes: Eine rund 30-köpfige Jugendgruppe vom Wartberg habe sich an ihn gewandt, da sie in ihrem Stadtteil einen Treffpunkt für Jugendliche vermissen. Schlachters damaliges Fazit: „Es braucht eine Neujustierung der Jugendarbeit und der Jugendförderung in Wertheim.“

Jugendarbeit in Zahlen

Bei der Gemeinderatssitzung am Montag wurde nun ein umfassendes Zahlenwerk zur Jugendarbeit in der Main-Tauber-Stadt vorgestellt. Demnach fließen 2019 knapp 300 000 Euro in die beiden Jugendhäuser der Stadt, zum einen in das Jugendhaus Soundcafé in der Kernstadt, zum anderen in den Jugendtreff 114 am Reinhardshof.

Die Besucherzahlen dieser beiden Einrichtungen belaufen sich auf rund 20 000 Personen pro Jahr, im Alter zwischen sechs und 24 Jahren. „Diese Kinder und Jugendlichen kommen in der Regel aus der Kernstadt und den Stadtteilen“, räumte Dezernatsleiter Helmut Wießner ein. In den meisten Ortschaften gebe es dafür Jugendräume, die von Ortsvorsteher, Ortschaftsrat oder von kirchlichen Organisationen verwaltet werden. Für die Ausstattung dieser Räume sind im Haushalt 2019 laut Wießner 4000 Euro eingestellt. Diese Zahl sei im Wesentlichen abhängig von den Forderungen der Ortschaften.

„Die Tatsache, dass die Jugendräume aller Ortschaften mit 4000 Euro auskommen müssen, ist angesichts der Gesamtsumme der Zuschüsse für die Jugendhäuser und auch angesichts der Anzahl der Jugendlichen mehr als unausgeglichen“, kritisierte Udo Schlachter. Die Jugendlichen in den Ortschaften hätten das Recht, dass hier über Nachjustierung nachgedacht werde. Zudem wünschte er sich eine konkrete Erfassung aller Jugendräume.

Klare Kritik äußerte Werner Kozyra (FBW): „Das war jetzt ein Antrag nur für einen Stadtteil. Wir haben fünf.“ Gerade im größten Stadtteil Bestenheid fehle dringend eine Aufenthaltsmöglichkeit für Jugendliche. In der aktuellen Situation könne man junge Menschen nicht in der Region halten.

Keine Trennung

Defizite sah auch Patrick Schönig (SPD) und nannte ebenfalls Bestenheid als Beispiel, wo lange an der Realisierung einer Einrichtung gearbeitet worden war. Eine Trennung zwischen Kernstadt, Stadtteilen und Ortschaften bezeichnete er aber als „befremdlich“. Die Angebote in der Kernstadt und in einem Stadtteil richteten sich schließlich nicht nur an Jugendliche von dort. In diesem Zusammenhang nannte er außerdem die Förderung der Jugendarbeit von Vereinen.

„Die Bedürfnisse sind extrem unterschiedlich, das kann man nicht an einer Geldsumme festmachen“, stellte Birgit Väth (Bündnis 90/Die Grünen) fest. Vor allem, da Bereiche wie Sozialarbeit und Integrationsarbeit seht unterschiedlich auf die Einrichtungen verteilt seien.

Recht deutliche Worte fand Mirco Göbel (SPD): Das Schreiben der Jugendlichen als Grund für Udo Schlachters Antrag bezeichnete er als „Schlag ins Gesicht“ sowohl des Stadtteilbeirats als auch anderer Engagierter. Es werde nicht deutlich, dass man sich in den Stadtteilen durchaus um die Jugendlichen kümmere. Mit der erwähnten Jugendgruppe vom Wartberg habe es in der Zwischenzeit schon erste konstruktive Gespräche gegeben und man hoffe, bis Herbst diesen Jahres eine konkrete Lösung anbieten zu können, so Wießner. Generell sei eine Nutzung städtischer Räume durch Jugendgruppen nach genauer Absprache „gängige Praxis“.

Jugendliche einbeziehen

Im Zuge der Diskussion sprachen sich Patrick Schönig sowie Axel Wältz (CDU) erneut für das Einrichten eines Jugendrats aus. Dort könne man derartige Themen unter Einbeziehung der Jugendlichen beraten.

Wie schon einige Gremiumsmitglieder geäußert hatten, glaube er nicht an ein allumgreifendes Gesamtkonzept, fasste Helmut Wießner abschließend zusammen. „Es ist ganz wichtig, dass wir nicht eine Jugendarbeit über die Große Kreisstadt hinweg installieren, sondern auf die einzelnen Bedürfnisse in den Stadt- und Ortsteilen eingehen.“