Wertheim

Kein Schnee am „Tag des Schneemanns“

So, das war es dann. Die Hochwassergefahr scheint fürs erste Mal gebannt, unsere Flüsse haben sich wieder dahin zurückgezogen, wohin sie gehören.

Zeit und Gelegenheit, um frei nach einem berühmten, leider schon verstorbenen, Holländer zu fragen, „Wann wird’s mal wieder richtig Winter?“. Und wann fällt der erste Schnee des ja noch immer neuen Jahres? Glaubt man manchen Auguren, dann könnte es nächste Woche soweit kommen. Bei anderen wiederum ist nach wie vor kein richtiger Winter in Sicht. Was natürlich insoweit bedauerlich wäre, als am nächsten Donnerstag der Welttag des Schneemanns begangen wird. Nur wie soll man einen bauen und diesem dann huldigen, wenn das notwendige Material dazu fehlt?

Da ließe sich der „Art’s Birthday“, der „Geburtstag der Kunst“ am Mittwoch schon leichter feiern. Und Locations, wie das neudeutsch heißt, wo man das tun könnte, gibt es auch in Wertheim einige.

Den Dienstag sollten Sie sich am besten merken. Denn in den Kalender schauen, um darin zu sehen, dass das der „Nichts-Tag“ ist, dürfen Sie eigentlich nicht. Es war ein amerikanischer Journalist, der vor mehr als vier Jahrzehnten auf den Gedanken kam, es müsse doch zumindest einmal im Jahr einen Tag geben, an dem man einfach nur dasitzt und nichts tut.

Widersprechen will ich dem Kollegen da nicht. Folgen kann ich ihm aber absehbar auch nicht. Steht doch in meinem Kalender am Dienstag zum Beispiel die Sitzung des Kreuzwertheimer Marktgemeinderates, über die es zu berichten gilt.

Mal sehen, ob Bürgermeister Klaus Thoma da noch so in Hochform ist, wie er das beim Neujahrsempfang am vergangenen Sonntag war. Mit Freuden pries er da all das, was Kreuzwertheim auszeichnet und was die Kommune – seiner unausgesprochenen Meinung nach – der „großen aber jüngeren Schwester“ auf der anderen Mainseite voraushat. Der Gast von dort, Bürgermeister Wolfgang Stein, nahm’s gelassen. Was blieb ihm auch anderes übrig?

Grund zum Feiern hatte unterdessen Thomas und Steins Freudenberger Kollege Roger Henning. Allerdings war für ihn wohl eher sein Geburtstag Anlass zur Freude und weniger die Einschätzung des Bundes, die „Kleinstadt mit Herz“ sei finanzstark. Wie diejenigen, die das so festgestellt haben, zu der Auffassung kommen, dürfte wohl deren Geheimnis bleiben.

Schon ein Blick auf den gerade in der Beratung befindlichen Haushalt zeigt das Gegenteil. Bitte nicht falsch verstehen – es ist ein ordentlicher Etat, der da beschlossen werden soll. Aber von einer Gemeinde, die „finanzstark“ sein soll, zeugt er nicht. Aber diese Beurteilung zielt ja auch nicht darauf ab, den Freudenbergern zu schmeicheln, sondern sie von dem einen oder anderen Geldtopf fernzuhalten. Zum Glück, das soll der Ehrlichkeit halber festgehalten werden, ist unsere Zeitung erst nach dem oben zitierten Verdikt erschienen. Denn die Überschrift, die die Haushaltsberichterstattung ziert, könnte schon zu Fehldeutungen verleiten. „Pro-Kopf-Verschuldung bleibt niedrig“, heißt es da. Stimmt, wenn man Freudenberger Verhältnisse der vergangenen zehn Jahre als Vergleichsmaßstab nimmt. Aus jedem anderen Blickwinkel aber ist sie mit mehr als 1200 Euro noch immer ziemlich hoch und deutlich über dem Landesdurchschnitt.

In einer ziemlich bescheuerten Lage befinden sich derzeit die Kembacher Ortschaftsräte. Da gibt es ein Projekt, über das sie kürzlich informiert wurden, über das sie aber eigentlich noch nicht reden dürfen. Weil es noch im nichtöffentlichen Beratungsstatus ist, die Gemeinderäte zum Beispiel noch nicht Bescheid wissen.

Nur im Dorf, da spricht sich das Vorhaben längst rum, weil diejenigen, die das vorhaben, längst am Werk sind – und vielleicht schon Fakten schaffen wollen? Mal sehen was daraus wohl werden wird. Um noch einmal zum Wetter zurückzukommen: Sonnige Aussichten scheinen es nicht zu sein.