Wertheim

Kloster Bronnbach Stummfilmklassiker des Dänen Carl Theodor Dreyer aus dem Jahr 1928 erhielt von Johannes Mayr an der Orgel musikalische Spannung

Kino in der Klosterkirche kam gut an

Archivartikel

Ohne Ton und doch lebendig: Der Stummfilmklassiker von Carl Theodor Dreyer begeisterte in der Kirche von Kloster Bronnbach.

Bronnbach. Es war ein Experiment, das der Eigenbetrieb des Landkreises unbedingt ausprobieren wollte. Ein Stummfilm mit Orgelbegleitung in der Klosterkirche sollte es sein. Mit dabei aber ist immer die Gefahr, dass manch einer ein „Kino in der Kirche“ einer Entweihung gleichsetzt. Solche Aussagen finden sich häufig in den sozialen Medien.

Doch in Bronnbach war es etwas ganz anderes. Zum einen geschah alles unter Einbeziehung und Mitwirkung der Patres der heiligen Familie, zum anderen war alles mit der Dekanatsleitung in Tauberbischofsheim abgesprochen. Das war Matthias Wagner, Leiter des Eigenbetriebs, ganz wichtig zur Einführung zu berichten.

Der Stummfilmklassiker des Dänen Carl Theodor Dreyer aus dem Jahr 1928 galt lange Zeit als verschollen. Der Film mit der Geschichte über den Prozess der Engländer gegen Johanna von Orleans wurde erst 1985 in einer Nervenheilanstalt in Norwegen wiederentdeckt. Das Original sowie eine mühsam aus Schnipseln vom Regisseur zusammengesetzte Kopie waren kurz nach Fertigstellung verbrannt. Als man den Film dann in Norwegen wiederentdeckte, galt das als Sensation.

Schwere Kost

„Es ist keine leichte Kost, die sie heute erwartet“, hatte Professor Johannes Mayr von der HMDK Stuttgart die rund 80 Besucher bei seiner Einführung gewarnt. Er begleitete den Film auf der Schlimmbach-Orgel mit eigenen Kompositionen, die extra für den Film entstanden waren. Es sei einer seiner Lieblingsfilme, bekannte der Musikprofessor, der auf fast allen großen Orgeln dieser Welt bereits gespielt hat.

Mayr war schon viele Stunden vor dem Konzert angereist, um sich mit dem Instrument vertraut zu machen. Alle Töne sollten schließlich stimmen. Und genau das musste er testen. Die wechselnden Temperaturen und die unterschiedliche Luftfeuchtigkeit lassen so eine Orgel schnell verstimmen. Zum Glück konnte er alle Pfeifen und Anschläge so ausrichten, dass alles perfekt klang. Da lächelte er das erste Mal, denn der Abend konnte nur gelingen. Zur selben Zeit flanierten die Besucher schon im Abteigarten und genossen die Abendsonne bei einem Glas Wein.

Stille

Der cineastische Genuss in der Klosterkirche überzeugte zu Beginn des Films durch Stille. Nur das Zwitschern der Kirchenschwalbe war zu hören als der Vorspann lief. Die Ruhe durchbrach Professor Mayr dann mit seiner Orgelbegleitung. Immer passend zur Filmszene untermalte das Instrument den Film, mal getragen, mal schnell, mal langsam, mal rhythmisch. Mayr nutzte alle Register und die Kirche erscholl in einem selten gehörten vollen Klang, der zum Ende des Films, als Johanna auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, so anschwoll, dass die Töne sich teilweise überlagerten.

Die Bilder mit den vielen Portraits im Mittelpunkt sind nicht umsonst ein Meisterwerk, so das Resümee einiger Besucher, die im Anschluss an den Film dem Organisten sehr viel Beifall spendeten, nachdem er von der Empore herunter gekommen war.

Das Experiment mit einem Kinoklassiker in der Klosterkirche ist auf jeden Fall gelungen, so die einhellige Meinung. Sie können sich sehr gut vorstellen, auch ein weiteres Mal zu einem Kinoabend nach Bronnbach zu kommen.