Wertheim

Musikbegeistert Gamburger Hans Ullrich wünscht sich nach 45 Jahren als Kirchenchorleiter einen Nachfolger / Geistliche Abendmusik als Abschiedskonzert?

Kirchenmusik ist eng mit ihm verbunden

Die Musik hat Hans Ullrich schon immer fasziniert. Seit fast 45 Jahren folgen die Sänger des Kirchenchors seinem Dirigentenstab.

Gamburg. Musik und Gesang ohne Hans Ullrich sind in Gamburg nur schwer vorstellbar. Auch wenn der 77-Jährige als Dirigent gerne etwas kürzer treten würde. Doch noch ist die Nachfolge nicht in trockenen Tüchern. „Ich lasse meine Sänger nicht im Stich“, sagt Ullrich entschlossen.

Die Geistliche Abendmusik am Samstag, 13. Oktober, in der Pfarrkirche St. Martin in Gamburg hätte sein Abschiedskonzert als Leiter des Kirchenchors und des Frauenchors werden können. Zusammen mit Freia Behringer-Hofmann, die beim Männergesangverein und der Gruppe TonArt den Takt angibt, hat er ein sehr ansprechendes Programm zusammengestellt. Dabei werden nicht nur die Chöre mit modernen und klassischen Werken glänzen, sondern auch von Christian Müller an der Orgel begleitet. Der gebürtige Gamburger ist als Regionalkantor der Diözese Passau aktiv, Konzertorganist und als stellvertretender Dommusikdirektor am Hohen Dom zu Passau. Zu Gehör gebracht werden dabei Werke von Mozart und Bruckner, Reger und Schubert, aber auch Schütz und Mendelssohn Bartholdy.

Mit 14 Jahren schon Organist

Ullrich leitet seit fast 45 Jahren den Kirchenchor. Am 3. April 1974 fand die erste Probe statt. Und auch der Gesangverein stand bis 2008 unter seinem Dirigat. Doch schon zuvor war der Gamburger der Kirchenmusik sehr verbunden. Denn als 14-Jähriger setzte er sich an die Orgel und ist seitdem als Organist in der Pfarrgemeinde aktiv. Und das war gerade in den Anfangsjahren für den Jugendlichen nicht ganz so leicht. Nicht wegen der Orgelstücke. „Ich musste mich entscheiden, ob ich zum Fußball gehe oder beim Gottesdienst Orgel spiele“, fügt er mit einem sanften Lächeln an. Für den pflichtbewussten Schüler war klar: „Der Orgeldienst geht vor.“ Und damals gab es noch mehrmals täglich Gottesdienste.

Den Grundstein für das Hobby Musik hatte zuvor schon seine Mutter gelegt. „Bei ihr hatte ich als kleiner Bub schon Klavierunterricht“, erinnert sich der 77-Jährige gerne. Später förderte der evangelische Bezirkskantor Fritz Gaschütz in Wertheim das Talent des Schülers weiter. Die Ausbildung für Orgel und Chorleitung erfolgte in Wochenendkursen in den 1960er Jahren. Bis der Diplom-Verwaltungswirt Ullrich, der 1961 seine Laufbahn bei der damals selbstständigen Gemeinde Gamburg begann, aber seinen ersten Chor übernahm, dauerte es noch bis 1974.

Mit großer Freude denkt der Chorleiter an die vielen Konzerte, vor allem zu Weihnachten, aber auch zu anderen Anlässen zurück, an die Abendmusiken und vielen Gottesdienste, die von den Sängern mitgestaltet worden sind.

Zu den einstudierten Werken zählten nicht nur Klassiker von Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Bach, „an denen man nicht vorbei kommt“, sondern auch moderne und zeitgenössische Vertreter der Musikliteratur. Praetorius oder Cornelius, oder jetzt zum Konzert Matthias Degott oder das „Salve Regina“ von Ceslovac Sasnuaskas gehören zum Repertoire der Sänger. Und wenn es mal weltlich wird und Volkslieder anstehen, packt Hans Ullrich gerne die Werke von Friedrich Silcher heraus. „Ich mag seine Kompositionen einfach“, sagt er ganz bescheiden über seinen Lieblingskomponisten.

Bis zu achtstimmige Sätze

Er hat es seinen Mitstreitern nicht immer leicht gemacht. „Ich weiß, was ich meinen Sängern zumuten kann“, sagt er augenzwinkernd. Eine Herausforderung waren bis zu achtstimmige Sätze wie „Fröhliche Weihnacht überall“, „Als ich bei meinen Schafen wacht“ oder auch „Nun freut euch ihr Christen“ von Willi Frank zu Weihnachtskonzerten. Froh war Ullrich, mit Agnes Alberts und später mit Ute Behringer, Sopransolistinnen zu haben. Und um den Sängern den Aufwand zu verringern, proben Gesangverein und Kirchenchor direkt hintereinander.

Die Verkündigung von Gottes Wort durch das Lied ist seit über vier Jahrzehnten der Auftrag, den Ullrich den Sängern mitgibt. „Ich habe aber immer versucht, auch weltliche Lieder mit christlich-geistlichem Inhalt in den Gottesdienst einzubauen“, ergänzt der ehemalige Kämmerer von Werbach. Und mit dem Frauenchor hat er vor einigen Jahren ein neues Projekt gestartet. Auf der Frankfurter Chormeile hatte er einen Frauenchor gehört und war begeistert. Damit hat er die Sängerinnen im Kirchenchor, darunter auch seine Frau Gertraud, angesteckt. „Sie haben sofort mitgemacht“, freut er sich.

Doch auch das hilft nicht über Nachwuchsprobleme hinweg: Die Chöre finden immer weniger Mitstreiter. „Die Wenigsten wollen sich langfristig binden, sondern sind lieber in Projektchören aktiv“, bedauert er, der selbst in der Tauberfränkischen Kantorei als Tenor mitsingt. Selbst singen sei für ihn einfacher, gesteht er. „Der Dirigent muss sich doch mehr mit dem Stück und seiner Dynamik befassen.“

Von seinem Arbeitszimmer aus hat Hans Ullrich einen herrlichen Blick auf seinen Heimatort und auf seine Wirkungsstätte, die Pfarrkirche. Den Platz am dortigen Dirigentenpult würde er gerne in jüngere Hände geben. Dann hätte der Vater zweier erwachsener Töchter mehr Zeit für die Familie, den großen Garten ums Haus, Konzerte und das Reisen, das ihn schon mehrfach in die USA geführt hat.

Doch von der Orgel will er die Finger noch lange nicht lassen.