Wertheim

Meisterkonzert Ekaterina Afanasieva überrascht ihre Zuhörer mit ungewöhnlichen musikalischen Wendungen und Effekten

Klangfülle der Harfe intensiv genossen

Unter dem Motto „Die klangvolle Welt der Harfe“ stand das Meisterkonzert im Hofgartenschlösschen, zu dem der Kulturkreis Wertheim am Sonntagabend eingeladen hatte.

Hofgarten. Die weltweit erfolgreiche Konzertharfenistin und Preisträgerin des internationalen Musikwettbewerbs Ekaterina Afanasieva begeisterte die Zuhörer nicht nur mit ihrem hinreißenden und gefühlvollen Spiel, sondern verstand es auch, die Technik ihres voluminösen Instruments – im Orchester ist es das größte – anschaulich zu erklären.

Im ersten Teil des Programms erklangen vorwiegend Bearbeitungen bekannter Werke für Orchester oder, wie gleich zu Beginn, eines Orgelkonzerts von Georg Friedrich Händel. Die schnellen Triller, das Dreiklangmotiv, die glitzernden Tonleitern – es klang so, wie für die Harfe komponiert. In der Barockzeit war es ohnehin üblich, die vorhandene Musik auf verschiedenen Instrumenten zu spielen.

Prädestiniert für die Interpretation auf der Harfe sind Werke wie „La Source“ („die Quelle“) des Spätromantikers Alphonse Hasselmans, bei denen man das Wasser des Gebirgsbachs geradezu herunterrieseln und herabplätschern hören kann. In noch größerem Maßstab tat dies „die Moldau“ von Bedrich Smetana. Aus filigranen Anfängen entwickelten sich die markanten Themen in einem großen Crescendo bis hin zu orchestraler Größe und sinfonischem Volumen. Für viele Zuhörer war die unmittelbar erlebbare Klangfülle der Harfe eine neue, vielleicht die überraschendste Erkenntnis.

Liebe auf den ersten Blick

Ekaterina Afanasieva informierte mit interessanten Details über ihre nagelneue norditalienische „Salvi“-Harfe, die nun zum ersten Mal im Konzert gespielt werde. Sie habe 47 Saiten, einen Tonumfang von sechseinhalb Oktaven und sieben Pedale, mit denen man jede Saite mit drei verschiedenen Halbtönen spielen könne.

In dieses auch optisch schöne, mit Intarsien verzierte Instrument habe sie sich von Anfang an verliebt, räumte sie mit einem Anflug sympatisch-schüchterner Zurückhaltung ein – die Zuhörer konnten es nachvollziehen und genossen die folgenden Stücke noch intensiver als zuvor. Komponisten wie der Spanier Francisci Tarrega und der Kubaner Ernesto Lecuona hatten südländisches Feuer und heiße Tanzrhythmen in Noten gefasst und Ekaterina Afanasieva gelang es, die Intentionen der Komponisten auf die Zuhörer im Hofgartenschlösschen zu übertragen. Das leuchtend rote Kleid der Künstlerin, das sie für den zweiten Konzertteil gegen ein ebenso schönes, türkisfarbenes Exemplar getauscht hatte, passte optisch perfekt zur Musik, zur Abendsonne und zur angenehmen, gefühlvollen Stimmung.

Schade, dass das Konzert bald nach „Baroque Flamenco“ von Deborah Henson-Conant zu Ende ging, denn jetzt konnte man beobachten, wie die Musikerin es immer mehr genoss, ihre Zuhörer mit ungewöhnlichen musikalischen Wendungen und Klangeffekten zu überraschen und ihre erstaunten Gesichter zu sehen. Das Harfenspiel selbst, einst sicherlich in harter Arbeit und bewundernswerter Lernarbeit (sie spielte das komplette Programm auswendig!) angeeignet, wurde zu einem nun selbstverständlichen, integrierten, aber natürlich zentral bleibenden Bestandteil eines herausragenden Konzertabends der ganz besonderen Art. Eine schwungvolle Zugabe und viele persönliche Dankesworte und Gespräche mit der Künstlerin rundeten den Abend ab und klingen sicherlich bei vielen Zuhörern noch lange nach.