Wertheim

Karfreitag Über 100 Gemeindemitglieder besuchten in der Stiftskirche die „Andacht zur Sterbestunde Christi“

Kreuz erlöst von Sinnlosigkeit des Lebens

Archivartikel

Die traditionell musikalisch geprägte und mit über 100 Gemeindegliedern gut besuchte „Andacht zur Sterbestunde Christi“ fand am Karfreitagnachmittag wieder in der Stiftskirche statt.

Wertheim. Mit einem ruhigen Largo aus der Sonata VI für Violoncello und Basso Continuo von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) wurde die feierliche Andacht in dem Wertheimer Gotteshaus eröffnet.

Wohltuende Harmonie

Die Alt-Arie „In deine Hände befehle ich meinen Geist“ stammt aus dem „Actus Tragicus“, der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Bianca Schütz sang die tief gesetzten c-moll-Koloraturen in wohltuender Harmonie mit Cello und Orgelbegleitung.

Im Zentrum der Andacht standen vier Strophen des von Chor und Gemeinde gemeinsam gesungenen Liedes „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ nach einer Melodie von Johann Crüger (1598 bis 1662), einem der bis heute bedeutendsten protestantischen Kirchenliedschöpfer.

Der Text stammt von Johann Heermann, der neben Paul Gerhard ebenfalls zu den großen Dichtern bedeutenden Liedguts aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gehört.

Gemeinde stimmte mit ein

Auch bei dem modernen Choral „Holz auf Jesu Schulter“ hatte die Gemeinde noch einmal Gelegenheit, in den Chorgesang einzustimmen.

Nach der Lesung aus dem Lukas-Evangelium über die Kreuzigung Jesu betrachtete Dekan Hayo Büsing das Kreuz als „Realität in jedem Menschenleben“. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unglück, Betrug und Altwerden könnten Kreuze sein. Man habe die Wahl, ob man das Kreuz trage oder ob es einen erdrücke. Schließlich zog er das Fazit: „Das Kreuz erlöst von der Sinnlosigkeit des Lebens“.

Von Antonio Vivaldi erklang nun ein zweites Largo für Cello und Basso Continuo, wiederum andachtsvoll und gesanglich vorgetragen von Matthias Schick (Cello) und Katharina Wulzinger (Truhenorgel).

Bitte um Erlösung

Nach Gebet und dem Vaterunser sang der Chor den Kanon „Per crucem et passionem tuam“ („Durch dein Kreuz und dein Leiden“) aus der Tradition der ökumenischen Taizé-Bewegung mit der Bitte „Durch deine heilige Auferstehung erlöse uns, Herr“.

Tröstende Zusage

Die Feierstunde schloss mit dem Segen des Dekans und dem klangvollen vierstimmigen Chorsatz „Fürwahr, er trug unsere Krankheit“ von Melchior Franck (zirka 1579 bis 1639) mit der tröstenden Zusage: „Durch seine Wunden sind wir geheilet“.

Auch in weiteren Kirchengemeinden in der Region begingen gestern Christen den Karfreitag mit feierlichen Gottesdiensten.