Wertheim

Convenartis Der schwäbische Marcus Neuweiler präsentierte sich als Allrounder, zeigte sein ganzes Können und schaute dem Volk prächtig aufs Maul

Kreuzfahrt als günstige Alternative zum Altenheim

Archivartikel

Wertheim.Mit schwäbischer Mundart in den äußersten Zipfel von Baden zu reisen und dort mit einem zweieinhalbstündigen Programm die Leute zu begeistern, das schafft nicht jeder. Kabarettist Marcus Neuweiler ist mit seiner Kunstfigur „Alois Gescheidle“ seit fast 30 Jahren auf der Bühne und im Fernsehen unterwegs und zerlegt mit schwäbischer Gründlichkeit, aber auch typisch schwäbischer Gemütlichkeit und Wortwitz die gesellschaftlichen Probleme.

Sein Programm „Wo ganga mr na“ ist als Anregung zum Buchen eines eigenen Urlaubs gedacht, wobei Neuweiler alle Urlaubsarten selbst ausprobiert hat. Nur so ist es ihm möglich, seine wertvollen Tipps und Anregungen dem Publikum im Saal zu vermitteln und sie zu überzeugen. „Ich will aufs Schiff“, ist dann auch die spontane Äußerung einer Besucherin am Ende des Abends, als Neuweiler das Publikum fragt, welche Art von Urlaub sie denn jetzt bevorzugen würden.

Aber die Wahl ist auch mehr als verständlich, schließlich gibt es auf einem Urlaubsschiff den ganzen Tag Buffets und frische Luft, also ideale Voraussetzungen für die schwäbischen Sparfüchse. „All inclusive ist der Geheimtipp für Schwaben“. Und auch als Alternative für Seniorenheime geht so eine Schiffsreise ganz passabel. „Immer mehr Junge bringen ihre Eltern auf ein Schiff und schicken sie auf Kreuzfahrt“. Schließlich seien die Kosten im Gegensatz zum Seniorenheim wesentlich günstiger und die Betreuung um ein vielfaches besser, erkannte der bekennende Schwabe. Kein Wunder also, dass das Durchschnittsalter bei einer Kreuzfahrt bei 74,5 Jahren liege, Tendenz zunehmend.

Neuweilers Anekdoten und selbst erlebten Berichte an diesem Abend hielten keinen mehr auf seinen Stühlen. Alle Besucher bogen sich vor Lachen. Immer wieder verstand es der Kabarettist, die Zuschauer mit ins Geschehen einzubinden, so wie bei dem Bericht über den Nordseeaufenthalt und die Wattwanderung mit seiner Frau. Er griff sich einfach einen Zuschauer und holte ihn auf die Bühne. Was dann folgte war Situationskomik pur, denn trotz geringer Regieanweisungen wusste der Zuschauer sofort, wie er sich zu verhalten hatte.

„Kenne sie etwa mei Weib?“, fragte dann auch Neuweiler, weil der Laie sich so gut anstellte. Der verneinte, scheint aber ähnliche Erfahrungen in seiner Ehe bei einer Wattwanderung gemacht zu haben.

Weitere Urlaubserkenntnisse sammelte Neuweiler als Camper an der Cote d´Azur oder bei einer perfekt organisierten Flugreise. „Wer die 20 Kilo Freigepäck festgelegt hat, war bestimmt keine Frau“, mutmaßte Neuweiler, als er berichtete, was seine Frau alles für die Reise nach Malle in ihren Koffer quetschte. Seine Tipps für das Parken am Flughafen, egal ob Auto beim Pfandleiher unterstellen oder sich in der Kurzparkzone abschleppen lassen, alles wurde schwäbisch schön verpackt und logisch erklärt. Schließlich sind die Schwaben Weltmeister im Sparen.

„Wenn es irgendwo ein Schnäppchen gibt, greift der Schwabe zu, egal ob er es braucht oder nicht“, so wie sein Nachbar, der auf seinem Balkon nur Kunstrasen hat, sich aber trotzdem einen Mähroboter gekauft hat. Der war schließlich reduziert.

Beim Bergwandern schließlich, das merkte man Marcus Neuweiler an, ist der Kabarettist zu Hause. Er beobachtet mit einem feinen Gespür für die Situationskomik alle Vorkommnisse bei einer Bergtour und verpackt sie so elegant, dass man nur noch lachen kann. Egal ob das „Kleinklima im Trockenraum“ oder die Wirkungen einer „Bretteljause“ am frühen morgen auf einer Berghütte, alles kommt so originell rüber, als wäre man live dabei.

„Ich hoffe ich konnte ihnen einige Tipps für ihren nächsten Urlaub vermitteln“, beschloss der Kabarettist den Abend, um in seiner Zugabe nur noch darauf hinzuweisen, dass eine Zugreise als nächstes auf dem Programm steht, er aber noch auf die Abfahrt des Zuges wartet und was man alles in Paris bei einer Städtereise erleben kann. Das Wertheimer Publikum hatte jedenfalls seinen Spaß und kann nun beruhigt in die schönsten Wochen des Jahres starten.