Wertheim

Vernissage auf der Burg Ausstellung „Verwoben“ zeigt Werke der Malerin Sónia Aniceto und des plastischen Künstlers Sebastian Wien

„Kunstsommer“ wird fester Bestandteil

Archivartikel

Der „Kunstsommer auf der Burg“ soll zum dauerläufer werden. Das stellten die Protagonisten bei der Vernissage in Aussicht.

Wertheim. Was sich am Ende der ersten Kunstausstellung auf der Burg Wertheim im Herbst 2018 abzeichnete, kann sich jetzt zu einer neuen Erfolgsgeschichte für die Kunst- und Kulturszene der Großen Kreisstadt entwickeln. Der „Kunstsommer auf der Burg“ soll fester Bestandteil des kulturellen Angebots im Jahresablauf werden, wie Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez und Burgmanager Christian Schlager in ihren Grußworten zur Vernissage der neuen Ausstellung „Verwoben“ mit Werken der Malerin Sónia Aniceto und des plastischen Künstlers Sebastian Wien betonten.

Dem steht nichts entgegen, denn auch der Dortmunder Galerist Axel Schöber, der vor vier Jahren erstmals in Wertheim weilte und sofort vom Flair der Stadt und der Burganlage begeistert war, signalisierte seine Bereitschaft. Zur Premiere des „Kunstsommers auf der Burg“ im Jahre 2018 kamen mehr als 1500 Besucher und bewunderten zeitgenössische Kunstwerke im Neuen Archiv der Burg.

Folgerichtig kuratiert auch in diesem Jahr der Dortmunder Galerist Axel Schöber in Kooperation mit der Stadt Wertheim zwei Kunstausstellungen auf hohem, professionellem Niveau. Den Auftakt macht jetzt die Ausstellung „Verwoben“ mit zwei Künstlern, „wie sie unterschiedlicher und klischeehafter nicht sein könnten“, wie Axel Schöber bei der Vernissage gestern unterstrich. Den Kunstsommer 2019 auf der Burg sah er als eine „Gratwanderung zwischen Melancholie, Paradoxie und Perfektionismus, zugehörig einer bühnenartigen Traumwelt“.

Traditionelle Textilien und Malerei

MalereiSónia Aniceto, 1976 in Lissabon geboren, aktuell in Brüssel lebend, verbindet moderne Malerei mit Stoffen und Garnen. Die Künstlerin kombiniert in ihren Werken traditionelle, portugiesische Textilarbeit mit moderner Malerei zu einer ganz eigenen Bildsprache. In die scheinbar schon fertige Malerei werden in die Leinwand oder auch Spezialpapiere per Nähmaschine und per Hand, Garne, farbige Flächen, Konturen und Linien eingebracht, die die Malerei dynamisieren beziehungsweise deren Oberflächenstruktur verändern.

Dagegen lässt der Dortmunder Bildhauer Sebastian Wien, 1962 im westlichen Sauerland geboren, eigen berechnete Kreis- und Bogenelemente aus Stahl industriell fertigen. Diese verschweißt er zu neuen Objekten, die nicht nur das Wechselverhältnis von Innen- und Außenraum, von Licht und Schatten thematisieren.

Die metallischen Oberflächen, die schon durch die Schweißarbeiten optische Veränderungen erfahren haben, werden zudem noch mit Säure behandelt. Dies führt in einer Mischung aus Steuerung und Zufall in Kombination mit dem „Faktor Zeit“ zu einer beschleunigten Rostbildung, die eine malerische Qualität aufweist.

Sowohl die jeweils verwendeten Materialien (Stoff/Pigment oder Metall) als auch die Verarbeitungsweisen (Pinsel/Nähmaschine beziehungsweise Laser/Schweißgerät) scheinen auf eine „klare“ Rollenverteilung zwischen Frau und Mann hinzuweisen, so Schöber bei der Einordnung der beiden Künstler.

Zusammen entstehe so eine klassische Kunstausstellung auf internationalem Niveau mit sehr gegensätzlichen Materialien und Vorgehensweisen. Das hohe handwerkliche Können beider Künstler und die scheinbar diametralen Welten von Aniceto und Wien, Pigment, Stoff, Garn und Metall, Säure und Rost verbinden sich so zur Ausstellung „Verwoben“.

Im August neue Ausstellung

Zu sehen ist sie von 30. Juni bis 28. Juli, jeweils Mittwoch bis Sonntag von 10.30 bis 17 Uhr sowie vor Veranstaltungen und nach Absprache. Weitere Informationen gibt es unter www.art-isotope.de im Internet.

Ab August startet mit der Ausstellung „Portraitiert?“ eine Präsentation mit einem ganz anderen Ansatz, an der etwa zehn Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, England, Österreich und den Niederlanden teilnehmen. Das künstlerische Spektrum ist groß – sowohl was die Reputation und Ausbildung angeht, als auch was die verwendeten Techniken betrifft. Schwerpunkt dieser Ausstellung ist die Frage, welchen Stellenwert angesichts von millionenfach gemachten Selfies und allgegenwärtiger Videoüberwachung das menschliche Gesicht hat. Die Ausstellung „Porträtiert“ wird von 11. August bis 27. September zu sehen sein.