Wertheim

Pfarrkirche St. Lioba Grundstein vor einem halben Jahrhundert gelegt / Mit Gottesdienst gefeiert / Wertheimer Künstlerin Waltraud Kunz verschenkt Bild der Heiligen

Kunstwerk zum Jubiläum gesegnet

Archivartikel

Der Grundstein der Pfarrkirche St. Lioba wurde vor 50 Jahren gelegt. Das feierte die Gemeinde am Sonntag mit einem großen Gottesdienst und einem Pfarrfest.

Hofgarten. 50 Jahre seien für die Kirchengeschichte eine kurze Zeit, für einen Menschen sei es aber oftmals mehr als ein halbes Leben, brachte es Bürgermeister Wolfgang Stein es in seinem Grußwort auf den Punkt. In den Texten und Ansprachen zum Jubiläum ging es nicht nur um die Geschichte des Gebäudes, sondern vor allem um jene, die das Leben der Pfarrgemeinde mitgestaltet haben.

Zelebriert wurde der Festgottesdienst von Pfarrer Jürgen Banschbach zusammen mit seinen Amtsvorgängern Wolfgang Meny und Georg Röser sowie Diakon Reiner Thoma. Musikalisch gestaltete ihn der gemeinsame Kirchenchor von St. Elisabeth und St. Venantius unter der Leitung von Dieter Bender. Solistin war Sonja Miranda-Martinez.

Dankbarkeit und Freude

Christa Michelfeit, Leiterin des Gemeindeteams St. Lioba, freute sich, das besondere Jubiläum am Gedenktag der Heiligen Lioba mit zahlreichen Gästen zu feiern. Sie blickte mit großer Dankbarkeit und Freude auf die Grundsteinlegung des Gotteshauses 1968 zurück. „Diese Kirche gehört zu unserem Stadtteil und wir sind stolz darauf.“

Sie sei nicht nur ein Ort religiösen Lebens, sondern auch der Begegnung. Das Vertiefen von Kontakten sei in der heutigen schnelllebigen Zeit wichtig, so Michelfeit. Viele würden mit dem Kirchenraum auch persönliche Erinnerungen verbinden. Freude und Dankbarkeit erfüllten sie angesichts der ökumenischen Zusammenarbeit im Stadtteil. „Unsere Kirche möge ein Ort bleiben, in dem sich Menschen gerne versammeln, um ihren Glauben gemeinsam zu leben.“ Dazu müsse man bereit sein, neue Wege zu gehen.

Ernst Buchberger, Mitglied im Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat, gab einen Einblick in die Geschichte und Ausstattung des Gotteshauses. Er dankte Christa Michelfeit und Dorota Halemba sowie allen weiteren Helfern. Zudem sprach er der Wertheimer Künstlerin Waltraud Kunz für ihr großzügiges Geschenk Dank aus. Sie hatte für die Kirche ein Bild der Patronin gemalt.

Die Lesung des Festgottesdienstes stammte aus dem Buch der Weisheit. Banschbach betonte, diese erlange man durch Lebenszeit und Erfahrung. „Gott ist die Weisheit schlechthin und lässt uns daran teilhaben, damit wir uns uneigennützig einbringen.“ Dies habe die Heilige Lioba im achten Jahrhundert getan. Ihr Engagement für den Nächsten habe sie so wertvoll und kostbar gemacht, dass sie nie vergessen wurde.

Bild der Patronin

Anstelle einer Predigt stellte Kunz ihr Werk vor. Banschbach sagte dazu einleitend: „Wir stellen schon lange fest, im Innenraum unserer Kirche fehlt uns ein Bild der heiligen Lioba.“ Kunz sei aktives Mitglied der Pfarrgemeinde. Als er ihre Bilder gesehen habe, sei er begeistert gewesen, erinnerte sich der Pfarrer. Menschen, Bewegung, Tanz und Spiel seien ihre Themen. „Da musste ich sie einfach nach einem Bild der Lioba fragen.“

Beeindruckende Persönlichkeit

Die Künstlerin erläuterte, in ihrem Bild habe sie das zu verarbeiten versucht, was sie an der Person der Heiligen beeindruckend fand. „Ich wünsche mir, dass Sie beim Betrachten des Bildes genauso von dieser Heiligen berührt werden wie ich.“

Lioba habe den Mut besessen, als Missionarin von England ins fremde fränkische Reich zu gehen. Bemerkenswert war für Kunz die Begeisterung, mit der Lioba junge Frauen ausgebildet habe. Anerkennung sprach sie der Heiligen für ihre Weitsicht und ihre Bescheidenheit trotz allen Erfolgs aus. Ihre Wirkung als Äbtissin im Tauberbischofsheimer Kloster hob sie hervor. „Sie machte es zu einem Kultur- und Bildungszentrum und gründete weitere Klöster.“

Auf dem Bild befindet sich unter anderem eine Kirchenglocke, als Symbol für den Traum, den Liobas Mutter in der Schwangerschaft hatte. „Sie träumte, sie würde eine läutende Kirchenglocke gebären und sah dies als Zeichen. So weihte sie ihr Kind Gott“, erklärte Kunz. Banschbach dankte sie für sein Vertrauen. Dieser lobte die intensive Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Leben Liobas. Anschließend segnete er das Bild. Es wird noch einige Zeit im vorderen Altarbereich zu betrachten sein, bevor es an der Wand im Chorraum aufgehängt wird.

Glückwünsche und Dank zum Fest

Am Ende des Gottesdienstes überbrachte Bürgermeister Stein die Glückwünsche der großen Kreisstadt zum Jubiläum. Die Kirche sei für die Menschen da. Sie biete ihnen ein Leitbild, das sie durch ihr Leben begleitet. Menschen ziehe es bei vielen wichtigen Lebensereignissen in die Kirche. Sie sei ein Ort, in dem existenzielle Fragen gestellt werden und dies sei bis heute zentral. Kirchliche und politische Gemeinde bräuchten sich gegenseitig, verwies er auf das soziale Engagement der Kirchen und dankte allen Haupt- und Ehrenamtlichen.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Staley würdigte das Gemeindeteam und alle Helfern für die monatelange Vorbereitung. Sie schloss mit einer Beschreibung der Heiligen als die Liebe Gebende.

Groß war das Interesse an der Ausstellung zur Geschichte der Kirche und der Pfarrgemeinde St. Lioba. Das Pfarrfest wurde im evangelischen Gemeindehaus gefeiert. Es gab Spiele und ein Luftballonwettbewerb für Kinder, eine Filmvorführung über Aktivitätenn der Gemeinde und einen Fair-Trade-Verkauf. Das Fest schloss mit einer Vesper.