Wertheim

Naturverbundenes Hobby Der Wertheimer Imkerverein hat aktuell 106 Mitglieder / Vorsitzender Wolfgang Erbacher gibt Auskunft über die nützlichen Insekten

„Man muss eigentlich keine Angst haben“

Archivartikel

Hitze und Trockenheit sorgen für eine leicht verkürzte Bienensaison. Ab August bereiten die Imker ihre Völker bereits auf den kommenden Winter vor.

Wertheim/Steinbach. „Man muss Interesse haben und die Verbundenheit mit der Natur suchen. Denn Bienen und Natur gehören zusammen.“, antwortet Wolfgang Erbacher auf die Frage, was man als Hobby-Imker mitbringen müsse. Der Vorsitzende des Imkervereins Wertheim hält mittlerweile seit über 30 Jahren Bienen. Schon als Kind begeisterte er sich für die nützlichen Insekten – und das, obwohl in seiner Familie niemand Imker war. „Ich habe sozusagen bei null angefangen“, blickt er zurück.

Um seinen Einstieg in die Imkerei zu finden, sei Erbacher damals in den Wertheimer Imkerverein gegangen, wo auch heute noch regelmäßig Stammtische stattfinden. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht und man hilft sich bei möglichen Fragen oder Problemen gegenseitig weiter.

Mittlerweile umfasst sein Bestand jedes Jahr um die zwölf Völker. „Das deckt meinen Honigbedarf ganz gut ab.“ Für 2018 ist die Bienensaison bereits vorüber. Der Honig ist geschleudert und abgefüllt.

Eindringlinge auf Futtersuche

„Man merkt, das jetzt nicht mehr so viel los ist, weil es nichts mehr gibt“, beschreibt Erbacher die Situation im August. Die starke Hitze und Trockenheit habe für eine etwas kürzere Saison gesorgt, denn die Blüte sei vorüber und für die Bienen gebe es nichts mehr zu holen.

Während die Bienen allerdings mit dem Honig, beziehungsweise dem zugefütterten Zuckerwasser, für den Winter bestens ausgerüstet sind, machen sich andere Insekten nun auf die Suche nach Nahrung. „Ich brauche nur den Deckel aufzumachen, schon sind die Wespen da“, berichtet Erbacher von den unliebsamen Besuchern.

Um an die Vorräte im Innern zu kommen, versuchen Wespen in den Bienenstock einzudringen. Das Bienenvolk ist aber keineswegs wehrlos: Bis zu zehn Bienen gleichzeitig stürzen sich auf mögliche Eindringlinge und „knäulen“ sie ein. So werden die „Fremdkörper“ erstickt. Um seine Völker bei der Abwehr zu unterstützen, verkleinert der Imker zu dieser Jahreszeit die Einfluglöcher.

Den richtigen Standort wählen

„Viele Anfänger wollen den Bienenkasten bei sich in den Garten stellen“, weiß Erbacher aus dem Verein zu berichten. „Das ist in modernen Wohngebieten aber gar nicht mehr möglich.“ Man könne nicht einfach irgendwo ein Volk ansiedeln, am besten sei ein Standort etwas außerhalb. Seine zwölf Bienenvölker hat Erbacher auf zwei Plätze in Steinbach aufgeteilt. Einer befindet sich am Ortsrand, der andere am nahe gelegenen Wald.

So kann er mit unterschiedlichen Einzugsgebieten verschiedene Honigsorten herstellen. Die Kästen stehen im Halbschatten unter Bäumen, dem prallen Sonnenlicht sollten sie nicht ausgesetzt sein. Die richtige Ausrichtung – nach Osten oder Süd-Osten – ist ebenfalls wichtig, damit morgens die Sonne auf die Vorderseite der Bienenkästen scheint.

Paten helfen Neueinsteigern

Der Wertheimer Imkerverein umfasst momentan 106 Mitglieder – und es kommen regelmäßig neue Hobby-Imker hinzu. Es sei wichtig, den Einsteigern einen „Paten-Imker“ zur Seite zustellen, der den Anfängern bei Fragen und Problemen weiterhelfen könne, spricht Erbacher aus langjähriger Erfahrung. Er selbst ist Ansprechpartner für mehrere Imker in der Umgebung.

Sämtliche Altersstufen seien im Verein vertreten, so Erbacher, von Jugendlichen über Erwachsene bis hin zu Senioren. Nachwuchsprobleme gebe es im Verein also nicht. Das aktuell jüngste Mitglied ist zwölf Jahre alt. Im Schnitt besitzen die Wertheimer Imker acht bis zehn Völker. Über den Winter seigert man die Anzahl mit sogenannten „Ablegern“ ein wenig, da laut des Vorsitzenden oft nicht alle Völker die kalte Jahreszeit überstehen: „Im Frühjahr schaut man dann, was übrigbleibt“.

Keine Angst vor Bienen

„Vor Bienen braucht man eigentlich keine Angst zu haben“, versichert der langjährige Imker. „Sie sind sehr nützlich und heute außerdem nicht mehr so aggressiv wie früher.“ Die Bienenvölker von Wolfgang Erbacher seien durch entsprechende Züchtung recht friedlich. Ihr Verhalten hängt maßgeblich von der Königin ab. Ist also die Königin sanftmütig, ist auch das Volk dementsprechend ruhig.

„Wenn bei einem Volk alles einigermaßen passt, Honigertrag, Sanftmütigkeit und Winterbeständigkeit, dann kann man davon nachzüchten“, erklärt Erbacher seine Kriterien für ein gutes Volk. Treffen diese zu, zieht man in speziellen Zellen eine neue Königin, die dann in ein Volk ohne Königin oder mit einer unpassenden Königin integriert wird.

Da er sich auf das ruhige Verhalten seiner Tiere verlässt und schon einige Jahre Erfahrung gesammelt hat, traut sich Erbacher auch ohne Schutzkleidung an den Bienenstock heran. „Normalerweise arbeite ich immer in kurzer Hose und kurzem Hemd draußen bei den Bienen. Nur den Schleierhut setze ich meist auf.“ Als Anfänger oder Allergiker müsse man durchaus ein wenig vorsichtiger sein, räumt Erbacher ein.

Hobby mit Verantwortung

„Wenn man sowas hat, dann muss man sich immer darum kümmern“, gibt Erbacher zu bedenken. „Auch im Winter schaue ich regelmäßig nach den Bienen, selbst wenn Schnee liegt. Das gehört eben auch dazu.“ Aus diesem Grund sei es wichtig, die nötige Leidenschaft und Begeisterung mitzubringen.

Jemand, der die Insekten nur anschaffe „um Bienen zu haben“, der sei in diesem Metier falsch, denn es sei zweifellos eine gewisse Verantwortung dabei. Auf der anderen Seite sei es aber auch ein überaus bereicherndes Hobby: „Man ist immer mit der Natur verbunden und tut der Natur gleichzeitig etwas Gutes“. Um das nützliche Hobby zu fördern, gibt es laut Erbacher von der Stadt Wertheim für Neueinsteiger einen Zuschuss. Damit tut die Stadt Landwirtschaft und Verbrauchern einen Gefallen, denn die Bienen sind für einen Großteil des Ertrags auf den Feldern verantwortlich. „Ohne Bienen gebe es nur noch einen Bruchteil an Obst und Gemüse“, hebt Erbacher die Bedeutung der Insekten hervor.