Wertheim

Otfried-Preußler-Schule Lehrer tragen ihre Sorgen an die Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft heran / Probleme gleichen denen an anderen Grundschulen im Land

Mehr Personal und mehr Zeit statt weiterer Bürokratie

Gleich säckeweise hat das Lehrerkollegium der Otfried-Preußler-Schule seine Anliegen gebündelt und gestern an Vertreterinnen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft übergeben.

Reinhardshof. „Zeigt uns eure Schule und eure Arbeit“ heißt eine aktuelle Aktion der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Machen wir“, sagte sich das Kollegium der Otfried-Preußler-Schule (OPS) am Reinhardshof.

„Wir haben das in der Gesamtlehrerkonferenz diskutiert und beschlossen, Vertreter der GEW im Rahmen dieser Aktion einzuladen“, berichtete Rektorin Simone Schott. Gestern kamen nun Jana Kolberg, Vorsitzende des Kreisverbandes Main-Tauber/Hohenlohe und Silvia Bambusch, Vorstandsmitglied im Kreisverband Schwäbisch Hall nach Wertheim, um sich die Situation an der OPS schildern zu lassen. Das übernahmen, neben Schulleiterin Schott, die Pädagoginnen Simona Klein und Nadine Hirschfelder.

Thema Wertschätzung

Was die drei zu berichten hatten, unterschied sich – sieht man einmal von lokalen Gegebenheiten ab – kaum von dem, worüber an anderen Grundschulen des Landes geklagt wird. In den Forderungen an die Landesregierung war man sich deshalb auch relativ schnell einig: Alle Grundschulen brauchen mehr Personal und mehr Zeit statt ständig neuer Aufgaben und weiterer Bürokratie. Es geht um das Thema Wertschätzung, die sich auch in der Höhe der Besoldung ausdrücken muss. Die Rahmenbedingungen müssen attraktiver gestaltet und der Ganztagesbereich zumindest weiterentwickelt werden.

Zurzeit werden an der Otfried-Preußler-Schule 197 Mädchen und Jungen unterrichtet, die am Wartberg, auf der Bestenheider Höhe, im Reinhardshof und in Vockenrot wohnen, informierte Simone Schott. Nach offiziellen Angaben hätten rund 90 Kinder einen Migrationshintergrund, davon seien 54 Ausländer, die vornehmlich aus Kroatien, Ungarn, Syrien, Afghanistan oder Rumänien stammten. Ein zunehmendes Problem sei, dass in russlanddeutschen Familien wieder vermehrt russisch zu Hause gesprochen werde.

Um die Kinder kümmern sich nach Aussage der Rektorin elf Lehrerinnen und drei Lehrer. Dazu kommen die Schulleitung – die im neuen Schuljahr von einem Konrektor unterstützt wird – eine Sekretärin und ein Hausmeister. Neun Jugendbegleiter beziehungsweise Ganztagskräfte, drei Kräfte bei der Essensausgabe und eine Aufsicht bilden das weitere Personal. Seit Januar vergangenen Jahres gibt es an der OPS eine Schulsozialarbeiterin, zuerst mit einer 50-Prozent, jetzt mit einer 75-Prozent-Stelle. „Weitere von Stadt und Diakonie mitfinanzierte Unterstützungssysteme sind Sprachförderung und die sogenannte ‚kleine soziale Gruppenarbeit’.“

Außerdem ist die Otfried-Preußler-Schule ein sogenannter LRS-Standort, an dem in Kleingruppenförderung an der Behebung von Lese-Rechtschreib-Schwächen gearbeitet werden soll.

Aufwand, den niemand sieht

Schott schilderte den Besucherinnen auch die Geschichte des Schulstandortes Reinhardshof, sowie die Gründe und die Folgen der Zusammenlegung mit der Otfried-Preußler-Schule am Wartberg. Deren Sanierung steht an, was Umzug bedeutete und später Rückumzug bedeutet. Auch dies sei „ein Arbeitsaufwand, den im Prinzip niemand sieht“.

Schlimmer und noch fordernder sind aber zusätzliche Belastungen in anderen Bereichen, die von der Rektorin und ihren Kolleginnen sehr eindrücklich dargestellt wurden. Das fängt bei immer mehr Kindern die kein oder kaum Deutsch sprechen an und hört bei Vandalismus auf dem Schulhof in den Abendstunden oder am Wochenende noch lange nicht auf.