Wertheim

Beim Amtsgericht verhandelt Auszubildender muss 300 Euro Strafe zahlen

Mit Böller Automat gesprengt

Archivartikel

Wertheim.Es tat einen ordentlichen Schlag, als im November 2017 ein 18-jähriger Mann in Stadtprozelten einen Böller zündete, den er in den Ausgabeschacht eines Zigarettenautomaten gesteckt hatte. Der Sachschaden an dem 3280 Euro teuren Gerät betrug 632 Euro.

Wegen vorsätzlicher Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion musste sich der Auszubildende aus der Großen Kreisstadt Wertheim nun beim hiesigen Amtsgericht verantworten. Bei Jugendlichen und Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) wird am Gericht des Wohnorts verhandelt, nicht am Gericht des Tatorts (hier Miltenberg/Obernburg).

Der Beschuldigte hatte sich nach dem Vorfall beim Eigentümer des Automaten entschuldigt und den Schaden in Raten beglichen. So waren jetzt Staatsanwaltschaft und Jugendrichterin bereit, entsprechend dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe (JGG) Main-Tauber das Verfahren gegen Zahlung einer Buße von 300 Euro sowie gegen weitere Auflagen vorläufig einzustellen.

Der Angeklagte war nachts mit „Freunden“ in Stadtprozelten unterwegs und man hatte Alkohol getrunken. Er wollte Zigaretten kaufen, war aber nach eigenen Angaben mit der Bedienung durch den Automaten unzufrieden. Er gab nicht das heraus, was er wollte.

Der Beschuldigte ist in den vergangenen Jahren drei Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten: wegen Körperverletzung, Widerstands gegen Polizeibeamte sowie Drogen. Entsprechend kennt ihn die JGH gut. Ihre Einschätzung war für den Ausgang des jetzigen Verfahrens entscheidend. Danach hat sich der junge Mann seit dem Vorfall in Stadtprozelten zum Positiven entwickelt, das flegelhafte, aggressive Verhalten abgelegt. Hilfreich dabei sei die Betreuungsweisung gewesen, die ihm nach dem letzten Strafverfahren auferlegt worden war.

Die Ausbildung am Arbeitsplatz gefalle ihm, er werde dort akzeptiert. Nach der Prüfung bestünden gute Aussichten auf eine dauerhafte Anstellung.

Staatsanwalt und Gericht zeigten sich erfreut. Doch die Richterin betonte, entscheidend sei das Durchhaltevermögen beim Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum.

Die Geldbuße geht an den Jugendhilfe-Fonds des Main-Tauber-Kreises. Zudem muss der Angeklagte die Gesprächstermine bei der Suchtberatung so lange wahrnehmen, wie man es dort für erforderlich hält. goe