Wertheim

Urpharer Abendmusik „Rossini-Duo“ glänzte mit souveränen Interpretationen

Mit hochkarätigen Werken überzeugt

Archivartikel

Urphar.Die 116. Urpharer Abendmusik am Neujahrsabend begann mit einer weniger guten Nachricht: Pfarrerin Dr. Annegret Ade musste verkünden, dass ein Grippe-Virus aus dem „Rossini-Trio“ ein „Rossini-Duo“ gemacht hatte. So waren es „nur“ die Mezzosopranistin und Kammersängerin Undine Dreißig und Thorsten Fabrizi, versierter Pianist und Organist, die den Besuchern mit einer modifizierten Programmfolge einen gleichwohl beeindruckenden Abend bescherten.

Mit einem der hochkarätigsten Orgelwerke überhaupt, der G-Dur-Fantasie von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), eröffnete Fabrizi das Konzert. Auf einen schnellen Manualiter-Teil folgte eine fünfstimmige, von spannungsvollen harmonischen Wendungen geprägte Fuge. Ein wiederum virtuoser Abschluss ließ vor allem die Zuhörer auf den Emporen rund um die Orgel staunen, mit welch präziser Fingerfertigkeit der Organist die rasanten Passagen meisterte und in der trockenen Akustik der Jakobskirche makellos und souverän präsentierte.

Mit gesprochenen und gesungen Neujahrswünschen gelang es Dreißig, eine heimelige, zwischendurch auch nachdenkliche weihnachtliche Stimmung in der gut besetzten Wehrkirche zu verbreiten. So fragte sie in einem Gedicht über die „Neujahrswünsche“: „Wie soll das kleine neue Jahr das alles schaffen?“

Ein Liederzyklus des Kirchenkomponisten und Kompositionslehrers Peter Cornelius (1824 bis 1874) wurde ergänzt durch das Lied „Weihnachtstraum“ von Max Reger, der wie Cornelius einen großen Teil seines Wirkens in Sachsen verbrachte. Weitere virtuose Orgelwerke von Allessandro Scarlatti ließen die schönen Flötenregister der historischen Orgel zur Geltung kommen.

Berühmte Arien von Georg Friedrich Händel, wie „Lascia ch’io pianga“ und „Ombra mai fu“, dem berühmten „Largo“ aus der Oper „Xerxes“, sang Undine Dreißig sanft und gefühlvoll, von Thorsten Fabrizi passend begleitet am E-Piano, der „Chor-Orgel“, ebenso souverän wie an der historischen „Haupt-Orgel“ im Zentrum der ehrwürdigen Kirche. Gedichte von Erich Kästner ließen nachdenken, so über das Wortspiel „Wehmut tut halt weh“ und „Das Jahr kennt seinen letzten Tag; du kennst deinen nicht“.

Ein Höhepunkt war die Geschichte über ein achtjähriges Mädchen, das 1897 einen Brief an die „New York Times“ mit der Frage nach dem Weihnachtsmann geschrieben hat. Auch wenn man nichts beweisen könne, so die Antwort der Redaktion, solle und müsse man getrost an Wunder glauben, auch wenn man sie nicht begreifen könne.

Ein Wagnis war es sicherlich, die berühmte Bachsche d-moll-Tokkata, das wohl bekannteste Orgelwerk überhaupt, auf der gewöhnungsbedürftigen Orgel mit einem weit von heutiger Norm entfernten Pedal auf das Programm zu setzen. Das Wagnis gelang und die Bewunderung für die souveräne Interpretation bleibt vielen Besuchern sicherlich noch lange in Erinnerung.

So wünschte sich auch Pfarrerin Ade am Schluss ein Wiedersehen mit den Künstlern, bevor sie die Anwesenden nach zwei Zugaben mit dem Segen verabschiedete: „Seien Sie behütet in diesem neuen Jahr“.