Wertheim

Wahlkampf FDP-Spitzenkandidatin Susanne Löffler war am Samstag in der Wertheimer Innenstadt unterwegs / Ziel: Zwei Sitze im Gemeinderat

Mit „Mitnahmebänken“ Mobilität stärken

Archivartikel

Die FDP geht als kleinstes Team ins Rennen um die Mandate im Gemeinderat. Der Wahlkampf fällt entsprechend mager aus. Die FN trafen die Spitzenkandidatin in der Stadt.

Wertheim. Die Suche nach Susanne Löffler dauert. Um 10 Uhr am Samstag, so war es angekündigt, sollte sie auf dem Marktplatz an einem Stand der FDP sein. Alle Parteien und Gruppierungen (bis auf die Freien Bürger) sind anzutreffen. Nicht die FDP.

Nachfragen bei den Wahlkämpfern der CDU und SPD ergeben, dass sie mit einem Bollerwagen im Schlepptau gesehen worden sei. Richtung: unbekannt.

Die gemeinsame Suchaktion mit der Kollegin der „Wertheimer Zeitung“ endet schließlich doch noch erfolgreich.

Stand in der Brückengasse

Susanne Löffler musste ihren Stand etwas entfernt in der Brückengasse aufbauen. „Das Ordnungsamt hat mir diesen Platz zugewiesen“, erklärt sie auf Nachfrage. Es seien wohl schon zu viele Stände auf dem Marktplatz angemeldet worden.

Von Mitstreitern ist nichts zu sehen. Ganz alleine verteilt sie ihre „Wahlgeschenke“. Kinder bekommen aufgeblasene Luftballons. Es gibt Süßigkeiten und kleine Tütchen mit Samen: Aufschrift: „Heute säen, was morgen gedeiht.“ Ein auch bei den anderen Parteien gerne genutztes Wahlkampfutensil.

Zu allem Überfluss ist Susanne Löffler noch erkältet, erzählt sie mit leicht belegter Stimme. Sie wolle aber unbedingt Flagge zeigen.

Ihre drei Mitstreiter auf der FDP-Liste seien beruflich eingespannt und könnten sie deswegen nicht unterstützen. Trotzdem ist sie zufrieden mit der Resonanz. Die Menschen seien „sehr gut gelaunt“. Es herrsche eine Aufbruchstimmung in Wertheim. Das habe wohl mit dem „jungen, neuen Oberbürgermeister zu tun.“

In den sozialen Medien sei man aktiv unterwegs, erklärt sie die Wahlkampfstrategie der Liberalen in der Main-Tauber-Stadt. Aber man habe keine bezahlte Werbung geschaltet. Der Wertheimer FDP-Ortsverband bestehe nur aus zehn Mitgliedern. Davon seien überdies einige gehandicapt und könnten deswegen nicht aktiv am Wahlkampf teilnehmen.

Der FDP-Ortsverband müsse alles selbst leisten. „Wir haben keine Bezuschussung von außen“, so Susanne Löffler.

Angesprochen auf das Wahlziel sagt sie: „Zwei Sitze sind schon realistisch. Drei würden uns freuen. Dann hätten wir Fraktionsstärke.“

Michael Althaus, der vormalige, einzige Vertreter der FDP im Gemeinderat ist im November vergangenen Jahres zur CDU gewechselt.

Zu den Gründen für den Übertritt könne sie wenig sagen. Man habe eigentlich immer gut zusammengearbeitet. „Wenn Herr Althaus seine politische Richtung jetzt in die konservative Richtung geändert hat, kann man das möglicherweise auch mit dem voranschreitenden Alter in Verbindung bringen.“ Sie bedauere den Übertritt sehr. Althaus sei ein „guter und kluger Mitstreiter“ gewesen.

Im Laufe des Wahlkampfs hat die FDP sogenannte „Mitnahmebänke“ vorgeschlagen, um die Mobilitätsprobleme sowohl älterer als auch jüngerer Bürger zu lindern. Diese Sitzbänke stehen an markanten Orten. Wartende nehmen darauf Platz, und jeder vorbeifahrende Autofahrer erkennt, dass der Sitzende mitgenommen werden will.

Ergänzung zum ÖPNV

Dies wäre, so Susanne Löffler, ein ergänzendes Angebot zum ÖPNV. Es sei ein Teil eines „Intergenerationenprojekts“, das die FDP in Wertheim gerne vorantreiben möchte.

In der Main-Tauber-Stadt steht diese Woche die erste Kundgebung der „Fridays-for-Future“-Bewegung an. Der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner hat sich in diesem Zusammenhang über das „Schulschwänzen“ mokiert und erklärt, die Klimapolitik sei eine „Sache für Profis“. Susanne Löffler findet die Demonstrationen der Schüler für Maßnahmen gegen den Klimawandel „super“.

Sie würde es allerdings „glücklich machen, wenn daraus ein praktisches Engagement“ entstünde. Die Schüler sollten beispielsweise Biotope unterstützen, weil sie dann die Energie der Bewegung „mitnehmen und in den Alltag überführen“ würden. Ihrer Ansicht nach sollten diese Demonstrationen außerhalb der Schulzeiten stattfinden.

Das Gespräch mit den Pressevertretern wird immer wieder unterbrochen von Eltern, deren Kinder einen Luftballon haben möchten. Da will man nicht länger stören und verabschiedet sich.