Wertheim

Land und Leute Der 49-Jährige aus Reicholzheim hat in seinem "bunten" Leben schon einiges unternommen

Mit seinen Liedern berührt er die Menschen

Musiker, Liedermacher, Märchenerzähler: Der Reicholzheimer Wortkünstler "Bousch Bardarossa" hat viele Facetten, mit denen er Menschen mitreißen kann.

Reicholzheim. Seine Lieblingsfarbe ist bunt, seine Erlebnisse könnten Bücher füllen, und mit seiner Musik, seinen Liedtexten und Geschichten berührt er Menschen in ganz Deutschland. Weit über Reicholzheim hinaus ist Michael Benz meist als Bousch bekannt.

"Diesen Spitznamen bekam ich schon in der Grundschule", erzählt der 49-Jährige im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Damals habe es noch mehrere Fassungen gegeben. "Bouscher, Bouschi", ergänzte er. Alle Mitschüler hätten nur noch den Spitznamen verwendet. Erst später erfuhr er, dass das Wort im Reicholzheimer Dialekt so etwas wie Tausendsassa bedeutet. Als er 14 oder 15 war, habe er sich auf "Bousch" festgelegt. Vor rund acht Jahren ergänzte er den Namen "Bardarossa" und schuf so seinen jetzigen Künstlernamen. "Der Zusatz ist eine Anspielung auf meinen roten Bart und auf das Wort Barde."

Nach dem Besuch der Reicholzheimer Grundschule ging er bis zur zehnten Klasse auf das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Der Weg zum Künstler war allerdings mit vielen Umwegen verbunden. Mit zehn Jahren habe er angefangen, Gitarrenunterricht zu nehmen. "Ich wollte damals Gitarrenstar werden." Musik habe in seinem Leben immer eine große Rolle gespielt, erzählt er. Nach der Schule versuchte er sich zuerst an einer Kochlehre, die er aber abbrach. Abgeschlossen hat er dann eine Lehre zum Maurer. "Ich würde aber nie in dem Beruf arbeiten." 1991 und 1992 absolvierte er seinen Zivildienst.

Danach habe er sich einen Traum erfüllt und reiste fünf Monate durch Indien. "In dieser Zeit plante ich, nach meiner Rückkehr, beruflich in Richtung Heilpraktiker und Yogalehrer zu gehen." Doch beim Plan sollte es bleiben.

Zwei Wochen in der Natur

Kurz nach der Rückkehr nahm er an einem "Rainbow-Treffen" in Irland teil. "Zwei Wochen in und mit der Natur leben", schwärmte er. "Die Mentalität der Menschen dort und die Einfachheit gefielen mir."

Als schöne und tiefe Erfahrung bezeichnete er seine Teilnahme 1993 an einem Friedensmarsch gegen den Kroatienkrieg. Er führte ihn acht Monate lang mit anderen zu Fuß von Irland nach Slowenien. "Auf dem Weg merkte ich, wie offen und gastfreundlich die Menschen sind", das habe ihn geprägt.

Es folgten viele weitere Reisen. Insgesamt war er über 20 Jahre unterwegs und lebte dabei meist in einfachsten Verhältnissen. Mit Gitarre, Harmonium und Fahrrad war er jahrelang durch Deutschland gereist. Einige Zeit war er auch in der Schweiz als "Kindermädchen", wie er selbst sagte. Später wechselte er auf einen alten Passat, dann 2003 auf einen VW Bus. In dieser Zeit schlug er sich als Straßenmusiker durch oder profitierte vom Wohlwollen der Menschen, die er traf.

1998/99 absolvierte er in mehreren Blöcken eine Ausbildung im Bereich der Friedenstänze. Anschließend gab er darin selbst Kurse oder begleitete die dortigen Ausbilder mit der Gitarre.

Der Faszination des Märchenerzählens war er schon in Irland erlegen. "Ich merkte, wie Musik und Geschichten das Herz der Menschen berühren."

1996 begann Michael Benz, an verschiedenen Orten privat Geschichten und Märchen zu erzählen, und merkte dabei, wie ihm diese Aufgabe gefiel. Irgendwann lernte er die professionelle Märchenerzählerin Sabine Reile aus Nürnberg kennen. Bei ihr absolvierte er in den Jahren 2000 und 2001 eine Ausbildung zum Märchenerzähler. "Danach wurden Musik und Geschichten zu meinem Beruf."

Nachdem er vor allem in Süddeutschland viele Aufträge erhalten hatte, entschied er sich, in Franken sesshaft zu werden. So kehrte er dauerhaft nach Reicholzheim zurück und wohnte ab 2013 bei einem Freund. Im November 2016 zog er in ein historisches Haus in der Richolfstraße. Neben seinem Engagement als freier Künstler ist er seit zwei Jahren Assistenzkraft im Waldkindergarten Waldenhausen. "Für die Kinder dort schrieb ich schon einige Kinderlieder", betont er auch hier die Verbindung zur Musik.

Regelmäßig bietet er zudem Musikangebote zum Mitmachen im Wohnheim der Johannes Diakonie im Hofgarten. Im Sommer nehme er auch schonmal Engagements in größere Entfernung an. Hauptsächlich trete er aber im Umkreis von 300 Kilometern auf. In Wertheim kann man ihn zum Beispiel als Barde beim Ritteressen auf der Burg erleben.

Auftritte als Märchenerzähler hat er in Kindergärten und Schulen, aber auch bei Erwachsenen, beispielsweise an runden Geburtstagen. "Alle Generationen mögen Geschichten", ist er sich sicher. Für Jugendliche rappe er auch schon mal ein Märchen. Seine Texte passt er auf das jeweilige Publikum an. Er erzählt sowohl deutsche als auch ausländische Märchen.

Zum Mitmachen motivieren

Er selbst liebt lustige Geschichten, aber auch solche die spannend sind oder eine Botschaft transportieren. Als guter Märchenerzähler muss man die Geschichte bildhaft vor Augen haben, dann könne man sie gut rüber bringen.

Ihm ist es zudem wichtig, die Zuhörer zum Mitmachen zu motivieren. "Geschichten holen Menschen aus ihrem Alltag heraus und können Weisheiten vermitteln, ohne belehrend zu sein."

Bei den Liedern setzt er meist auf eigene Texte. "Liebeslieder, Protestlieder, Kinderlieder, Lieder aus dem Alltagsleben", nennt er einige Beispiele. Eines ist Bousch wichtig: "Für mich gibt es nur eine Menschheit." So unterstützt er unter anderem das Wertheimer Integranz-Netzwerk für ein gutes Miteinander.