Wertheim

Städtische Musikschule Projektband begeisterte mit ihrem Konzert „New Ears“ in der Stiftskirche

Mit verschiedenen Facetten der Musik gespielt

Wertheim.Wer an moderne Orchesterliteratur denkt, hört oft im Geiste schrille, elektrische Töne. Dass die Musik moderner, noch lebender Komponisten viel mehr zu bieten hat und musikalisch Geschichten erzählt – dies zeigte am Samstag eindrucksvoll die 40-köpfige Projektband der Städtischen Musikschule mit ihrem Konzert „New Ears“ in der Stiftskirche.

Vielfalt beeindruckte

Nicht nur die pure Größe des für dieses Projekt eigens zusammengestellten Orchesters und die Instrumentenvielfalt beeindruckte, sondern auch die Altersmischung der Musiker. Die jüngste Teilnehmerin war gerade zehn Jahre alt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene musizierten gemeinsam.

Und noch etwas erfreute: drei der fünf Komponisten, deren Werke zur Aufführung kamen, waren persönlich anwesend. Einer von ihnen war Hubert Hoche, der mit Michael Geiger auch die musikalische Leitung innehatte und dirigierte.

Charmant führte Jürgen K. Groh durchs Programm und half, die durch Musik und Geräusche erzählten Geschichten noch erfahrbarer zu machen. Da war zum Beispiel das Stück „Dinosaurs“ von Daniel Buckvich. Mit unterschiedlichen Arrangements bekamen verschiedene Dinosaurierarten ihre Bühne, die großen, schwerfälligen, die kleinen, wendigen und die gefährlichen.

An anderer Stelle wurde mit den verschiedenen Facetten der Musik gespielt und experimentiert. Im Fall von „Soundspiele 1“ von Hoche geschah das sogar ohne Noten. Stattdessen hatten die Musiker „grafische Notationen“, die viel Raum für Interpretation ließen, wie Groh erklärte. „Das Stück, so wie es heute aufgeführt wird, hört auch das Orchester zum ersten Mal“. Um so erstaunlicher, mit welcher Spielfreude die Mitwirkenden Töne aus ihren Blasinstrumenten, verschiedensten Percussions, aber auch Alltagsgegenständen wie Plastiktüten holten.

Natürlich nutzt moderne Musik die Technik, und so kombinierte Steven Bryant in seinem Stück „The machine awakes“ Orchester-Musik mit vom Computer abgespielter. „Besonders für den Dirigenten eine besondere Herausforderung“, betonte der Moderator. Diese gelang mit Bravour.

Bekannte ältere Melodien nutzen moderne Komponisten ebenfalls sehr gerne, wie im Nachtstück des aus dem fränkischen Volkach stammenden Christian FP Kram. Er verarbeitete ein Kinderlied aus seiner Heimat.

Absoluter Höhepunkt

Den absoluten Höhepunkt des einstündigen Konzerts bildete das letzte Stück „Back from the other side“, ebenfalls von Hubert Hoche. Es geht hier um eine Nah-Tod-Erfahrung. Am Anfang sind die Schlaginstrumente unter sich und kitzeln geschickt die verschiedenen Töne und Geräusche einer Intensivstation aus ihren Instrumenten heraus.

Langsam setzen dann die Bläser ein, lösen die beklemmende Situation auf und verheißen mit dem Choral „Nun danket alle Gott“ ein gutes Ende.

In diesen Choral stimmten letztlich die Zuhörer ein, bevor sie mit im Stehen gespendeten Applaus die eindrucksvolle Leistung des Projekt-Orchesters würdigten und für eine Stunde Hörgenuss dankten. nad