Wertheim

Konzert Die Reihe „Orgelmusik zur Marktzeit“ startete wieder / Übergreifendes Thema: „Europa“ / Monica Melcova an der Orgel

Musik, die Völker zusammenführt

Archivartikel

Wertheim.„Europa“ lautet das übergreifende Thema der Reihe „Orgelmusik zur Marktzeit“, die am Samstag mit der Organistin Monica Melcova begann.

Das habe aber mit der bevorstehenden Europawahl eigentlich nichts zu tun, so Bezirkskantorin Katharina Wulzinger in ihrer Einführung, sondern eher mit dem Ärger über den Brexit. In der Musik sei es schon immer üblich gewesen, sich alle verfügbaren Informationen aus anderen Ländern zu holen. Musik solle helfen, die Völker zusammenzubringen.

Monica Melcova habe als geborene Slowakin schon in allen europäischen Ländern unterrichtet und musiziert, spreche außer vielen europäischen Sprachen auch japanisch und sei „die vorbildlichste Europäerin aller Europäerinnen“.

Die vier ausgewählten Orgelwerke passten hervorragend zum Thema: Der Italiener Antonio Vivaldi hatte die Vorlage zu Bachs Cembalokonzert geschaffen, die wiederum von Monica Melcova an der Orgel adaptiert wurde.

Tänzerisch leichtfüßig und wundervoll geschmeidig spielte die Organistin das ursprünglich für Streicher geschriebene Werk, wobei sie mit vielen Manualwechseln und den unauffälligen Einsatz des Schwellwerks feinste Nuancen darzustellen wusste.

Ein „typisch“ spanisches Werk war die Bearbeitung einer mittelalterlichen Litanei, die Pablo Bruna, ein durch Pocken als Kind erblindeter Organist im siebzehnten Jahrhundert für Orgel bearbeitet hatte. Dezent, aber doch wirkungsvoll setzte Monica Melcova die Zungenstimmen zum Hervorheben der Hauptthemen ein.

Vielschichtig erklang die zeitgenössische Orgelfantasie des holländischen Improvisationsprofessors Bert Matter, die in einem unerbittlich, aber leise hämmerndem Ostinato immer wieder Themenabschnitte vorstellte, bis schließlich der Cantus firmus „Von Gott will ich nicht lassen“ im Doppelpedal deutlich zu hören war. Eine ruhige Meditation folgte zum Abschluss.

Mit einer Improvisation, über dessen Thema das Publikum unter drei Vorschlägen abgestimmt hatte, beschloss Monica Melcova das beeindruckende Konzert. Das Osterlied „Wir wollen alle fröhlich sein“ präsentierte sie nach kurzem Blick ins Gesangbuch und einer Start-Register-Auswahl zuerst in kleinen Abschnitten, meist in moderner Moll-Tonalität, bis schließlich das Dur-Dreiklangsmotiv des Osterlieds nach vielen ineinander übergehenden Klangvariationen immer deutlicher, zuletzt im Pedal, den krönenden Abschluss bildete.

Mit der Zugabe „Chaconne des Scaramouches“ (Figur aus dem italienischen Volkstheater) des nach Frankreich eingebürgerten Italieners Jean Baptiste Lully schloss sich der Kreis der Orgelmusik, wie sie europäischer kaum hätte sein können - in der Musikgeschichte jedoch, wie anfangs erläutert - schon immer ganz selbstverständlich.