Wertheim

Klassik, Jazz und Pop-Songs Christopher Miltenberger beherrscht sie alle

Musikalische Zwiesprache mit begeistertem Publikum

Wertheim.Dieses Freilichtkonzert in der Wertheimer Burg-Arena erfüllte den Anspruch auf Einmaligkeit. Und das im wahrsten Wortsinn, wie der junge Pianist Christopher Miltenberger an diesem sonnendurchflutenden Spätvormittag durch sein Spiel bekräftigte.

Denn es ging ihm nicht darum, sein Können am Flügel mit beeindruckenden Jazzpassagen vor einem andächtig lauschenden Publikum zu beweisen. Er bezog es in das Programm mit ein. Apropos: Programm? Fehlanzeige, wie Miltenberger entwaffnend bemerkt.

Alles, was in den zwei Stunden geschah, war nicht vorprogrammiert, sondern spontan. Der Begriff „Lagerfeuerklavier“, erklärte der Künstler, sei eigentlich ein Missverständnis, das sich zum Markenzeichen dieser Konzertart gemausert habe. Es soll so ein wenig an die Lagerfeuerromantik mit Gitarre und sangesfreudigen Leuten erinnern, aber eben ohne Lagerfeuer und Gitarre, sondern mit Klavier.

Mit frechen Chansons à la Georg Kreisler wie „Das Mädchen mit den drei blauen Augen“ oder „Rapunzel mit kurz geschnittenem Haar“ stimmte er sein Publikum darauf ein. Miltenberger zeigte, dass er nicht nur Talent und Professionalität am Piano zu bieten hatte. – Und er lud es zur Mitarbeit ein. Zum Beispiel ließ er sich (wie weiland Johann Sebastian Bach) vier Töne nennen. Dann arrangierte und formte er daraus in Echtzeit und mit außergewöhnlichem Improvisationstalent ein faszinierend stimmiges Stück – unwiederholbar, wie er sagte.

Immer besser gelang es ihm, aus Zuhörern Mitmacher zu generieren. Per Zuruf wurden ihm Namen und Stücke aus der Klassik-, Jazz- oder Popszene genannt, die er miteinander musikalisch verbinden sollte – und das in einer Improvisation. Da war Ragtime von Joplin mit der „Tom & Jerry“-Einstiegsmelodie und „Rosaroter Panther“ vermixt, Bachs „Präludium“ bekam Fischers „Atemlos“ und Lists „Ave Maria“ verpasst. Und, oh Wunder, alles klang keineswegs wie ein Durcheinander, sondern wurde zum stimmigen, gut klingenden Ganzen. Die irrwitzigsten und eigentlich unmöglichen Kombinationen aller Musikrichtungen wurden versucht, und doch hatte man nie das Gefühl des Missklangs.

Dazu kam Miltenbergers Entertainer-Talent, mit dem er sein Publikum aktivierte und bestens unterhielt. Auch bei den Zugaben ließ er seinen Zuhörern die Wahl und griff auch mal zu Ukulele, um sich mit einem textlich gepfefferten Song zu verabschieden.

Ein gelungener Vormittag ging zu Ende, der den Besuchern langen, herzlichen Applaus abforderte.