Wertheim

Infrastruktur Rückblick auf die Geschichte der Wertheimer Postverhältnisse / In den Anfangsjahren auch für die Personenbeförderung zuständig

Nach 150 Jahren wieder in der Altstadt

Mit der Eröffnung in der Gerbergasse kehrte die Post nach 150 Jahren in die Altstadt zurück, wo sie sich während des 19. Jahrhundert befunden hatte. Dieses bietet Anlass für einem Rückblick.

Wertheim. Im Alten Reich, den Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, verfügte die Grafschaft Wertheim über keine eigene Posteinrichtung. Die zuständige Poststation war Esselbach an der von Thurn und Taxis im Monopol betriebenen Postroute Würzburg – Frankfurt.

Postsachen aus und für Wertheim wurden in Esselbach eingeliefert beziehungsweise abgeholt. So hat 1678/79 der von der katholischen Regierungskanzlei beauftragte Postbote Johann Georg Kaldorf für 155 Gänge nach Esselbach, „die Brif dahin zu tragen“, pro Gang acht Kreuzer erhalten, was das Jahr über 20 Gulden 40 Kreuzer ausmachte.

Auch die Beförderung von Personen gehörte damals zu den Aufgaben der Post. Wo dies von Wertheim direkt aus nicht möglich war, besorgten sogenannte Hauderer das Fuhrwesen. Hier hat Fürst Carl Thomas im Einvernehmen mit seinen gräflichen Vettern am 8. Februar 1781 einen Wandel eingeleitet, indem er per Dekret den bisherigen Spitalmeister Johann Georg Käßer zum Hof-Postmeister bestellte.

Blaue Monturen

Käßer sollte das Vorzugsrecht vor den Hauderern haben und zur Beförderung der Passagiere die nötigen Pferde und Chaisen bereithalten. Sein Postknecht erhielt blaue Montur mit roten Aufschlägen samt dem auf dem linken Ärmel gestickten herrschaftlichen Wappen. Käßer wurde gleich anderen herrschaftlichen Bedienten den beiden Regierungen unmittelbar unterstellt.

Als Käßer drei Jahre später von seinem Schwiegervater die Gastwirtschaft „zur Kette“ übernahm, zog sein Poststall in den damals zwischen Markt und Wenzelgasse gelegenen Standort (heutige „Bach’sche Brauerei“) und fand in den rückseitigen Stallungen ein ideales Unterkommen. Man hat die Wenzelgasse früher zeitweilig sogar als „Postgäßchen“ bezeichnet. Mit dem Namen Käßer blieb die Post über drei Generationen verbunden.

Nachdem die Regierung des Großherzogtums Baden 1811 die Taxis’sche Post übernommen hatte, richtete sie am 1. April 1813 eine eigene Postverwaltung in Wertheim ein, die sie Johann Georg Käßers Sohn, Kettenwirt Johann Andreas Käßer übertrug. Dieser fungierte jetzt als großherzoglicher Posthalter. Es war der Beginn einer eigenständigen Wertheimer Post.

Schalterstunden am Sonntag

1830 erfährt man aus einer Bekanntmachung der Oberpostdirektion Karlsruhe Genaues über die Schalterstunden des hiesigen „Postbureaus“, das nicht nur an allen Werktagen, sondern auch am Sonntag vor- und nachmittags für die Aufgabe von Briefen und „Paqueten“ geöffnet war.

Dritte Generation

1836 folgte mit Posthalter Johann Martin Käßer die dritte Generation. Er ist erstmals auch unter der Bezeichnung „Postsecretär“ bezeugt. Seit 1843 ließ er den Gastwirtschaftsbetrieb ruhen, weil die Postangelegenheiten vor allem durch vermehrte Postkurse außerordentlich zugenommen hatten. 1849 wird immerhin beklagt, dass die Posthalterei das Büro von 12 bis 15 Uhr geschlossen halte und erst dann zwecks Aufgabe für die Abendpost öffne.

Über das unter Käßer tätige Postpersonal lassen sich nur sporadische Angaben machen. Als „Postgehülfen“ werden 1848 Ernst Christian Ludwig Pielmann, 1857 Johann Peter Pfannenmüller genannt, letzterer aber 1855/58 auch als Postsekretär. Als „Postconducteur“, also Postschaffner, erscheint 1845/1862 Johann Nicolaus Dietemer. Johann Herz ist 1851 Postamtsdiener, mit Johann Peter Herz wird 1856 erstmals ein Briefträger fassbar. Hier würde nur systematische Suche in Unterlagen Genaueres ergeben. Seit September 1858 war die Wertheimer Post auch Telegrafenstation mit beschränktem Tagesdienst. Der 14. April 1859 bedeutete einen markanten Einschnitt, indem die bisherige hiesige Postexpedition in eine Postverwaltung umgewandelt und gleichzeitig vom Poststall getrennt wurde. Die Postverwaltung wurde verlegt, wie es scheint, in ein Haus der Oberen Eichelgasse und 1863 vermutlich in den ehemaligen „Löwensteiner Hof“ (heutige BW-Bank).

Umzug 1868

Mit der Eröffnung des ersten Bahnanschlusses im Oktober 1868 kam es zur Bildung der „Post- und Eisenbahnexpedition Wertheim“. Entsprechend eröffnete das „Postbureau“ zum 15. Oktober 1868 im Südteil des Bahnhofs und verließ damit die Altstadt. Um aber in gewisser Verbindung zu bleiben, wurde am Marktplatz bei Kaufmann Joseph Meschenmoser (Brückengasse 23) eine „Briefsammlung“ eingerichtet.