Wertheim

Beim Amtsgericht verhandelt

Nach Drogenkonsum zu spät reagiert

Archivartikel

Wertheim.Zu einem Auffahrunfall auf der Abfahrt der Alten Mainbrücke mit einem Fremdschaden in Höhe von 1300 Euro kam es im Dezember, da sich durch Cannabis-Konsum bei einem Autofahrer aus Wertheim Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit zur Fahruntüchtigkeit verringerten. Zu diesem Ergebnis kam das Amtsgericht Wertheim. Die Polizei hatte beim Angeklagten erweiterte Pupillen bemerkt, und die Blutuntersuchung ergab 2,3 Nanogramm Tetrahydrocannabinol, ein Cannabis-Abbauprodukt, je Milliliter Blut. Der Arzt vermerkte „verlangsamte Reaktion“. Ein Richter ordnete die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis an.

Der Beschuldigte meinte, Ursache des Unfalls sei nicht die Droge, sondern eine Ablenkung gewesen. Er habe nach rechts auf den Bürgersteig geschaut. Die Richterin fragte den Verteidiger, warum diese Angabe nicht früher gekommen sei, dann hätte sie einen Sachverständigen geladen. Der Anwalt verzichtete auf eine Beauftragung, da der Mandant ohne Rechtsschutzversicherung ist.

Mehrfach aufgefallen

Der Angeklagte ist mehrfach strafrechtlich aufgefallen, wegen Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Drogen. Er räumte ein, gelegentlich einen Joint zu rauchen. Die Staatsanwaltschaft beantragte 70 Mal 25 Euro Strafe, die endgültige Entziehung der Fahrerlaubnis sowie eine Sperrfrist von fünf Monaten. Mit dem Monat seit der Führerscheinabgabe sind es sechs.

Der Verteidiger betonte, bei Drogen reiche eine bestimmte Konzentration im Blut zur Feststellung der Fahruntüchtigkeit laut Bundesgerichtshof nicht. In diesem Fall sei die Ablenkung Unfallursache, und der Zusammenstoß damit eine Ordnungswidrigkeit. Der Mandant benötige den Führerschein, um eine Arbeitsstelle zu finden.

Fahrlässige Gefährdung

Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilte das Gericht den 23-jährigen Arbeitslosen zu 70 Mal 20 Euro Strafe und verhängte ein Fahrverbot von drei Monaten. Es stützte sein Urteil auf die „Anhäufung der Indizien“. Da der Schaden nur knapp über der Grenze von 1250 Euro liegt, verzichtete die Richterin auf den Entzug der Fahrerlaubnis mit Sperrfrist. Mit Rechtskraft werden im Fahreignungsregister zwei Punkte eingetragen. goe