Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt Lkw-Fahrer musste sich verantworten

Nach Überholen geschnitten

Archivartikel

Wertheim.Über eine Straftat im Juni auf der Autobahn bei Wertheim verhandelte jetzt das Amtsgericht der Main-Tauber-Stadt. Es ging um dichtes Auffahren eines Lkw sowie Schneiden nach dem Überholen.

Wegen Nötung verurteilte die Richterin den Lkw-Fahrer aus Tschechien zur Strafe von 30 Mal 40 Euro und verhängte ein Fahrverbot von einem Monat. Dieses gilt für den 31-jährigen Berufskraftfahrer allerdings nur in Deutschland. Mit Rechtskraft des Urteils werden im Flensburger Fahreignungsregister zwei Punkte eingetragen.

Der Angeklagte wohnt im Raum Pilzen (Tschechei) und arbeitet in der Oberpfalz für eine Spedition. Die Geschädigte arbeitet als Kurierfahrerin. Im Juni war sie auf der A3 mit einem Transporter dienstlich unterwegs. In einer Baustelle nach der Ausfahrt Wertheim Richtung Frankfurt mit drei Fahrstreifen, fuhr sie rechts die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer.

Der Beschuldigte schloss dicht auf, hupte, betätigte die Lichthupe und wollte so die Frau zum Beschleunigen bewegen. Schließlich überholte er, scherte aber so knapp wieder nach rechts ein, dass die Frau bremsen musste, um ein Auffahren zu vermeiden. Das Wiedereinscheren zeichnete eine Kamera an ihrer Windschutzscheibe auf. Bei nächster Gelegenheit hielt die Frau an, um sich von dem Schock zu erholen. Später machte sie Anzeige.

In der Verhandlung meinte der Angeklagte, er fahre die Strecke jeden Tag und habe keine Erinnerung an den Vorfall. Der technische Sachverständige konnte aufgrund der damaligen Kameraeinstellung allerdings den tatsächlichen Abstand zwischen Transporter und Lkw nicht eindeutig benennen. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer bedrohlichen Situation. Dass der Angeklagte sich nicht erinnere, werfe ein negatives Licht auf seine Fahrweise. Der Strafantrag lautete 40 Mal 50 Euro sowie drei Monate Fahrverbot. Der Verteidiger beantragte Freispruch.

Das Gericht glaubte der Zeugin und betonte, selbst bei 60 Stundenkilometern hätte der Angeklagte nicht so reagieren dürfen.

Der Vorfall, geschehen auf bayerischem Gebiet, wurde beim Amtsgericht Wertheim anhängig, weil es laut der Zeugin zuvor im baden-württembergischen Bereich in einer Tagesbaustelle ein ähnlich dichtes Auffahren gab. Dieser erste Vorfall war in der Verhandlung aber nicht entscheidend. goe