Wertheim

Ausstellung Die Schau „Leben ist Glühn“ mit Werken von Fritz Ascher ist im Schlösschen im Hofgarten noch bis 9. September zu sehen

Nachdenklichesund Neues für den Betrachter

Vor großem Publikum wurde am Sonntag im Museum Schlösschen im Hofgarten die Ausstellung „Leben ist Glühn“ mit Werken von Fritz Ascher eröffnet. Sie ist bis zum 9. September zu sehen.

Hofgarten. Nimmt man das Interesse an der, von Jenny Amarell am Piano musikalisch umrahmten, Vernissage zum Maßstab, dann könnte diese Ausstellung zu so etwas wie einem Überraschungserfolg für das Museum Schlösschen im Hofgarten werden. „Leben ist Glühn“ und Fritz Ascher hätten es verdient.

Ascher wurde in seinem Werden von berühmten und führenden Mitgliedern der Berliner Secession gefördert – insofern steht diese Präsentation stringent mit der Konzeption des Museums in Übereinstimmung.

Stilistisch hat das Werk dieses Malers aber nur wenig bis gar nichts mit den Bildern der „Secessions-Künstler“ zu tun. Und damit birgt die Ausstellung Neues, Überraschendes, Nachdenkenswertes auch und gerade für das Stammpublikum des Hauses.

Vielfach wird Fritz Ascher als ein typischer Vertreter der „verlorenen Generation“ bezeichnet, jenen Künstlern, deren beginnende Karriere durch den Nationalsozialismus brutal unter- wenn nicht sogar abgebrochen wurde. Vielen von ihnen sind der Vergessenheit anheimgefallen. Dieser Ascher wieder entrissen zu haben, ist das bleibende Verdienst von Rachel Stern, Initiatorin und Hauptkuratorin der nun zu sehenden Ausstellung, Direktorin der nach dem Künstler benannten Gesellschaft für verfolgte, verfemte und verbotene Kunst mit Sitz in New York (wir berichteten).

Die allermeisten – zumindest unter den Wertheimer Kunstfreunden – dürften Ascher nicht vergessen, sondern ihn schlicht nicht gekannt haben. „Sein Name kommt nicht jedem sofort in den Sinn“, bekannte auch Bürgermeister Wolfgang Stein in seinem Grußwort. Gleichwohl, „diese Ausstellung entwickelt die Berliner Secession weiter“, sie sei „außergewöhnlich und ganz besonders“.

Faszinierende Zusammenarbeit

Seit fast 30 Jahren widmet sich Rachel Stern Fritz Ascher. Warum und wie sie das tut, das schilderte sie in ihrer Einführung in die Ausstellung, in der sie auch den Lebensweg des Malers nachzeichnete, von dem Max Liebermann gesagt haben soll, „da geht ein Großer in die Welt“. Apropos Liebermann und Fritz Ascher: „Ich freue mich, dass Aschers Werk hier erstmals im Kontext mit dem seiner Lehrer zu sehen ist“, wies Stern auf einen Umstand hin, der die Ausstellung im Hofgarten-Schlösschen zu einer besonderen macht. Zuvor war sie schon in Osnabrück, in Berlin und Potsdam zu sehen, nach Wertheim wird sie in München und dann in New York gezeigt. Die Wiederentdeckung von Künstlern, die wie Fritz Ascher von den Nazis verfolgt, verfemt und verboten waren, „bedeutet in letzter Konsequenz den Triumph über das Böse“.

Dr. Jörg Paczkowski gab einen Einblick, wie die Ausstellung, die allein des Vorgenannten wegen schon so verdienstvoll ist, nach Wertheim gelangen konnte. Die auch in diesem Fall wieder erfolgreiche Zusammenarbeit mit ungleich größeren Häusern in Berlin oder Potsdam nannte der Kurator des Schlösschen-Museums „faszinierend“. Lang war die Liste derer, denen Paczkowski Dank abstattete, ehe er darauf hinwies, dass für die „Wintersaison“ eine Präsentation über „Die Kunst der verschollenen Generation. Deutsche Malerei des expressiven Realismus“ vorbereitet werde.

Fast schon politisch wurde der Vorsitzende des Förderkreises „Schlösschen im Hofgarten“, Heiko Albrecht, als er mit Blick auf aktuelle Ereignisse und Entwicklungen und den unweit des Veranstaltungsorts liegenden jüdischen Friedhof mahnend forderte: „Bewusstsein muss zur Haltung werden.“