Wertheim

Ländliches Kulturgut Arbeiten an lang geplanter Dependance laufen wieder / Seit Januar sortieren drei Männer rund 3000 Exponate vom Spinnrad bis zum Mähdrescher

Neue Hoffnung für die Museumsscheune

Archivartikel

Seit Wochen ist Dr. Ludwig Braun in der ehemaligen großen Fruchtscheuer in Bronnbach zu Gange. Die dort lagernden Sammlungen ländlichen Kulturgutes sollen endlich zugänglich werden.

Bronnbach. Die Hoffnungen waren groß und der Optimismus schien schier grenzenlos, als vor fast genau sieben Jahren die ehemalige Fruchtscheuer des Klosters Bronnbach als „Museum feierlich eingeweiht“ wurde, wie es am 5. April 2011 in dieser Zeitung hieß. Sogar regelmäßige Öffnungszeiten waren genannt. Ab dem 1. Mai bis zum 3. Oktober sollten immer Samstag, Sonntag und an Feiertagen die Sammlungen, die vor allem das Ärzteehepaar Ingeborg und Ludwig Braun über die Jahre zusammengetragen hatte, der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Oberbürgermeister Stefan Mikulicz sprach von „einem guten Tag für Bronnbach und unser Grafschaftsmuseum“, als dessen Dependance die Fruchtscheuer gedacht war. Und der seinerzeitige Museumsdirektor Dr. Jörg Paczkowski hoffte auf einen weiteren Ausbau in der Zukunft. Daraus ist nichts geworden, die Museumsdependance blieb letztlich, was sie nach einer nutzungsneutralen Instandsetzung seit 1995 war, ein „begehbares Magazin“ und schien allmählich in Vergessenheit zu geraten. Nicht allerdings bei Ludwig Braun. Der bohrte und insistierte im Hintergrund weiter.

Besprechungen und Begehungen fanden statt und dabei kam man im Dezember 2014 zu einer Lösung, die der stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins später in einem Schreiben an den Oberbürgermeister noch einmal zusammenfasste: Demnach sollte es bei einem begehbaren Magazin ohne regelmäßige Öffnungszeiten bleiben, die Exponate aber so gelagert und präsentiert werden, dass sie zur Forschung und von kleinen Besuchergruppen genutzt werden können. Das Untergeschoss sollte landwirtschaftlichem Großgerät vorbehalten bleiben, im Bereich der Galerie Exponate zum ländlichen Leben thematisch geordnet magaziniert werden.

Doch wieder tat sich erst einmal nichts, obwohl er, wie Braun versichert, bei Oberbürgermeister Mikulicz immer auf viel Verständnis und offene Ohren gestoßen sei. Der habe die Angelegenheit vor seiner schweren Erkrankung sogar zur Chefsache machen wollen.

Fast schon nicht mehr für möglich gehalten, kam es Ende vergangenen Jahres doch noch zu einer Art Durchbruch: „Bürgermeister Wolfgang Stein hat mir die Schlüssel übergeben und mich mit den Worten, ‚wenn Sie das machen, wäre das sehr schön’ quasi zum Kurator bestellt“, zeigt sich der, im positiven Sinne, „Cheflobbyist“ in Sachen Museumsscheune dankbar. Mit Verve machte sich Braun seither daran, „die Dinge zu ordnen, und sie so wie besprochen nach Themen zu sortieren und zu präsentieren“.

Seinen Eifer erklärt er damit, dass er sich den Bürgern verpflichtet fühle und auch bei ihnen im Wort stehe, die ihm und seiner Frau von den in den vergangenen rund 30 Jahren gut 3000 Exponaten so manches unentgeltlich überlassen haben. „Wir haben nicht nur gekauft, es ist uns so manches gute Stück geschenkt worden“, erinnert Braun. Damit sei aber fast immer die Hoffnung, manchmal auch die Erwartung, verbunden gewesen, dass diese Schätze irgendwann einmal auch angemessen präsentiert werden, so der mittlerweile fast 78-Jährige.

Kongeniale Mitstreiter

Mit den beiden ehemaligen städtischen Mitarbeitern Herbert Dosch aus Nassig und Friedrich Schäfer aus Kembach hat er zwei kongeniale Mitstreiter gefunden, die ihn seit Januar, in Bronnbach unterstützen. „Die zwei reden nicht viel, sie schaffen dafür umso mehr“, lobt Braun. „Wir sind damit sehr glücklich, wie es hier läuft“, versichert Schäfer, um dann schmunzelnd anzufügen, Braun sei wohl einer der wenigen Menschen, der sich derzeit Regen wünsche. Denn dann hätten er und Schäfer mehr Zeit für Bronnbach.

Die werden sie wohl auch noch brauchen, angesichts der Fülle an Objekten. Er sei „fest davon überzeugt, dass das ein außergewöhnliches ‚Dorfmuseum’ wird“, sagt Braun. Einwände, dass es so etwas letztlich in vielen Ortschaften gebe, lässt er nicht gelten. „Dann brauchen wir das hier in Wertheim erst recht.“