Wertheim

Neuer OB kann jetzt richtig loslegen

Archivartikel

Liebe Leser, wenn es stimmt, was geschrieben steht und vorhergesagt wird, dann heißt es jetzt: stark sein. Dann bibbern wir – zumindest heute – unter einstelligen Temperaturen. Für morgen sieht es immerhin ein bisschen besser aus, so dass die Freiluftveranstalter, ich denke dabei insbesondere an die Burgkurzweyl zu Cullesheym, ein wenig Hoffnung schöpfen können.

Die gefühlte Wirklichkeit hat nicht immer etwas mit der tatsächlichen zu tun. Diese Erkenntnis könnte auch auf die Situation an der Tauberbrücke zutreffen. Viele Autofahrer – ich will mich jetzt mal nicht dazu versteigen, „alle“ zu schreiben – haben den Eindruck, dass sie, wenn sie auf der Brücke an der Ampel halten, deren Signale nur schwer sehen können. Weil diese, sofern sie dasteht, durch eine Straßenlampe verdeckt werden. Der Autor dieser Zeilen nimmt sich da übrigens nicht aus. Ist das nur ein Gefühl, oder ist das die Wirklichkeit? Es muss wohl das erste sein, denn „eine Verkehrsschau habe gezeigt, dass es keine Sichtbehinderung durch die Lampe gebe“, heißt es aus dem Rathaus. Na dann wollen wir mal nicht weiter quengeln. Aber halt, eine Frage hätte ich noch: saßen die Teilnehmer der Verkehrsschau eigentlich in einem Auto, als sie die Beobachtung machten, die der anderer so eklatant widerspricht? Darüber, dass besagte Lampe einem ständigen Materialbelastungstest unterzogen wird, soll hier erstmal der Mantel des Schweigens gedeckt werden. Man hat sich bei den Planungen sicher etwas dabei gedacht, sie genau an diese Stelle zu setzen.

Kommen wir von dem leidigen Thema noch einmal zurück aufs Wetter. Das hat es letztlich ja doch gut gemeint mit den Maifeuerfeiernden und mit den Fans von „Feuer und Zauber auf der Burg“. Es gab im Vorfeld genügend Feuchtigkeit, um eine mögliche Brandgefahr zu minimieren, am Veranstaltungsabend war es dann trocken. Dass es den Organisatoren des Events auf der Burg gleichwohl nicht so viel Spaß gemacht zu haben schien wie in den Jahren 2015 bis 2017, hatte wohl andere Gründe. In der Pause im vergangenen Jahr ist ein Sicherheitskonzept erarbeitet und, wie man hört, auf mehr als 20 Seiten schriftlich niedergelegt worden. Und das hat die Vorbereitung nicht gerade erleichtert. Im Interesse aller, die am Dienstagabend dabei waren, kann man nur sagen, gut, dass die verantwortlichen „Integranzler“ sich von der notwendigen (?) Bürokratie (noch) nicht haben abschrecken lassen. Ob es aber dabei bleibt, vor allem, wenn noch weitere Vorschriften und Bedingungen dazukommen, sei einmal dahingestellt.

Und dann war da ja noch etwas in der nun zu Ende gehenden Woche: der Amtsantritt des neuen Wertheimer Oberbürgermeisters. Nimmt man den Beifall, den Markus Herrera Torrez bei seinem ersten Auftritt einheimste, den er, manche sagen ausgerechnet, auf dem Dertinger Weinfest absolvierte, dann hat er von den Sympathiewerten seit der Wahl im Februar noch keine eingebüßt. Einen „großen Bahnhof“ bereiteten auch viele Mitarbeiter im Rathaushof ihrem neuen Chef. Der wiederum via soziales Netzwerk „die ganze Welt“ an diesem, nicht nur für ihn besonderen, Ereignis teilhaben ließ. Gestern Abend dann die offizielle Amtseinführung in der Main-Tauber-Halle. Die so voll besetzt war, dass womöglich gar nicht auffiel, wer durch Abwesenheit glänzte (dem Vernehmen nach zum Beispiel sowohl „unser“ Bundes- als auch „unser“ Landtagsabgeordneter).

Vereidigt, verpflichtet und mit Amtskette und vielen guten Wünschen versehen, kann „HT“ jetzt also richtig loslegen. Im Fußball hat er das ja schon getan. Für welchen Verein er künftig die Schuhe schnürt, entscheidet sich wohl erst nach der laufenden Saison, die er noch bei der SG Höchst absolviert. Ob es wohl ein Fingerzeig ist, dass er, um sich fitzuhalten, beim VfB Reicholzheim mittrainiert? Nein, sagt er selbst, ist es nicht. Sich in Form zu halten ist aber wichtig. Nicht nur der Belastungen des neuen Amts wegen. Noch mag unser OB mit seinen 30 Jahren der jüngste OB Deutschlands sein. Aber ab der nächsten Woche geht er dann auch schon auf die 40 zu.