Wertheim

Ortschaftsrat Waldenhausen Keine städtischen Grundstücke mehr vorhanden / Stadtverwaltung stellte Planungen vor

Neues Baugebiet bringt Chancen

Archivartikel

Ein neues Baugebiet soll dazu beitragen, dass Waldenhausen weiter wachsen kann. Die Stadtverwaltung stellte bei der Sitzung des Ortschaftsrats Details vor.

Waldenhausen. Mit der Schaffung eines innerörtlichen Neubaugebiets können neue Entwicklungsimpulse für Waldenhausen geschaffen werden, so der einhellige Tenor bei der Sitzung des Ortschaftsrats am Dienstag

Ortsvorsteher Nils Ries erklärte: „Aktuell haben wir keine städtischen Bauplätze mehr und auch die privaten sind dünn gesät.“ Mit dem Bevölkerungszuwachs steige das Potenzial für Dorfbelebung, den Erhalt des Kindergartens, die Nachbarschaftshilfe und die Verjüngung und Vergrößerung der Waldenhäuser Bevölkerung.

Die Planungen für das Neubaugebiet „Felderflur, nördlicher Teil“ und die Festlegungen des Bebauungsplans stellten Stefanie Leuchs und Thomas Müller vom Referat Stadtplanung der Stadtverwaltung vor. Der Neubaugebiet wird auf der Fläche unterhalb der Mehrzweckhalle entstehen.

Zusammenlegung möglich

Der Bebauungsplan beginnt südlich des Gebäudes Steige 7 und endet unterhalb des gepflasterten Wegs zum barrierefreien Zugang der Mehrzweckhalle. Richtung Osten erstreckt es sich von der Straße „Steige“ bis zum Beginn der Mehrzweckhalle und Richtung Norden bis zum Bereich Talweg 8 bis 10.

Auf einer Fläche von 0,55 Hektar werden neun Bauplätze mit Größen zwischen 485 und 606 Quadratmetern entstehen. „Eine Zusammenlegung von Bauplätzen ist auf Wunsch des Käufers und mit Zustimmung des Ortschaftsrat möglich“, so Leuchs. Es handelt sich bei den Bauplätzen um ein „Allgemeines Wohngebiet“.

Der Bebauungsplan sieht einige Besonderheiten zur Förderung der Biodiversität vor. „Die Stadt möchte einen kleinen Beitrag zur Verlangsamung des Artensterbens leisten“, begründete sie diese.

So habe man einen Maßnahmenkatalog zur Förderung der Biodiversität entwickelt.

Der Bebauungsplan sieht vor, dass auf jedem Grundstück verpflichtend ein gebietsheimischer, standortgerechter Hochstamm-Laubbaumes mit besonderer Eignung zur Förderung der Biodiversität gepflanzt und erhalten werden muss. Der Plan fordert weiter einem Stammumfang von mindestens 12 bis 14 Zentimetern, gemessen in einen Meter Höhe.

Auf zwei der Grundstücke stehen Bäume, die mit einem Erhaltungsgebot versehen sind. Diese müssen erhalten werden. Sie sind Teil einer ehemaligen Streuobstwiese und besonders erhaltenswert. Gefällt werden dürfen sie nur, wenn dies aus Sicherheitsgründen, zum Beispiel bei fehlender Standsicherheit, notwendig wird. Dann ist eine Ersatzpflanzung erforderlich.

Weiter schreibt der Bebauungsplan die Schaffung von Flächen für Biodiversität vor. So müssen auf je 20 Prozent der nicht überbaubaren Grundstücksfläche Maßnahmen zur deren Förderung ergriffen werden.

Dabei können auch mehrere Maßnahmen aus einem Maßnahmenkatalog ausgewählt werden. Als Beispiel nannte Leuchs eine Fläche die der Natur überlassen bleibt (Wildnisfläche), Staudenbeete, Wildbienenhotel, Nistkästen oder die Anlage eines Kleingewässers. Insgesamt stehen zehn Maßnahmenarten zur Auswahl.

Wendehammer geplant

Die Straßenführung im Neubaugebiet wird über eine Stichstraße von der Steige aus erfolgen. Im Neubaugebiet wird ein Wendehammer eingerichtet. Im Rahmen der Baumaßnahme soll zudem der Gehweh entlang der bisherigen Wiese an der Steige durchgehend gebaut werden.

Bisher fehlt an einem Stück der Fußweg. Im Rahmen der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfungen wurden weitere Maßnahmen festgehalten. So werden beispielsweise Nistkästen für Fledermäuse und Vögel aufgestellt. Auch das Erhaltungsgebot der beiden Bäume resultiert aus dieser Prüfung.

Die Aufstellung des Bebauungsplans erfolgte im verkürzten Verfahren für den Innenbereich. Bei der öffentlichen Auslegung waren keine Stellungnahme eingegangen. Der Satzungsbeschluss zum Plan soll am 22. Juli im Gemeinderat fallen.

Als Richtwert für einen möglichen Baubeginn der Häuser nannte Leuchs 2020. Ein Bürger stellte gleich mehrere kritische Fragen zu den Planungen.

Auf seine Frage zu den fehlenden Ausgleichsflächen erklärte Müller, da es sich um eine Baugebietserweiterung im Innenbereich handele, seien Ausgleichsflächen gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Der Bürger erwiderte, diese seien aus Sicht von Biodiversität und Insektenschutz aber sinnvoll. Zu einer umfangreicheren Diskussion führte die Bürgersorge, dass der Kanal in der Steige nicht ausreiche, um bei stärkeren Zuflüssen das Wasser anzuführen.

Hier sah er vor allem bei Starkregenereignissen die Gefahr, dass Keller überflutet werden.

Er sprach sich dafür aus, im Zuge der Gebietserweiterung auch den Kanal in der Steige zu erweitern. Müller erläuterte, um die Versickerung von Oberflächenwasser zu verbessern, habe man die Grundflächenzahl von den üblichen 0,4 auf 0,3 abgesenkt.

Sie legt fest, wie viel Prozent der Fläche überbaut werden darf. Zudem sind für Wege und Parkflächen in wasserdurchlässiger Form angelegt werden.

Man sei sich des Problems bewusst. Allerdings hätte man die Erweiterung des Kanalquerschnitts in der Steige auf die Grundstückskäufer umlegen müssen, was den Grundstückspreis deutlich erhöhen würde.

Ausreichende Maßnahmen

Müller konnte jedoch keine konkreten Zahlen zur Verteuerung nennen. Dies werde man bei der nächsten Sitzung nachreichen, dann will der Ortschaftsrat das Thema nochmals aufgreifen.

Müller und Ries waren sich jedoch einig, dass man den Einschätzungen der beauftragten Fachleuten vertrauen müsse. Diese sahen die festgelegten Maßnahmen als ausreichend an.