Wertheim

Leserbrief Zum Artikel „Urli“ bald Teil einer Verbundlösung (FN, 6. Juni)

Nicht alle Schulen in der Kernstadt konzentrieren

Archivartikel

Die Zukunft der Werkrealschule Urphar/Lindelbach ist bedauerlicherweise seit langem offen. Diese einst weit über Wertheim hinaus beachtete Vorzeigeschule leidet unter den einerseits verfehlten, andererseits nicht vollständig umgesetzten Schulplanungen der Stadt in den zurückliegenden Jahren, die während der Zeit der grün-roten Landesregierung sowohl eine Gemeinschaftsschule einrichten wollte, als auch bereits eine Verbundlösung für die Comenius Realschule und „Urli“ anstrebte. Leider wurde damals nur der eine Teil des Konzeptes genehmigt, nämlich die Umwandlung der Schule an der Alten Steige in eine Gemeinschaftsschule. Seit dieser Zeit, verstärkt durch den Wegfall der verbindlichen Empfehlung zum Besuch der weiterführenden Schule am Ende der Grundschulzeit, leidet die letzte in der Stadt verbliebene Werkrealschule unter einem zunehmenden Schwund von Schülerinnen und Schülern, vor allem in der Eingangsklasse. In höheren Jahrgängen gibt es immer wieder Zuwächse von Abgängerinnen und Abgängern anderer Schulen. Dabei ist „Urli“ nach wie vor eine gute Schule, an der hervorragende pädagogische Arbeit geleistet wird, an der den Schülerinnen und Schülern eine gute Grundlage für Erfolg in Ausbildung und anschließenden Schularten gelegt wird, der Eltern Vertrauen schenken können (und die eine neue engagierte und tatkräftige Schulleitung verdient hätte). In dieser Schule wird zum einen das zu Unrecht schlecht geredete pädagogische Konzept der Haupt- und Werkrealschule umgesetzt, das Schülerinnen und Schüler ohne Gymnasial- und Realschulempfehlung gerecht wird und sie sich behutsam und praxisorientiert entwickeln lässt. Zudem ist das Schulgebäude in einem passablen Zustand – und in einmalig wunderschöner Natur gelegen. Eigentlich sollte das eine naturorientierte pädagogische Schwerpunktbildung ermöglichen. Dazu hat es vor wenigen Jahren durchaus Ansätze durch die Beteiligung am Geo-Tag der Artenvielfalt gegeben. Überdies stellen die kleinen und überschaubaren Klassen an „Urli“ nicht nur ideale Lerngruppen, sondern ein Refugium für solche Schülerinnen und Schüler dar, denen der Massenbetrieb großer Schulzentren unzuträglich ist.

Wertheim ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort im Main-Tauber-Kreis, eine Stadt mit großer Fläche und vergleichsweise dünner Besiedlung. Es wäre falsch, alle weiterführenden Schulen in der Kernstadt oder in Bestenheid zu konzentrieren. Eine wohnortnahe weiterführende Schule stellt einen Teil der hohen Lebensqualität in Wertheim-Ost dar, zumal der morgendliche Schülertransport im Rahmen des regulären öffentlichen Nahverkehrs zwar leidlich funktioniert, aber nicht optimal ist, und es immer wieder zu Pannen kommt. Wenn es jetzt erneut um einen Schulverbund von „Urli“ und Realschule geht, muss die Standortfrage eine wichtige Rolle spielen – auch eingedenk der nicht einfach zu gestaltenden Folgenutzung des Schulgebäudes auf der Gemarkungsgrenze von Urphar und Lindelbach. Dieser Schulstandort darf nicht aufgegeben werden.

Zudem muss eine überzeugende Lösung für den Unterricht an der Werkrealschule gefunden werden. Natürlich ist es auch jetzt schon möglich, an der Comenius Realschule einen Hauptschulabschluß zu machen. Das ist aber oftmals eher eine Notlösung. Eltern, deren Kinder keine Realschulempfehlung haben und die aus gutem Grund Skepsis gegenüber der Gemeinschaftsschule und ihrem pädagogischen Konzept hegen, müssen diese in Wertheim weiterhin umgehen und auch in Zukunft für ihre Kinder einen attraktiven und eigenständigen Weg zum Hauptschul- und Werkrealschulabschluß wählen können.