Wertheim

Nicht nur das Feuerwerk endete mit Paukenschlag

Finden Sie nicht auch, es wäre angebracht, mal wieder ein herzhaft-erstauntes „Kinder wie die Zeit vergeht“ loszulassen? Die Michaelis-Messe mit all ihren Höhepunkten liegt nun auch schon wieder knapp eine Woche hinter uns. Die Messlatte für das nächste, das 198. Volksfest im kommenden Jahr und den künftigen Marktmeister wurde recht hoch gelegt.

Apropos kommendes Jahr: Das beginnt schon in etwas mehr als 80 Tage. Das letzte Quartal 2018 läuft.

Gelaufen sind heute vor einer Woche über 1000 Frauen, Männer, Mädchen und Jungen beim nun auch schon 18. Wertheimer Messelauf. Der Sieger des Hauptwettbewerbs, des Kurtz-Ersa-Laufs über zehn Kilometer, heißt Leonardo Ortolano. Damit wurde, wie in der Glosse vergangenen Samstag schon mal „geunkt“, ein neuer Name in die Siegerliste eingetragen.

Ob er auch gewonnen hätte, wenn Patrick Fiederling am Start und Anthony Hildenbrand im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre? Eine Frage, die letztlich müßig ist und die, wenn man sie stellt, auch dazu geeignet sein könnte, die Leistung des Siegers zu schmälern. Dessen wahre Leistungsfähigkeit konnten wir ja wahrscheinlich gar nicht erleben, fehlten dem 21-Jährigen doch – wie der Abstand zwischen ihm und den Nächstplatzierten zeigt – adäquate Gegner.

Zu den Siegern des Messelaufs gehörte auf jeden Fall wieder der SV Nassig. Die Mannen um Klaus Merkl, Achim Häussler und Jürgen Stahl „mussten“ mit einem neuen Teilnehmerrekord und allem, was dazugehört, zurechtkommen. Was ihnen – wieder einmal – ziemlich gut gelang. Ausnahme hier vielleicht die etwa unglückliche Startprozedur beim Schülerlauf, der sich zum beliebtesten der Wettbewerbe über die verschiedenen Strecken gemausert hat. Gut ein Drittel der mehr als 1000 Aktiven waren hier am Start.

Als die Messe mit dem Feuerwerk zu Ende ging, war ein anderer, ein kommunalpolitischer, Paukenschlag zunächst öffentlich nahezu unhörbar verklungen. Erst Anfang dieser Woche sprach es sich herum, dass Stefan Kempf die CDU-Gemeinderatsfraktion verlassen hat.

Die Differenzen zwischen ihm und seinen, das muss man jetzt in Anführungszeichen setzen, „Parteifreunden“ waren zu groß und unüberbrückbar geworden. Natürlich bemühen sich beide Seiten nun, den Schritt in dem für sie jeweils besten Licht erscheinen zu lassen. Schon bei der Hauptversammlung des Stadtverbandes der Christdemokraten kürzlich, die nichtöffentlich stattfand, zeigte sich, dass das Tischtuch zerschnitten war.

Bei der CDU gibt man sich betont gelassen und sogar erleichtert. Man hätte es mit Kempf zwar noch die letzten Monate dieser Legislaturperiode ausgehalten. Aber danach wäre seine „kommunalpolitische Karriere“ zumindest auf dieser Seite des Gemeinderats beendet gewesen.

Ob sie nun auf einer anderen Seite fortgesetzt wird? Bei der SPD spricht man jedenfalls von „keiner kurzfristigen Affäre“. Weil die Amtszeit dieses Gemeinderats ja nur noch einige Monate dauert, wird es zu einem ganz großen Stühlerücken wohl eher nicht kommen. Jedenfalls nicht, was die Mitgliedschaft in den diversen Ausschüssen angeht.

Anders sieht es eventuell bei der Sitzordnung aus, wollen sich Kempf und seine Neu-Genossen physisch näherkommen. Das würde dann, sozusagen als „Kollateralschaden“ die Fraktion der Freien Bürger am Ratstisch auseinanderreißen. Treffen würde das dann ausgerechnet einen Kommunalpolitiker, den eines mit Kempf eint: Er gehört zwar nicht mehr im Gemeinderat zu den Christdemokraten, wohl aber noch als Parteimitglied. Der einzige der FDP angehörende Stadtrat wiederum würde sich, wenn auch am Rande, plötzlich in den Reihen der CDU wiederfinden. Ob das neuen Gerüchten und Spekulationen Auftrieb gäbe?