Wertheim

Nicht nur mit der Michaelis-Messe geht es los

Archivartikel

So im Nachhinein betrachtet war das schon geschickt gemacht im vergangenen Jahr. Vier Schläge und das im zweiten Anlauf – das lässt für Bürgermeister Wolfgang Stein heute jede Menge Steigerungsmöglichkeiten offen beim Bieranstich zur Eröffnung der 197. Wertheimer Michaelis-Messe in der Main-Tauber-Halle.

Wenn er es dieses Mal auf Anhieb schafft, könnte man bereits von einem besseren Ergebnis sprechen. Vielleicht hilft es ja auch, wenn er sich beim Anstich einen etwas abgewandelten Spruch von ihm selbst aus dem vergangenen Jahr ins Gedächtnis ruft: Die Leute wollen nicht warten, sie wollen trinken.

Das große, traditionsreiche Volksfest wird in den nächsten Tagen das Leben und die Gespräche in der Main-Tauber-Stadt bestimmen. Und zwar, das ist nicht nur meine Hoffnung, ausschließlich positiv.

Gesprächsstoff gab es aber auch in der nun zu Ende gehenden Woche gerade genug. Schließlich wurden weitreichende Absichten und Planungen vorgestellt beziehungsweise beschlossen. Zum Beispiel für eine sicherlich sinnvolle Trennung von Hallenbad und Turnhalle am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium.

Schwimmer und Nichtschwimmer, die aber Schwimmer werden wollen respektive sollen, werden also künftig in Bestenheid auf ihre Kosten kommen. Fürs Gymnasium (aber nicht nur für dieses) soll es eine neue Halle nahe dem bisherigen Standort geben.

Bis die Planungen konkretisiert, nicht zuletzt finanziert und letztlich dann realisiert sein werden, wird sicher noch einige Zeit vergehen. Aber immerhin – ein Anfang scheint gemacht.

Dagegen scheint den Veranstaltungen, für die sich vornehmlich die jüngere Generation interessieren könnte, nun das endgültige „Aus“ in der Stadt zu drohen. Obwohl, den einleitenden Satz zu diesem Thema muss man schon ein bisschen relativieren. Denn die beiden Hard-Rock-Konzerte, insbesondere das mit Doro Pesch, zog ja durchaus auch Ältere an, die ebenso begeistert waren, wie die Jüngeren.

Mit dem Burgrave wiederum hat sich Wertheim weit über die Grenzen der Stadt hinaus bei den Freunden dieses Genres hinaus einen guten Namen gemacht.

Nutzt nun aber alles nichts. Machen wir uns nichts vor: Der von allen (verantwortlichen) Seiten bemühte Kompromiss, den man suchen will, wird darauf hinauslaufen, dass letztlich nach Hard Rock und Heavy Metal auch dem Rave auf der Wertheimer Burg der Garaus gemacht wird.

Was vor nicht allzu langer Zeit an dieser Stelle schon mal gemunkelt wurde, ist nun also offiziell: Die Sparkasse zieht es aus der inneren Altstadt hinüber auf die andere Tauberseite in einen noch zu errichtenden Neubau. In dem es dann auch Einzelhandel geben soll.

Immerhin, die Planungen ziehen diesmal keinen weiteren Leerstand in der Altstadt nach sich. Denn Stadtverwaltung und Stadtwerke wollen das dann ehemalige Bankgebäude nutzen. Bürger-Service- der einen und Kundencenter der anderen könnten sich durchaus als die erhofften Frequenzbringer erweisen und damit vielleicht/hoffentlich auch auf Einzelhandel und Gastronomie in der Umgebung ausstrahlen.

Ob sich die Erwartung erfüllt, dass auch die Idee einer weiteren Tauberbrücke wieder an Schwung gewinnt? Das bleibt, mit einer gewissen Skepsis versehen, abzuwarten.

Nicht mit ganz so „großen Brocken“ wie ihre Wertheimer Kollegen hatten sich die Kreuzwertheimer Kommunalpolitiker in der zu Ende gehenden Woche zu befassen. Der Stoßseufzer „was das wieder kostet“ war sinngemäß aber auch von ihnen zu hören, etwa angesichts der notwendigen Sanierung der Friedhofsmauer. Und um Ersatz für die wegfallenden Bäume entlang dieser Mauer machte man sich ebenfalls Gedanken. Wie sie beschaffen sein sollten, darüber war man sich weitgehend einig: Tiefwurzelnd und am besten noch ohne Blätter.