Wertheim

Johann-Kern-Sternwarte Bei der Jahreshauptversammlung wurde der Vorstand bestätigt / Dr. Jürgen Dirscherl übernimmt kommissarisch die Kassenprüfung

Optimierung des 15-Zentimeter-Linsenteleskops

Archivartikel

Reicholzheim.Einiges Positives über die vergangenen zwei Jahre berichtete der Vorstand der Johann-Kern-Sternwarte Wertheim im Rahmen der Jahreshauptversammlung, die dieses Jahr im Vereinsheim der DLRG Wertheim stattfand. Neben der Instandhaltung und Weiterentwicklung der Gebäude und Gerätschaften, wurden wieder über einige außergewöhnliche Himmelsbeobachtungen gemacht.

Zunächst ging der Vorsitzende Ralf Horn auf die allgemeine Nutzung der Sternwarte ein. So wurden in den vergangenen zwei Jahren erneut knapp 500 Besucher auf der Sternwarte gezählt. Dies ist etwas weniger als im vorherigen Berichtszeitraum, in dem allerdings die Sonnenfinsternis des Jahres 2015 mit alleine 200 Besuchern zu Buche geschlagen hat. Berücksichtige man dieses Ereignis, so sei die Besucherzahl wohl weitgehend konstant. Leider seien in den vergangenen zwei Jahren wieder viele der fest eingeplanten öffentlichen Beobachtungen wegen des Wetters ausgefallen. So musste zum Beispiel der bundesweite Astronomietag im März 2016 wetterbedingt komplett abgesagt werden.

Ein Höhepunkt im Berichtszeitraum sei dagegen der Merkurtransit am 9. Mai 2016 gewesen, der in voller Länge auf der Sternwarte mit speziellen Teleskopen beobachtet werden konnte. Dabei lief der Planet Merkur als kleine schwarze Scheibe vor der Sonne vorbei. Ein Blick auf die Webseite der Sternwarte zeigt weitere beeindruckende Beobachtungsergebnisse aus dem Berichtszeitraum. So konnte von Dr. Jürgen Dirscherl erstmals eine sogenannte „Gravitationslinse“ mit dem Kern-Teleskop fotografisch erfasst werden, das heißt ein Quasar in neun Milliarden Lichtjahren Entfernung, der aufgrund einer großen Masse im Vordergrund als Doppelbild erscheint. „Derartige Beobachtungen sind vor Jahren noch ausschließlich Profi-Sternwarten vorbehalten gewesen – Johann Kern würde sich nie haben träumen lassen, das so etwas einmal mit seinem Teleskop möglich wird“, so Horn.

Um den Betrieb auf der Sternwarte aufrecht zu erhalten, sei der Einsatz der aktiven Mitglieder unabdingbar, fuhr der Vorsitzende fort. Insgesamt wurden 110 Stunden Arbeitseinsätze und 140 Stunden für Öffentlichkeitsarbeit in Form von Führungen auf der Sternwarte erbracht. Horn dankte allen, die dazu beigetragen haben, insbesondere Dr. Jürgen Dirscherl, Gerhard Szczuka, Dr. Bernd Christensen, Christian Greß, Thomas Ehehalt, Rolf Kern und Dr. Rolf Weidelt. Neben Beobachtungen auf der Sternwarte gab es auch wieder einige zusätzliche Aktivitäten, wie vier Astronomie-Kurse für die Hector-Kinderakademie oder ein Vortrag im Rahmen der „Kinderuni“ zum Thema „Warum ist es nachts dunkel?“.

Nach dem Bericht des Vorstands wurden die Kassenberichte für die Jahre 2016 und 2017 verlesen. Da der bisherige Kassenprüfer Heiko Bromme verstorben ist, übernahm Dr. Jürgen Dirscherl kommissarisch diese Aufgabe. Zusammen mit Michael Weis konnte dem Kassenwart Andreas Lumpp eine einwandfreie und vorbildliche Kassenführung bestätigt werden. Die Entlastung des Vorstands erfolgte einstimmig. Im Anschluss leitete der Ehrenvorsitzende der Sternwarte, Dr. Rolf Weidelt, die Neuwahlen.

Dabei wurden alle bisherigen Amtsinhaber einstimmig wiedergewählt. Somit bleibt Ralf Horn Vorsitzender, Dr. Bernd Christensen sein Stellvertreter, Andreas Lumpp Kassenwart, Thomas Ehehalt Gerätewart und Christian Greß Schriftführer. Als Kassenprüfer wurden ebenfalls einstimmig Michael Weis und Dr. Jürgen Dirscherl gewählt.

Horn bedankte sich nach der Wiederwahl für das entgegengebrachte Vertrauen und dankte auch den weiteren Vorstandsmitgliedern für die Annahme der Wahl und die damit zugesagte Unterstützung.

Als vordringliche Aufgabe für die Zukunft sehe er die Sicherung des Fundaments der Sternwarte, der aktiven Mitglieder. Hier solle verstärkt Werbung betrieben werden, da sich bei Gesprächen auf der Sternwarte häufig ein sehr starkes Interesse der Besucher an astronomischen Themen zeigt, welches ein entsprechendes Potenzial für die Sternwarte darstelle. Daneben soll sich die Sternwarte bei den vorhandenen Gerätschaften weiter entwickeln. So ist die Optimierung der Säule für das 15-Zentimeter-Linsenteleskop in Bearbeitung und es sollen neue Okulare angeschafft werden. Abschließend verwies Horn noch auf zwei aktuell anstehende astronomische Ereignisse: die totale Mondfinsternis am 27. Juli sowie die Erdnähe des Planeten Mars zur gleichen Zeit. jks