Wertheim

Benefizkonzert in der Stiftskirche Veitshöchheimer Heeresmusikkorps spielte für den guten Zweck / Erlös kommt Sprachförderprogrammen in Kindertagesstätten zugute

Orgelglanz und Bläserpracht

Die Profimusiker des Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim begeisterten mit Sopranistin Anja Stegmann und Organist Georg Hagel in der Wertheimer Stiftskirche.

Wertheim. Zum Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim hatte am Dienstagabend der Förderverein der Stiftskirche mit Unterstützung des Wohnstifts Hofgarten eingeladen. Der Erlös solle, wie Dekan Hayo Büsing erläuterte, den Sprachförderprogrammen der fünf Wertheimer Kindertagesstätten zugutekommen. Die 54 Profimusiker unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle spielten ohne Gage und freuten sich über die vielen intensiven Gespräche mit ihren bisherigen und neuen Fans.

Mit dem festlich-pompösen Doppelchor „Domine ad Adjuvandum“ aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi begann das Konzert, das zu Recht den Untertitel „Mit Orgelglanz und Bläserpracht“ trug. Hauptfeldwebel Thomas Hümmer-Althön führte humorvoll durch das Programm: „Sie sitzen heute mitten im Klang.“ Und das konnte man bei einer doppelchörigen Psalmvertonung von Benedetto Marcello erneut erleben und genießen.

Alle Register gezogen

Dass ein Orchester alleine auch wie eine Orgel klingen kann, wollte der niederländische Komponist Jan Van der Roost mit seinem „Canterbury Chorale“ unter Beweis stellen. Weicher Hornklang, feine Flötentöne und markantes Tutti: „So klingt es, wenn ein sinfonisches Blasorchester alle Register zieht“, erklärte der Moderator, und das Publikum applaudierte zustimmend.

Aber auch der Organist „zog alle Register“ und spielte auswendig die effektvolle „Fanfare“ D-Dur von Jacques-Nicolas Lemmens.

Der gewaltige vereinigte Klang von Eugène Gigots „Grand Choeur dialogue“ beschloss den ersten Teil des Konzerts und gab den Zuhörern Gelegenheit, sich über das Gehörte auszutauschen und auch mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. Hier spielten die räumliche Nähe zu Veitshöchheim und das ein oder andere Bundeswehrerlebnis offensichtlich immer wieder eine Rolle.

Die Orgel rief mit Johann Sebastian Bachs wohl berühmtesten Orgelwerk, der Toccata d-moll, wieder zurück in die Kirche. Orchester und Orgel spielten „sine nomine“, eine schöne Bearbeitung mit reizvollen Klangfarben sowohl der Orgel als auch des Orchesters.

Sopranistin Anja Stegmann wurde nun bei einer Vertonung von Gustav Mahler aus der Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ dezent und feierlich von den Bläsern des Orchesters begleitet. Wieder ein hochkarätiges Orgelwerk, diesmal die Fantasie G-Dur von Johann Sebastian Bach, ließ das Können des Kathedralorganisten zutage treten, der den harmonisch verzwickten fünfstimmigen Mittelsatz in schnellem Tempo, aber mit markanter Phrasierung einem halligen Raum wohlangemessen präsentierte.

Filmmusik aus „Wie im Himmel“ und ein Vorgeschmack auf das Musical „Joseph“, das Ende Juni das Wertheimer Musikleben maßgeblich bestimmen wird, faszinierte mit fulminanten, aber auch filigranen Tönen und Melodien.

Noch einmal zeigte Anja Stegmann ihre gefühlvolle Gesangsstimme bei Leonard Cohens berühmtem „Halleluja“, die sich in einem großen gemeinsamen Crescendo zu einem riesigen, kirchenfüllenden Klang steigerte.

Nach der ersten Zugabe, dem „Pie Jesu“ von Andrew Lloyd Webber, erklangen als neuer Höhepunkt und Zusammenfassung, auch mit Worten des Moderators und des Dirigenten, die „drei wichtigsten Worte: Dona nobis pacem (Gib uns Frieden)“ mit der Musik aus Bachs h-moll-Messe. Die Ernsthaftigkeit und Bedeutung dieses Wunsches wurde mehr als unterstrichen durch die ungeheuerliche Klangfülle dieses mächtigen Meisterwerks. Dankbarer Applaus und begeisterter Dank, den die Musiker auch von vielen Zuhörern persönlich zugesprochen bekamen, beschlossen diesen ganz besonderen Kirchenkonzertabend.