Wertheim

Spannende Dokumente erläutert Ganz besondere Führung mit Kreisarchivarin Claudia Wieland im Vortragssaal des Archivverbundes

Päpstliche Geschichten bieten eindrucksvolle Einblicke

Bronnbach."Päpstliche Geschichten aus Bronnbach" hieß der Titel der Führung, den Kreisarchivarin Claudia Wieland, zugleich Kreisheimatpflegerin, am Mittwochnachmittag im Vortragssaal des Archivverbunds Main-Tauber machte. Gegenstand der "Papstführung" waren viele Dokumente mit direkter Beteiligung des jeweiligen Papstes sowie fundierte Erläuterungen dazu.

Die für die Teilnehmer interessante Veranstaltung wurde getragen vom Archivverbund Main-Tauber und vom Eigenbetrieb Kloster Bronnbach.

Sechs Teilnehmer ließen Wieland von einem "kleinen erlauchten Kreis" sprechen. Die Kreisarchivarin unterstrich, "hier war kein Papst, weder in Wertheim noch in Bronnbach noch im Taubertal". Also gebe es auch keine Orte zum Hinlaufen, und das päpstliche beschränke sich auf Archivalien. Man finde in Bronnbach erstaunlich viele solcher Dokumente, sagte Wieland, die beim Umgang mit diesen natürlich Handschuhe trug und eine Auswahl in fünf Themengruppen vorstellte.

Thema Nummer eins war "Ablass", und den Beginn machte eine Ablassurkunde für das Kloster Bronnbach. Die Referentin beschrieb diese mit "alle ähnlich", alle mit Bleisiegel, darauf seien auch Petrus und Paulus zu erkennen. Der Prägestempel sei über mehrere Papstgenerationen verwendet worden, die Rückseite zeige den jeweiligen Papst samt Amtszeit, hier war es Alexander IV. Wieland verwies auf die Seidenschnur in rot und gelb, eine Hanfschnur sowie die einheitliche grafische Gestaltung.

Zum Inhalt dieses Ablasses erläuterte die Fachfrau, wer an bestimmten Tagen Bronnbach besuche, Sünden bereue, Busse tue, beichte und gute Werke verrichte, bekomme 100 Tage Fegefeuer weniger. Solche Urkunden seien normalerweise gefaltet überbracht worden, von einem Boten oder durch Übermittlung von Kontaktpersonen. Oder es sei jemand persönlich in der päpstlichen Kanzlei in Rom gewesen, um die päpstliche Bestätigung in Empfang zu nehmen. Die Päpste selbst hätten persönlich Bronnbach eher nicht gekannt.

Die Kreisarchivarin betonte zu den einschlägigen Dokumenten in Bronnbach, es sei so gut wie nie der Fall, dass Urkunden am ursprünglichen Ort zu finden seien. Zum Thema "Privilegien" passe die älteste in Bronnbach vorhandene Archivalie aus Pergament, in der Papst Calixt II. für Triefenstein anno 1123 Güter bestätigte. Wieland äußerte, sie gehe davon aus, dass das Dokument tatsächlich die päpstliche Unterschrift trage. Später habe es einen Rückgang der päpstlichen Beteiligung an der Unterschrift bis hin zum verbleibenden "e" von "ego" gegeben.

Zur Gestaltung der Dokumente meinte die Vortragende, da spiele auch die Optik eine Rolle. Man sehe ganz leicht durch Metallgriffel gezogene Linien, auch für Initiale oder Oberlänge, "alles von Hand ge-macht".

Die Textbereiche seien exakt auf das Pergament gesetzt. Das gelte auch für die Archivalien, welche Wieland unter "persönliche Zuwendung" einordnet.

Eine Urkunde des 1417 beim Konzil von Konstanz gewählten Papst Martin V. für Graf Gregor zu Wertheim belege 1431, dieser dürfe seinen Beichtvater selbst aussuchen und die Frühmesse müsse nicht unbedingt vor Tagesanbruch, sondern könne auch zu einer anderen Zeit stattfinden.

Aus dem Jahr 1888

Aus dem Jahr 1888 ist die Verleihung eines Ordens durch Papst Leo XIII. an das Fürstenhaus in Wertheim belegt für dessen Engagement bei der Unterstützung von Päpsten.

Mehr in den Bereich "allgemeine Korrespondenz" gehört laut Wieland das Eintrittsbillet für das zweite vatikanische Konzil für Karl Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, seiner Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Katholiken. Aus dem 19. Jahrhundert stammte Korrespondenz mit den Päpsten Pius IX. und Leo XIII. auch zu ganz menschlichen Themen, "da bestand ein persönlicher Kontakt".

Beim Thema "Wallfahrt" erklärte Wieland, das Fürstenhaus habe im 19. Jahrhundert mehrere Wallfahrten zum Papst organisiert, so auch 1888 zum goldenen Priesterjubiläum von Leo XIII. Sie zeigte verschiedene Dokumente zu der Pilgerreise, bei der etwa 250 Menschen, alle tendenziell vermögend, aus verschiedenen Diözesen über München und Bologna per Eisenbahn unterwegs waren.

Es sei quasi eine Bildungsreise nach Italien gewesen mit dem Besuch diverser kirchlicher Sehenswürdigkeiten, zudem habe die Gruppe insgesamt gut 24 000 Mark für den Papst mitgebracht.

Die etwa 100 Minuten währende, gleichermaßen informative wie lockere "Papstführung" lebte auch von Fragen und Antworten, von der Diskussion über Einzelheiten sowie von Beiträgen aus dem Zuhörerkreis. Einer der Teilnehmer benannte die Ausführungen als "sehr interessant", es sei wohl viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt worden. Abschließender Applaus bestätigte diese Ansichten.