Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt Einmietbetrug in Freudenberg in zwei Fällen

Pärchen erhält Haftstrafe für Mietprellungen

Archivartikel

Wertheim/freudenberg.Im Strafverfahren wegen Einmietbetrug in Freudenberg (wir berichteten) verurteilte das Amtsgericht Wertheim die mehrfach vorbestraften Angeklagten aus dem Raum Aschaffenburg nun zu Freiheitsstrafen. Der 29-jährige Mann erhielt acht Monate, seine ehemalige Lebensgefährtin, 32 Jahre alt, sechs Monate. Die Richterin fand „bei beiden nichts Positives“, womit sie eine Aussetzung der Strafen zur Bewährung hätte begründen können.

Gesamtstrafe verhängt

Beim Angeklagten handelt es sich um eine Gesamtstrafe. Einbezogen ist eine Urteil, vier Monate mit Bewährung, des Amtsgerichts Aschaffenburg wegen Diebstahls mit einer Waffe. Die Frau sitzt zur Zeit in der Justizvollzugsanstalt Würzburg eine Haftstrafe von zwei Jahren wegen Betrugs in 44 Fällen ab.

Die beiden Beschuldigten wohnten ab Februar 2016 in einem Haus in Freudenberg, zahlten aber nur bis Juli 2016 Miete. Auf die Kündigung reagierten sie nicht, und der Vermieter erwirkte vom Amtsgericht Wertheim ein Räumungsurteil. Mietausfall bis Mai 2017, Nebenkosten und weitere Auslagen summierten sich auf 3650 Euro, so der Vermieter. Er trat der Behauptung der Angeklagten entgegen, es habe in seinem Haus Rattenbefall gegeben.

Am 10. April 2017 unterzeichneten die Beschuldigten den Mietvertrag für eine anderes Haus in Freudenberg und durften sofort einziehen. Die Monatsmiete von 320 Euro war erst ab Mai fällig, und dafür wollte der Angeklagte restliche Renovierungsarbeiten im Haus selbst durchführen.

Mehrfach Mietschäden

Das Pärchen zahlte überhaupt keine Miete und zog im August wieder aus. Der Mietschaden beträgt in diesem Fall 1280 Euro. Dazu kommen für die Vermieterin weitere nicht unerhebliche Kosten. Der Abschluss des zweiten Mietvertrags erfüllt für Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Wertheim den Tatbestand des Betrugs. Die Angeklagten hätten gewusst, dass sie die Miete nicht zahlen könnten.

In ihrer Verteidigung wiesen die Angeklagten auf die veralteten elektrischen Leitungen im Haus. So habe man angeblich zwei Großverbraucher, wie Waschmaschine und Boiler, nicht gleichzeitig anmachen können, ansonsten flogen die Sicherungen heraus. Weiterhin behaupteten sie, dass diese Wohnung ebenfalls von Ratten und Schimmel befallen sei. Zudem soll es eine mündliche Vereinbarung mit der Vermieterin gegeben haben, wonach erst Miete zu zahlen sei, wenn alles renoviert und auf den neuesten Stand gebracht sei.

Laut Staatsanwältin hätten die Beschuldigten der Vermieterin gegenüber niemals Mängel gemeldet. Das werde erst jetzt im Strafverfahren vorgetragen. Die beiden Pflichtverteidiger hingegen sprachen unter anderem von einem „desolaten Anwesen“ und beantragten Freispruch. In ihrer Urteilsverkündung betonte die vorsitzende Richterin, dass ihrim Verlauf der Verhandlung bewusst geworden sei, dass die Angeklagten nicht bei der Wahrheit blieben. So hätten diese selbst gedrängt, um in das noch nicht fertig renovierte Haus sofort einziehen zu können. Die angebliche Vereinbarung, bis zur vollständigen Renovierung sei keine Miete zu zahlen, sei gänzlich unbewiesen.

Bei der Elektrik sei das Haus auf dem Stand der 1960er Jahre und die Miete entsprechend niedrig gewesen. Eine Mietminderung hätte maximal 15 Prozent betragen können, läge aber nicht bei 100 Prozent. Man habe so die Strafverhandlung genutzt, um alles aufzubauschen. goe