Wertheim

Vereinbarung unterzeichnet Einrichtungen in Homburg, Duszniki Zdroj und Velke Losin wollen gemeinsam agieren

Papiermühle will Unesco-Weltkulturerbe werden

Main-Spessart/Duszniki Zdrój.Die Chancen, dass die Papiermühle Homburg Unesco-Weltkulturerbe wird, sind mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der Papiermühle Duszniki Zdroj/Polen und der tschechischen Papiermühle Velke Losin deutlich gestiegen. Die drei Mühlen haben sich zusammengeschlossen, um dieses Ziel gemeinsam zu erreichen. Unter der Führung des stellvertretenden Landrates Harald Schneider nahm eine Delegation aus Main-Spessart an einem dreitägigen Treffen in Polen teil. Der Referent für Schulen, Sport und Kultur des Landratsamtes, Sebastian Gehret, und der Leiter der Papiermühle Homburg, Johannes Follmer, hatten die Tagung vorbereitet.

Rund 650 Kilometer liegt das polnische Duszniki Zdrój von Homburg entfernt, 100 Kilometer südlich von Breslau. Die dort bestehende Papiermühle ist ein einmaliges technisches Denkmal und ist bereits seit 1968 Papiermuseum. 2011 erhielt die Papiermühle den Status des „Denkmals der Geschichte“ und zählt damit zu den wertvollsten Denkmälern Polens. Mehr als 60 000 Besucher kommen jedes Jahr dorthin. Die Mühle liegt an der europäischen Route der Industriedenkmäler. Noch rund 100 Kilometer weiter östlich befindet sich das tschechische Pendant, Velke Losin. Dort sind die Vorbereitungen zur Anerkennung als Weltkulturerbe am weitesten fortgeschritten und der Antrag für die entsprechenden Kommissionen bereits fertiggestellt.

Bei dem zweitägigen Treffen wurde in zahlreichen Vorträgen darauf hingewiesen, welche herausragende Bedeutung die Papierherstellung für die kulturelle Entwicklung in Europa hatte und wie wichtig deren Erhaltung sei. Die Direktoren der Papiermühlen präsentierten in Vorträgen ihre Denkmäler. Johannes Follmer ging dabei sehr detailliert auf die Ausstattung der Homburger Mühle ein und integrierte dabei auch die Geschichte seiner Familie, die eng mit der Papiermühle verquickt ist. Mit viel Herzblut und Sachverstand präsentierte er das Juwel unter den Baudenkmälern des Landkreises Main-Spessart.

Höhepunkt der Tagung war die Unterzeichnung der Vereinbarung über eine enge Zusammenarbeit zwischen den drei Papiermühlen, mit dem Ziel Unesco-Weltkulturerbe zu werden. An dem Festakt nahmen auch die politischen Vertreter der Regionen in Polen, Cezary Przybylski (Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien und Tschechien) und Milan Klimes (stellvertretender Hetman der Region Olomouc) teil. Harald Schneider machte in seiner Ansprache deutlich, dass es in Zeiten des immer mehr auseinanderstrebenden Europas wichtig sei, ein Zeichen des Zusammenhalts zu setzen.

Johannes Follmer möchte in Kürze die Homepage seiner Papiermühle, die in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag feierte, überarbeiten und mit polnischen und tschechischen Texten ergänzen. Ferner sollen die einzelnen Seiten verlinkt werden.

Von den Vertretern der Unesco wurde bei dem Treffen angeregt, dass sich die drei Mühlen noch einen weiteren Partner suchen, um damit die Chancen für die Papiermühlen auf eine Anerkennung zu erhöhen. Johannes Follmer will mit einer Papiermühle in Basel Kontakt aufnehmen, um sie für eine Zusammenarbeit zu begeistern.

Auf der Weltkulturerbe-Liste stehen derzeit über 1000 Denkmäler, davon vier Gebäude in Bayern: Die Würzburger Residenz, die Altstadt von Bamberg und Regensburg und die Wieskirche. „Wir würden mit der Eintragung in die Weltkulturerbe-Liste in der ersten Liga spielen“, so stellvertretender Landrat Harald Schneider.

Immerhin konkurriert Main-Spessart mit der Walhalla oder dem Wormser Dom, die noch keinen Einzug in die Liste gefunden haben. Die Unesco zögert nach Aussage von Wissenschaftlern bei dem Treffen in Polen damit, noch weitere einzelne Bauten in die Liste aufzunehmen, sondern forciert Gemeinschaftsabkommen über Ländergrenzen hinweg. Der Schritt, der bei dem Treffen in Polen eingeschlagen wurde, ist nach Auffassung von Sebastian Gehret, dem Kulturreferenten des Landkreises, goldrichtig. Landrat Schiebel machte deutlich, dass dies ein jahrelanger Prozess sei, aber der Schritt sicherlich sinnvoll ist. Dafür müssten auch Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden. lrs