Wertheim

Vortrag Dr. Winfried Schenk referierte über Bronnbach und die süddeutsche Klosterlandschaft

Paradiese der Zisterzienser

Archivartikel

Bronnbach.Der Vortrag „Bronnbach und die süddeutsche Klosterlandschaft in der Frühen Neuzeit“ bot am Montag im Lesesaal des Archivverbunds Main-Tauber einen fundierten Einblick in zeitliche ferne Zusammenhänge. Professor Dr. Winfried Schenk verdeutlichte auf einprägsame Weise, was die Lebensart der Zisterzienser ausmachte und wie dies noch heute nachwirkt.

Claudia Wieland vom Archivverbund stellte bei de Kooperationsveranstaltung mit dem Eigenbetrieb Kloster Bronnbach den Referenten vor. Wie Veronika Gutbrod ankündigte, präsentiere Schenk Untersuchungen zur Thematik auch mit Bezug auf Bronnbach.

Wie der Professor sagte, könne die „süddeutsche Klosterlandschaft“ einerseits im europäischen Kontext begriffen werden, aber auch dahingehend, wie Klöster direkt vor Ort Landschaft gestaltet haben. Er ging auf die Geschichte des Klosters Bronnbach ein, als adelige Stiftung begründet an der Grenze der Bistümer Mainz und Würzburg. Dies hatte wie bei anderen Klöstern durchaus eine politische Bedeutung, so Schenk. Vom „Kloster in der Einsamkeit“ könne nicht gesprochen werden, habe Bronnbach damals schon nahe der „Autobahn“ von Frankfurt nach Nürnberg gelegen und dies auch finanziell umgesetzt.

Auf dem Land seien die Zisterzienser Spätankömmlinge gewesen, so Schenk, in der Stadt Frühankömmlinge. Der Einöde-Anspruch bedeute wohl eine nachholende Legitimation unvermeidlichen Handelns. Die Zisterzienser trieben im ländlichen Raum die Produktion mit geringen Kapitaleinsätzen vor, brachten sich in Stadtbildungsprozesse ein, sicherten sich dort Privilegien gesichert und betrieben letztlich Kapitalisierung. So habe das Kloster Bronnbach Stadthöfe wie jenen in Würzburg besessen. Dass Bronnbach keine Ausgründung habe, verweise eher auf eine weniger große Bedeutung.

Die Zisterzienser suchten die Radikalisierung der benediktinischen Idee, ein asketisches, egozentrisches Leben weit weg von der Außenwelt. Vom Motto „ora et labora“ übernahmen die Mönche den betenden Teil, die Konversen (Menschen aus der Umgebung) den der Arbeit. Beide Gruppen seien nur der Theorie nach bei geistlichen und materiellen Gütern gleich gestellt gewesen, so Schenk. Der Zisterzienser-Orden sei an seinem eigenen Erfolg korrumpiert, „man erstickt im Geld“ und sei in eine innere Krise gekommen. Die Klöster entwickelten sich um etwa 1400 zu „normalen“ Grundherrschaften, jedoch im Bewusstsein, etwas anderes zu sein. Diese Dialektik kennzeichne die Zisterzienser.

Insgesamt verfügten die Zisterzienser in ihrer Frühphase über ein Netzwerk aus Kontrolle und Beratung, straff durchorganisiert, ergänzt durch gegenseitigen Austausch. Die Regel von Benedikt sei von allen einheitlich ausgelegt worden, die Prinzipien aber immer angepasst an die Realität. Der Redner sah hier ein stetes Spannungsverhältnis von Ideal und Wirklichkeit. Zudem habe der Orden für sich in Anspruch genommen, aus etwas Perfektem etwas noch Besseres zu machen, also Paradiese zu schaffen. Der Referent meinte, es liege viel Mythisches in dem Gedanken, was die Zisterzienser alles gemacht haben. Indes sei anhand der Archivalien kaum nachzuweisen, was sie wirklich geschaffen haben.

Schenk machte an Beispielen klar, wie Klöster klassische Feudalrechte zum eigenen Vorteil bündelten, das System ebenso wie die Zuflüsse in die Klöster optimierten. Auch die Askese von einst stimmte nicht mehr: „Die Zisterzienser der frühen Neuzeit sind normale Feudalherrschaften.“ Die größte Auswirkung auf die Landschaft hatte ein Kloster dort, wo es die meisten Rechte hatte, in bäuerlichen Siedlungen und an Orten der privilegierten Vermarktung und Kapitalisierung.

In Bronnbach, so der Professor, habe der Baubestand überlebt. Ein Umgang mit dem Erbe sei auch möglich, indem man den Blick auf Orte der Eigenproduktion wie etwa den unteren Schafhof richtet, „alles zu finden in geringer Entfernung“. Die Struktur sei gut abgebildet, die Archivalie Landschaft existiere weiter und ungestört. Zudem gebe es eine sehr gut dokumentierte Übergangszeit seit der Säkularisierung.

„Bronnbach hat ein riesiges Potenzial“, warb Schenk für genauere Untersuchungen und dabei den Blick auch auf die Landschaft zu richten. Denn hier sei eine europäische Idee in Strukturen umgesetzt. Die zeigten, wie sich zisterziensische Logik in dieser niederschlägt.

Der Vortrag erhielt abschließend viel Applaus. hpw