Wertheim

Abschied Pfarrer Ortwin Engler mit feierlichem Gottesdienst in Sachsenhausen von seinen Aufgaben als Seelsorger entpflichtet

Pfarrer verabschiedet sich „mit zwei lachenden Augen“

Archivartikel

Sachsenhausen.Pfarrer Ortwin Engler ist am Sonntag in der Leonhardskirche in Sachsenhausen von seinen Aufgaben als Seelsorger entpflichtet worden. Ein gut besuchter Gottesdienst begleitete diesen Moment des Abschieds. Der Pfarrer geht nach einer langen Dienstzeit von drei Jahrzehnten ab dem 1. Juli in den Ruhestand. Der Gottesdienst konnte also kein „normaler“ sein, was auch die umrahmenden Beiträge des Posaunenchors Sachsenhausen unter Leitung von Fritz Joas und Ulf Dohne, des Kirchenchors „Jubilate“ Sachsenhausen unter Leitung von Anne Joas und von Organist Werner Flicker verdeutlichten.

Pfarrer Engler beschäftigte sich in seiner Predigt mit Gedanken zu „Schwerter zu Pflugscharen“, wie er dies als Militärpfarrer bereits getan hatte. Der Blick in die Zukunft der Welt sei ein Blick in die Wohnstube Gottes. Dort werde Friede sein, also mehr als Waffenstillstand.

Die Friedensmesse brenne im Hause des Herrn, sie brenne in den Herzen. Vor der Abrüstung stehe die Völkerverständigung, sagte der Pfarrer, und davor noch die Gottesfurcht. Erst dann könnten Schwertern zu Pflugscharen werden. Die, welche Verfügungsgewalt hätten, sollten die Schwerter vernichten. Friedenswille und Friedensfähigkeit hätten mit Gotteserkenntnis zu tun, unterstrich Engler. Viele Völker würden ohne Gewalt auf dem Weg zu Gott gehen. Der Pfarrer meinte, „wir ertappen uns dabei“, dass das ethische Urteilsvermögen dort gestört sei dort, wo eigene Interessen auf dem Spiel stünden. Gebraucht werde eine neutrale Instanz, überparteilich, frei von wirtschaftlichen Ideen und frei von Ideologie. „Mache mich zum Werkzeug des Friedens.“

Dekan Hayo Büsing sprach zur Verabschiedung von Pfarrer Ortwin Engler. Dieser sei zuletzt für Sachsenhausen, Waldenhausen und Wartberg als Vakanzvertretung tätig gewesen. Der Dekan verlas die Entpflichtungs-Urkunde und ging auf die Vita Englers ein, der Militärseelsorger gewesen sei und Seelsorger in unterschiedlichen Gemeinden. Er habe dort geholfen, wo die Not am größten gewesen sei.

Büsing beschrieb Engler als den „Prototyp des Pfarrers im ständigen Vertretungsdienst“, ab 2002 im Bezirk Wertheim, wobei er knapp die Hälfte der Gemeinden kennengelernt habe. Der Dekan lobte den Pfarrer ob dessen ruhiger, freundlicher, dem Menschen zugewandter Art. Er habe stets treue Einsatzbereitschaft gezeigt, insgesamt „eine Goldrandlösung“. Engler habe unterschiedliche Menschen und Interessen zusammengebracht. „Dafür sind wir dankbar“. Nun sei er frei von dienstlichen Pflichten in Sachsenhausen, Waldenhausen und auf dem Wartberg. Der Dekan entpflichtete Pfarrer Ortwin Engler.

Kornelia Dohne, Vorsitzende des Ältestenkreises Sachsenhausen, betonte: „Wir werden Sie vermissen.“ Sie charakterisierte den Pfarrer mit „klare Worte, Predigten zum Nachdenken, Geradlinigkeit, die Menschen im Blick haben, stets gut vorbereitet“. Pfarrer Engler betonte das gute Miteinander in der Gemeinde, im Kollegenkreis und im Dekanat.

Dekan Büsing erläuterte, wie es nach dem Weggang Englers weiter gehen solle. Die Pfarrstelle sei ausgeschrieben, dies habe aber noch nicht den gewünschten Erfolg. Man werde die Situation solidarisch tragen. Die Amtsverwaltung läge in Waldenhausen bei Pfarrer Bernhard Ziegler (Dertingen). Für die Kasualien zuständig seien für Sachsenhausen Pfarrer Christoph Brandt (Nassig), für Waldenhausen Pfarrerin Dr. Verena Mätzke (Eichel-Hofgarten). Der Gottesdienstplan werde gestaltet. Beim Ziel, die vakante Stelle zu besetzen, sei man im guten Austausch mit dem Kirchengemeinderat.

Nach dem Gottesdienst sangen die Kinder des Kindergartens Sachsenhausen zwei Lieder und ließen bunte Luftballons in den blauen Himmel steigen. Danach traf man sich zum Stehempfang im Gemeindehaus. Vertreter vieler Gruppierungen, mit denen der scheidende Pfarrer zu tun hatte, verabschiedeten sich persönlich von Ortwin Engler.

„Ich gehe spät“– dies unterstreicht der Pfarrer, der in Kürze 67 Jahre alt wird. In diesem Alter sei der Abschied ein „Muss“. Manche seiner Kollegen hätten früher aufgehört, er nicht. Das hänge zusammen mit Arbeitsbedingungen und Betriebsklima. Diese bezeichnet Ortwin Engler als „stimmig und angenehm“. Also habe es für ihn keinen Grund gegeben, eher zu gehen. Zudem fühle er sich körperlich und geistig fit. Aus der Militärseelsorge im Jahre 2001 sei er mit zwei weinenden Augen gegangen, so Engler, „jetzt gehe ich mit zwei lachenden Augen“. Denn die Zeit sei gut gewesen, und nun sei es gut, dass das Ende gekommen sei.

Mit Blick auf die Zukunft meint Pfarrer Engler, „es wird weiter gehen“ für die Gemeinden. Die Zukunft für ihn selbst sei in Walldürn mit seiner Frau. Er definiere sein erstes Pensionsjahr als Sabbatjahr und beginne mit einem Heilfasten. Ansonsten werde er mit seiner Frau wie bisher auf die Jagd gehen. Er wolle mehr Sport treiben, als in vergangenen Jahrzehnten möglich war. Insgesamt habe er nun Urlaub „LZE“, so der Pfarrer schmunzelnd, „Urlaub bis zum Lebenszeitende“. hpw