Wertheim

Convenartis Gewölbeschreiber stellten sich dem Votum der Gäste / Regina Brümmer hatte die Nase vorn

Poetry-Slam der besonderen Art

Archivartikel

Mit einem besonderen Format ihrer Lesung erfreuten die Gewölbeschreiber des Convenartis ihre Zuhörer. Bei einem Poetry Slam stellten sie sich dem Votum der Gäste.

Wertheim. Es war eine Premiere, was die Lyrikfreunde am Freitag im Convenartis erlebten. Schon seit Jahren verfassen und präsentieren die Gewölbeschreiber des Vereins ihre unterschiedlichen Texte. Erstmals fand diese Lesung nun in Form eines Poetryslams statt, der von Bernadette Braunbeck moderiert wurde.

Die Regeln eines solchen Slams sind genau festgelegt. Jeder Vortrag darf maximal sieben Minuten dauern, es sind keine Hilfsmittel wie Requisiten, Musik, Kostüme oder Bilder erlaubt. Einzige Hilfestellung bei der Darbietung darf der eigene Text sein.

Über Texte und Vortrag urteilten drei Jurygruppen, die sich zu Beginn des Abends spontan aus dem Publikum bildeten. Jede Gruppe konnte für einen Vortrag maximal zehn Punkte verteilen, so waren insgesamt bis zu 30 Punkten möglich. Die „Slamer“ mit den höchsten Punkten kamen ins Finale. Dort stimmte das gesamte Publikum per Applaus über den Sieger ab.

Ganz unterschiedliche Stile

Nach dem Auslosen der Reihenfolge erlebten die Gäste ein Feuerwerk von Texten unterschiedlichster Stile und Inhalte. Christiane Dosseh begann mit einem Text, der das Mitgefühl der Zuhörer für dessen Hauptfigur weckte. Hinter dem Titel „Mittagessen mit Nudeln“ verbarg sich die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens, das unter seiner ungerechten und gewaltbereiten Mutter leiden muss. Die Jugendliche erträgt dies aus Angst. Erst Jahrzehnte später begreift sie, dass es besser ist sich nicht zu ducken.

Barbara Zang war in ihrem Text auf den Hund gekommen. Für manchen, vor allem Kinder, ist er der beste Freund. Manche Besitzer ermöglichten ihrem Vierbeiner sogar ein Luxusleben. So mancher sei aber kein Hundefreund. Kritik gab es im Text für das unüberlegte Verschenken der Tiere.

„Nicht sehr groß“ hieß der „Slamer-Text“ von Regina Brümmer. „Ich weiß, ich bin nicht sehr groß, aber in meinem Kopf ist immer was los“, startete sie.

Aufgegriffen wurde in Reimform alltägliche Probleme einer Frau, vom Rasieren der Beine, über die Schwierigkeiten kleiner Personen beim Theaterbesuch, bis zum Aufopfern für den Ehemann und dem Wunsch nach einem Job und Geschäftsreisen mit dem Chef.

Nadine Schmids Texte entstehen, wie sie selbst sagt, meist in ihren Urlauben. „Da kann man so schön beobachten“, stellte sie fest. In ihren vorgetragenen Werken widmete sie sich ihrem Urlaub in Skandinavien. „Seien wir hyggelig!“, forderte sie die Menschen in Deutschland auf, es den Norwegern und Schweden gleich zu tun. Statt umfangreicher Regeln für jedes Detail des Zusammenleben reichten dort zwei Regeln: „Seid nett zu einander!“ und „Sei aufmerksam!“

Ihr zweiter Text „Do you take photos?“ berichtet von ihrer Erfahrung mit Smartphones knipsenden Touristen auf einem Schiff der Hurtigruten. Da werden diejenigen, die nur schauen wollen, von den Fotofreunden darauf aufmerksam gemacht, bitte Platz zu machen. Im Text machte Schmid deutlich, sie setze lieber darauf, die Bilder in sich aufzunehmen und manchen von ihnen in Texten eine Erinnerung zu setzen.

Einen Inneren Dialog zwischen einer Stimme und ihr selbst trug Brigitte Szabo vor. Durch ihre Standposition machte sie dabei deutlich, welcher der beiden gerade seine Meinung kundtat. Ein Stück weit entwickelte sich der Dialog zum Streitgespräch mit der mahnenden inneren Stimme. Verfasst war der Text in Reimform.

Den Abschluss der Vorrunde bestritt Wolfgang Zenglein mit „Die letzten Dinge“. Irgendwann setze man sich mit der Zeit nach dem eigenen Tod auseinander, doch dies lasse einen dann nicht mehr los, war sein Tenor. So erhielt er nach einer einmaligen Führung durch einen Friedwald regelmäßig Werbung dafür. Zudem zeigte eine Maklerin stetes Interesse an seinem Haus und fragt dabei, ob es ihm noch gut gehe. Selbst in der Kirche erinnere ihn der Pfarrer an die Vorsorge für den Fall der Fälle. Er fühlte sich dabei gedrängt. Doch das Ende überrascht. Es wurde deutlich, auf unerwartete Art kann es auch von Vorteil sein „ein gutes Verhältnis zu dem aufzubauen, der einen später einmal in den Aschenbecher stecken wird.“

Punktegleichstand

Wegen Punktegleichstand kamen sogar vier, statt wie geplant drei Slamer, ins Finale. Wolfgang Zenglein berichtete dort von einer besonderen Nacht in der Stille eines Terminals am Frankfurter Flughafen, die fast wie die weihnachtliche „Stille Nacht“ wirkte. Regina Brümmer machte in ihrem Vortrag deutlich, sie lasse sich nicht von falschen Polizisten täuschen, die sie betrügen wollen. Zudem berichtete sie über die Gewissheit: „Es ist die Polizei die immer wacht.“ Wieder aus dem Norwegenurlaub stammte Nadine Schmids Text „Triumph über den Regen“, der die Frage aufwarf „warum gute Laune eigentlich wetterabhängig sein muss“, denn im Norden ist dies nicht so. Sie schloss ihren Vortrag mit einem kurzen Text über nordische Wasser.

Christiane Dosseh ging in ihrem Vortrag, unterstützt von viel Mimik, auf die Missverständnisse der Sprache und deren Folgen ein.

Außer Konkurrenz, da mit Fotounterstützung, entführte Dieter Link die Zuhörer zum Labyrinth in der Kathedrale von Chartres in Frankreich. Dabei bot er neben persönlichem Erlebnisbericht auch viele spannende Hintergrundinformationen.

Als Sieger kürte das Publikum am Ende Regina Brümmer. bdg