Wertheim

Verkehrszählung Per Videomessung werden Qualität und Knotenpunkte ermittelt und Prognosen zur Optimierung erstellt

Probleme bei Zufahrt zum Almosenberg

Das Thema Verkehr rund um Bettingen und sein Gewerbegebiet bewegt seit langem die Gemüter. Am Samstag fand eine weitere Datenerhebung zur Analyse der Verkehrsflüsse statt.

Bettingen. Mit insgesamt zehn Videokameras zeichnete das Ingenieurbüros Brilon Bondzio Weiser aus Bochum den Verkehr am Samstag an zehn zentralen Punkten rund um das Gewerbegebiet Almosenberg auf. Die Auswertungen der Erfassung fließen in das Verkehrsgutachten ein, das der Erstellung eines neues Verkehrskonzepts für das Gebiet dient. Es ist weiterhin Teil des Verfahrens zur Festlegung eines Bebauungsplans für eine Erweiterung des Gewerbegebiets. Dieses soll eine Fläche von rund 12,3 ha umfassen und östlich an das bestehende Gewerbegebiet Almosenberg grenzen.

Querschnittsmessung

Bereits im März dieses Jahres hatte das Büro in der Zeit vom 15. bis 25. März eine Querschnittsmessung vorgenommen. Dabei wurden mit Hilfe von Radartechnik, die an Laternen- oder Verkehrsschildposten angebracht war, 24 Stunden pro Tag die Fahrzeuge in beide Fahrtrichtungen gezählt, ihre Geschwindigkeit erfasst und anhand ihrer Länge die Fahrzeugart bestimmt. Gemessen wurde damals unter anderem im Bereich Almosenberg, dem Ortsinneren von Bettingen und an der L 2310. Zusätzlich zählte man an zwölf Knotenpunkten per Videotechnik an einem Donnerstag.

„Es gibt Richtlinien zur Verkehrserhebung, die Referenztage für solche Messungen festlegen“, erklärte Richard Baumert, Abteilungsleiter Verkehrstechnik des Ingenieurbüros den Fränkischen Nachrichten. Gezählt wird an einem Tag unter der Woche, mit Ausnahme von Montag und Freitag, da diese durch den Pendelverkehr nicht repräsentativ seien. Außerdem führt man die Erfassung außerhalb von Ferien und Feiertagen durch. „Wir haben anhand der Daten festgestellt, dass die Verkehrsbelastung im Bereich Almosenberg an Samstagen höher ist als an dem gemessenen Donnerstag“, so Baumert.

Das Büro und die Stadtverwaltung Wertheim seien deshalb der Meinung gewesen, es sei wichtig auch für einen Samstag genaue Zählergebnisse zu bekommen. Deswegen wurde am Wochenende eine erneute Videozählung vorgenommen. Wichtig war, dass am Messtag keine große Veranstaltung stattfand, die Einfluss auf den Verkehr hatte. Dennoch gab es, auch dank des guten Wetters, genügend Verkehr, um realistische Messwerte zu erhalten.

„Bei der Festlegung der Messpunkte und der Erstellung des Gutachtens berücksichtigen wir auch die Bedenken der Bettinger und ihres Ortschaftsrats“, betonte Baumert. Insgesamt waren am Samstag von 10 bis 18 Uhr zehn Videokameras auf vier bis fünf Meter hohen Stativen aufgestellt. So hatte man den Überblick von oben.

Erfasst wurden damit die beiden Autobahnanschlüsse, der Bereich des Autohofs mit der Kreuzung L 2310 / L 617, die Kreuzung L 617 / Dertinger Weg, der Kreisel am Wertheim Village, die Zufahrt zum Hymer Center, die Zufahrt zu McDonald und die Anbindung des Almosenbergs an die L 2310. Zum Einsatz kamen normale Videokameras, die aber auf eine leichte Unschärfe eingestellt waren.

„Man kann keine Personen oder Kennzeichen erkennen und die Aufnahmen werden nach der Auswertung gelöscht“, verwies Baumert auf die Beachtung des Datenschutzes. Erfasst wird neben der Anzahl der Fahrzeuge auch ihre Art (Pkw, Lkw, Lastzug, Motorrad und Krad, Radfahrer). Außerdem wird festgestellt, aus welcher Richtung die Fahrzeuge kommen und wohin sie fahren. So lässt sich der genaue Verkehrsfluss an den Knotenpunkten ermitteln. In den acht Stunden Aufnahmezeit je Kamera sucht man die Stunde mit der höchsten Verkehrsbelastung.

„Dieses Maximum ist Grundlage für die Empfehlung im Gutachten“, erläuterte Baumert. Überwacht wurde die Technik von vier Mitarbeitern des Büros. „Früher setzte man Personen zum Zählen vor Ort ein, dies war aber fehleranfälliger als das Auswerten von Aufzeichnungen.“ Diese könne man sich mehrfach anschauen und dabei auch die Verkehrsabläufe genau analysieren. Das Auswerten erfolgt später in Bochum durch Mitarbeiter des Ingenieurbüros. Der Ingenieur: „Dabei werden insgesamt rund 240 Arbeitsstunden zusammenkommen.“

Die erhobenen Daten werden anschließend auf einer Karte oder einem Luftbild des Gebiets verortet. Auf Basis der Zahlen werde dann die Verkehrsqualität der Knotenpunkte ermittelt. Diese teilen sich von A für sehr gut bis F für ungenügend auf.

Neben de Beschreibung der aktuellen Situation wird das Gutachten auch eine Prognose über den zukünftigen Verkehr enthalten. Grundlage dafür sind der aktuelle und geplante Bebauungsplan. „Wir betrachten immer den realistischen Extremfall an Verkehr.“ Basis seien dabei jene Unternehmensarten, die sich laut Bebauungsplan ansiedeln dürften.

Handlungsempfehlungen

Der erste Prognoseschritt geht von einer Vollauslastung des bisherigen Gewerbegebiets aus, der zweite schließt die geplante Erweiterung ein.

Aus den Ergebnissen und Prognosen werden im Gutachten Handlungsempfehlungen zum Beispiel zur Errichtung und Optimierung von Ampeln oder Abbiegespuren gegeben.