Wertheim

Kabarett bei Convenartis Philipp Weber brillierte mit seinem Programm „Weber Nr. 5“

Quasselstrippe rechnet mit der Industrie ab

Archivartikel

Wertheim.Ausverkauftes Haus bei Convenartis: Philipp Weber begeisterte am Samstag im Gewölbekeller des Wertheimer Kunstvereins das Publikum mit seinem Kabarettprogramm: „Weber Nr. 5“.

Er redet schnell, sehr schnell. Der selbsternannte Verbraucherschützer lieferte schier pausenlos Gags. Philipp Weber – er stammt aus Amorbach im Odenwald – amüsierte sich oft über sich selbst. Zweieinhalb Stunden wurde schier durchgängig gelacht, während er auf der Bühne zappelte und nur selten die einzige Requisite, einen Stuhl, benutzte.

Der Kabarettist band genüsslich das Publikum mit ein: „Wer trägt hier Bart?“, fragte Weber und meinte zu einem Zuschauer: „Penner und Dschihadisten tragen Bart, jetzt kannst Du dir aussuchen, wozu du gehörst.“ Er machte sich lustig über Werbe-Slogans verschiedener Städte, bevor er zum Thema des Abends kam: Manipulation. Kurzum: Wenn man mit der Anzeige der eigenen Personenwaage nicht zufrieden ist, sollte man diese in die nächste VW-Werkstatt bringen.

Werbung, so der Kabarettist, kann total spannend sein – aber auch bescheuert. Und: „Wir werden ständig manipuliert“. Eine Feststellung, die er mit Beweisen wie am Fließband untermauerte. „Die Sprache der Werbung dient der Konfusion“, hatte der quirlige Philipp herausgefunden. „Nur zehn Prozent der Dinge, die wir kaufen, brauchen wir zum Leben“, behauptete Weber. Damit erklärte er auch die Hinführung zu seinem Programm: „Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die er nicht mag.“ Marketing vernebele eben den Verstand, meinte der Kabarettist und beleuchtete penibel die miesen Tricks der Branche. Wertheim durfte raten: „Was habe ich für einen Grill?“ Im Chor kam die Antwort und Weber grinste.

„Ehrliche Werbung würde gar nicht funktionieren“, erklärte der Experte am Beispiel des liebsten Getränks deutscher Männer: „Bier erhöht den sexuellen Erfolg von Männern, nur müssen die Frauen das Bier trinken.“ Seine Wortspiele wurden mit viel Beifall belohnt.

Imagekampagnen, so Weber weiter, können auch nach hinten losgehen. Als Beispiel nannte er die Werbung für den Kirchentag: „Wenn der Papst kommt, ist die Hölle los.“

Das Zwerchfell wurde schwer strapaziert, als Weber den Begriff „Obsoleszenz“ erklärte, also (geplanten) Verschleiß. Der nimmermüde Verbraucherschützer schimpfte auf die Industrie und fädelte geschickt das Thema demografischer Wandel der Gesellschaft ein: „Senior ist eine Lebensform auf Erdölbasis, daher auch die fossile Energie.“ Fazit von Weber und viel Zustimmung vom Publikum: „Lachen ist die beste Medizin.“

Am Ende gab es viel Applaus für die Quasselstrippe. Seine Zugabe beschäftigte sich mit dem Alkohol, sprich in welchen Berufsgruppen am meisten davon getrunken wird. „Christian Lindner liegt nach einer Mon Cherie unter dem Tisch“, wusste Weber. Aber Ärzte und Piloten, die vertragen ordentlich. Zumindest parodierte Philipp Weber angeheiterte Mediziner und Flugzeuglenker – und der Saal tobte am Finale. hw