Wertheim

Kinderfremdensitzung Reicholzheimer Narrenclub nahm das junge Publikum mit auf Entdeckungsreise auf „die Insel“

Rasante Tour durchs britische Königreich

Very funny und very talented (sehr lustig und sehr talentiert) – das war der Reicholzheimer Narren-nachwuchs gestern bei der RNC-Kindersitzung.

Reicholzheim. Hat irgendjemand Zweifel daran, dass Reichelze das neue London ist, nur in Klein? Nach dem gekonnten Prolog der smarten sechs jungen Männer zum Auftakt der Kinderfremdensitzung des Reicholzheimer Narrenclubs (RNC) gestern Nachmittag wohl nicht mehr. „Very britisch, royal und mit englischem Geschwafel“ gehe es zu, kündigten die Sitzungspräsidenten Hannes Baumann und Max Burkard in der Festhalle an. Das Programm werde „amüsant, eine englische Spritztour, ganz schön rasant“.

Dieses Versprechen löste die Prinzengarde, das heißt in diesem Fall die „Royal Gardegirls“, dann auf das Schönste ein. Wo es ein Königshaus gibt, muss es auch Kronjuwelen geben, die beschützt werden. Folgerichtig hieß die nächste Nummer „Kronjuwelen und ihre Beschützer“, wofür sich die Vorschüler den verdienten Applaus abholten. Es zeigte sich gleich, dass Hannes und Max auf ihren Präsidentenstühlen einen vergleichsweise lockeren Nachmittag verleben könnten.

Denn die Mitglieder der einzelnen Gruppen wollten sich selbst vorstellen und nahmen den beiden Sitzungsleitern damit eine Menge Arbeit ab. Langweilig wurde es den Zweien aber dennoch nicht. So blieb mehr Zeit, um lockere Sprüche zu machen und Witze zu erzählen.

Die englische königliche Familie ist ja schon etwas Besonderes. Die aus Reichelze – und ihr Gefolge – muss sich dahinter aber gewiss nicht verstecken. Lustiger als Queen und die Prinzen von der Themse ist das blaue Geblüt von der Tauber (und aus Höhefeld und aus Nassig) allemal. Den royalen Nachwuchs standesgemäß unter die Haube zu bringen ist gar nicht so einfach, diese Erkenntnis könnte die beiden Königshäuser jetzt wieder einen.

So leicht ließ sich Lina, die second Princess of the Buddescheißer, jedenfalls nicht verkuppeln, auch wenn sie Prinzessin Jule, des erste Häsle aus dem Olaf sei’m Stall, und vor allem Josua, der fußballnärrische Leselöwe vom Spielplatz, eifrig als Kuppler betätigten. Dazu mussten Anna, die rasende Reporterin from Highfield, und Tim, der flinke Abwehrgott from Foresttown, das alles noch gut in der Öffentlichkeit rüberbringen.

Mit der Lizenz zum Tanzen

Einer englischen Legende zufolge müssen im Tower in London immer mindestens sieben schwarze Raben leben, sonst verliert die Königin Macht und Krone. In Reichelze müsste sie sich da keine Sorgen machen, denn da flatterten gleich elf „Blackbirds“ über die Bühne.

Auch die Erstklässler machten ihre Sache wirklich gut. London? England? Königshaus? Da darf der Agent ihrer Majestät nicht fehlen. James Bond war gleich in mehrfacher Ausfertigung erschienen und hatte natürlich, sonst wäre er nicht der echte „007“, ein paar Girls mitgebracht. Da haben einige Zweitklässler die Rolle ihres Lebens gefunden. Mit der Lizenz zum Tanzen.

Wer nimmt den Reichen und gibt den Armen? Robin Hood. Und wo wohnen die Reichen? Klar, in Wertheim. Und die Armen? Also eigentlich in Dörlesberg, aber hier wich der Elferrat, um niemand anderes handelte es sich bei den Robin Hoods, von der überlieferten Geschichte ab. Statt den eroberten Schatz ins geliebte Nachbardorf zu bringen, wurde er im Publikum verteilt. Das spätestens jetzt einig war: Bei den Tänzern handelte es sich zwar um Dritt- und Viertklässler. Gemacht haben sie ihre Sache aber erstklassig.

Die vier Grundrechenarten sind in England die gleichen wie in Deutschland: Addition, Subtraktion, Frustration und Kapitulation. So jedenfalls verrieten die schlauen Präsidenten. Gibt es denn gar keinen Unterschied? Diese Frage beantworteten die Fünftklässler in einer kurzen getanzten Unterrichtsstunde.

Wer schafft es, nur mit dem Kopf, die meisten Luftballons in eine Box zu befördern, ohne dass diese den Boden berühren? Das war die schwierige Aufgabe des traditionellen Wettspiels zwischen klein und groß, bei dem meistens die Großen, vertreten durch Prinzenpaar, Sitzungspräsident und RNC-Vorsitzenden den Kürzeren ziehen. Und sich darob sicherlich nicht grämen, oder?

Hätte man die Frage gestellt, was typisch englisch ist, hätten wohl die Sechstklässler die Nase vorn gehabt. Ihre Antworten, von Fish and Chips über die roten Telefonzellen bis zum Buckingham Palast und manch anderes mehr, setzten den Schlusspunkt unter das abwechslungsreiche und unterhaltsame Programm, für das „very beautiful“ als Wertung wohl noch untertrieben wäre. God save the Queen – und den Reichelzer Narrennachwuchs. ek