Wertheim

Beim Amtsgericht verhandelt Bußgeld und Punkt für ungeduldigen Autofahrer

Rücksichtnahme statt Wild-West-Gebaren

Wertheim.Ein Autofahrer bog im April in Bestenheid an der Einmündung der Leonhard-Karl-Straße nach links in die Sudetenstraße ab, Richtung Einkaufscenter und Baumarkt. Während des Abbiegevorgangs überholte ein nachfolgender VW links und schnitt die Kurve.

Der Autofahrer zeigte den VW-Fahrer an. Dieser erhielt vom Ordnungsamt der Stadt Wertheim einen Bußgeldbescheid. Der 57-Jährige legte Einspruch ein. Die Sache kam daraufhin vor das Amtsgericht Wertheim.

Der Mann machte in der Verhandlung geltend, als Altenpfleger in Ausbildung hätte er damals durch die Arbeit mit Demenzkranken einen anstrengenden Tag hinter sich gehabt. Er sei erschöpft gewesen. Der Autofahrer vor ihm habe an der Einmündung lange links und rechts geschaut, obwohl sie übersichtlich sei und frei war. Da sei ihm die Geduld ausgegangen und er fuhr links vorbei. Von unklarer Verkehrslage könne aber keine Rede sein.

Subjektiver Eindruck

Die Richterin nannte den Eindruck der Übersichtlichkeit subjektiv. Betrachte sie die Fotos, spreche vieles dafür, dass dort durch Zäune die Übersichtlichkeit eingeschränkt ist. Im Straßenverkehr werde ständig gegenseitige Rücksichtnahme verlangt und es gehe nicht, dass der als Erster fährt, der am schnellsten schaut.

Direkt an den Betroffenen gewandt betonte die Richterin, sein Verhalten sei menschlich, aber nicht erlaubt. Allein sein Vortrag zeige, dass der Tatbestand erfüllt ist. Danach nahm der Mann den Einspruch zurück, aber nur, um die Urteilsgebühr zu sparen. Seine Beurteilung des Falls nannte er unverändert, er versuche aber, künftig mehr Geduld aufzubringen.

Der 57-Jährige muss wegen Überholens bei unklarer Verkehrslage ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro zahlen. Dazu kommen 30 Euro Bußgeldbescheid-Gebühr sowie Gerichtskosten.

Zudem wird im Flensburger Fahreignungsregister ein Punkt eingetragen. goe