Wertheim

Erster Heimattag in Mondfeld Mit Geschichten und Erzählungen auf 50 Jahre Hochbehälter zurückgeblickt

Sänger Billy Mo war Stargast bei Einweihung

Vor 50 Jahren wurde der Hochbehälter zur Wasserversorgung von Mondfeld und Boxtal am Linsenrain beim heutigen Mondfelder Grillplatz eingeweiht. Aus diesem Anlass veranstaltete die Gemeinde erstmals einen Heimattag.

Mondfeld. Wie Ortsvorsteher Eberhard Roth treffend beschrieb, war der erste "Möfelder Heimattag" am Samstag am Grillplatz ein Novum an einem der schönsten Plätze des Dorfes. Vor 50 Jahren hatten Boxtal und Mondfeld mit einem großen dreitägigen Fest den Hochbehälter in der Nähe des heutigen Grillplatzes eingeweiht. Beim Heimattag blickte man auf dieses und viele weitere historische Ereignisse aus dem Dorf zurück und bekam zudem die exklusive Möglichkeit, das Bauwerk von innen zu besichtigen.

Ortsvorsteher Roth erinnerte auch an die Errichtung der ersten Wasserleitung des Ortes und des Hochbehälters an der heutigen Grotte 1928. Zu dessen Einweihung hatte die damals jugendliche Mathilde Grein ein Gedicht vorgetragen, welches sie nach eigenen Angaben ein ganzes Leben lang begleitet habe. Bei ihrem Tod mit 100 Jahren war sie eine der ältesten Bewohner Mondfelds. Roth trug das Gedicht vor. Es berichtet über die Bedeutung von Wasser in der Bibel, im Haushalt und an vielen anderen Orten. "Kurz um in jeglichen Betrieben, das Wasser muss vorhanden sein", heißt es darin.

In der 1950er Jahren habe man, so der Ortsvorsteher, gemerkt, dass die Wasserversorgung von 1928 nicht mehr ausreichte. So begann man zwischen 1955 und 1960 am "Gänsbrünnle" mit einem Wünschelrutensucher aus Stadtprozelten Wasseradern zu suchen. Als dieser Zeichen fand, gab der Gemeinderat Mondfeld Grabungen in Auftrag. Letztlich war eine Wassergewinnung im felsigen Grund jedoch nicht möglich. So fassten die Räte 1965 den Beschluss, eine Wasserversorgung zusammen mit Boxtal zu schaffen, die unter anderem von einem Brunnen an der Rosenmühle gespeist wurde.

Die Einweihung der neuen Versorgung der beiden Ortschaften habe man mit einem großen Fest gefeiert. Stargast sei damals "Billy Mo" gewesen, der zu den beliebtesten Künstler jener Zeit gehörte.

Einblick in Dorfgeschichte

Weiter trug der Ortsvorsteher einen Text vor, in dem der damalige Lehrer Richard Trabold in den 1960er Jahren das Dorf beschrieb. Neben der Lage und Wirtschaft ging dieser unter anderem auf das Ensemble von Rathaus, Försterhaus, Kirche, altes Schulhaus und der 300 Jahre alten Linde ein. Auch die Dorfgeschichte fand darin Eingang.

Lebendige Erzählungen zu vielen historischen Ereignissen bot der über 90-jährige Josef Happ, der zu den ältesten Bewohnern Mondfelds gehört. Vieles hat er selbst erlebt, anderes von Verwandten erfahren. Er berichtete über die Entstehung der Wasserversorgung 1928.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation von 1923 hätten sich viele Gemeinden um eine zentrale Wasserversorgung bemüht, so auch Mondfeld. Dabei habe man auf den Einsatz eines Hochbehälters gesetzt. Gemeinsam mit den Geologen des Wasserwirtschaftsamts Adelsheim ging man auf Quellensuche. Fündig wurde man unter anderem im heutigen Breitgewann. Jedoch schied das Hochpumpen des Wassers von dort aus Kostengründen aus. So kam es zur Nutzung von Quellen in Boxtal.

Wegen der Wirtschaftskrise sei eine Finanzierung des Vorhabens durch hiesige Banken nicht möglich gewesen. Über gute Kontakte eines Mondfelders kam man schließlich zu einer Bank in Mannheim, die das Projekt finanzierte. Um genügend Eingenkapital zu gewinnen, nahm man einen außerordentlichen Holzeinschlag vor. Die Hauptarbeiten zum Bau der Wasserleitung seien damals mit der Schaufel erfolgt. Arbeitskräfte gab es genügend.

Die zentrale Wasserversorgung habe jedoch bereits im Winter 1928/29 jäh geendet, als die Leitungen in 1,50 Metern Tiefe zufroren. Bis März hätten sich die Mondfelder an den Brunnen im Ort versorgen müssen. "Da standen die Leute lange Schlange." Auf Wunsch des Ortsvorstehers berichtete Happ weiter von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg und nach seiner Rückkehr nach Mondfeld. Seine Familie hätten ihn nach über zwei Jahren fast nicht mehr erkannt. Ein weiteres Thema seines Vortrags waren seine Erinnerungen an den Tabakanbau und dessen Bedeutung für große und kleine landwirtschaftliche Betriebe im Ort.

Musikalische Umrahmung

Musikalisch umrahmt wurde der Tag vom Männergesangverein Mondfeld (Leitung Gerhard Scheurich). Die Sänger trugen am Nachmittag historische Lieder vor. Am Abend stimmten dann alle Gäste beim Grillplatzsingen mit ein. Für die Kinder hatten die Forscherkids des Stadtjugendrings Wertheim, Experimente, Rätsel und ein Quiz vorbereitet.

Gegend Abend gab Leo Trabold vom Fachbereich Wasserspeicherung der Stadtwerke Wertheim einen Einblick in die Wasserversorgung von Mondfeld und Boxtal.

Seit 2012 werden die beiden Ortschaften durch die Aalbachwasserversorgung mit Wasser versorgt. Dessen Leitung kommt beim Boxtaler Sportplatz an. Das Wasser wird über das Ortsnetz Boxtal bis zum Hochbehälter in Mondfeld transportiert. Mondfeld erhält sein komplettes Wasser aus diesem Hochbehälter.

Der Brunnen an der Rosenmühle läuft täglich noch 30 Minuten und stellt eine Ergänzung sowie eine Notversorgungsmöglichkeit dar. In den zwei Kammern des Hochbehälters werden bis zu 140 Kubikmeter Wasser je Kammer eingelagert. Der durchschnittliche Monatsverbrauch in Mondfeld liegt bei rund 2800 Kubikmeter. Anschließend konnten die Gäste einen Blick ins Innere des Behälters und auf dessen Rohrnetz legen.