Wertheim

Stiftskirche Professor Hartmut Rupp und Reinhard Störzner erläuterten bei religionspädagogischer Fortbildung Methoden

Sakraler Raum für Jugendliche erlebbar

Archivartikel

Bei einer besonderen Fortbildung in der Stiftskirche lernten Engagierte aus Bildung und Tourismus, wie man Kirchenräume auf besondere Art für Jugendliche erlebbar machen kann.

Wertheim. „Ich möchte Kinder, Jugendlichen und junggebliebenen Erwachsenen Kirche spannend erlebbar machen“, begründete eine Stadtführerin aus Bad Mergentheim ihre Teilnahme am Workshop. „Kinderführungen sind oft auch für Erwachsene spannend“, ist sie überzeugt. Zehn Engagierte aus kirchlicher Jugendarbeit, Schule und Tourismus aus dem gesamten Main-Tauber-Kreis nahmen teil. Organisiert wurde das Angebot von der evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber.

Deren Regionalstellenleiterin, Pfarrerin Heike Kuhn, erklärte, das Besondere an der Veranstaltung sei die praxisorientierte Verbindung von Kirchenpädagogik und Tourismusaspekten. Für die Stiftskirche habe man sich einerseits wegen ihrer Bekanntheit entschieden, andererseits biete sie viele Aspekte, die sie für Jugendliche interessant mache. „Die gelernten Modelle können aber auf alle anderen Kirchen übertragen werden“, so Kuhn. Kirchenräume seien für Jugendliche nicht mehr so vertraut und oft kein „Zuhause“ mehr. Neue Zugänge zu Kirche solle diesen Bezug neu herstellen. „Letztlich geht es auch um die Zukunft von Kirche.“ Professor Hartmut Rupp ergänzte: „Zudem sollen sie den Schatz der Kirchenräume kennen und schützen lernen.“

Rupp war einer der beiden Kursleiter. Der Pfarrer im Ruhestand war früher Leiter des religionspädagogischen Instituts der badischen Landeskirche in Karlsruhe und arbeitet aktuell als Honorarprofessor für Religionspädagogik an der Universität Heidelberg. Zweiter Kursleiter war Reinhard Störzner, Kirchenpädagoge und Gästeführer in Heidelberg.

Rätsel als Einstieg

„Wir vermitteln Methoden, wie man den Kirchenraum mit Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren erschließen kann“, sagte Rupp. Einige der Methoden ließen sich auch auf Kinder anpassen. Als Einstieg seien Rätselfragen gut, um die Jugendlichen neugierig zu machen. Bei einem Außenrundgang um die Stiftskirche probierten dies die Kursteilnehmer aus. Dabei erfuhren sie, dass böse Fratzen am Eingangsbereich den Teufel abschrecken sollten und dass ein halb zugemauertes Fenster auf einen späteren Anbau hinweist. Besprochen wurde, was das besondere an einem Kirchenraum ist und welche Verhaltensregeln sich daraus ableiten. Beim Erleben des Kirchenraums gehe es nicht nur um das Offensichtliche. „Die Jugendlichen sollen auch Dinge entdecken, die sonst nicht zugänglich sind“, verwies der Professor unter anderem auf Sakristei, Gruft und Turm.

Bei den Angeboten für die Jugendlichen könne auch deren Smartphone eingesetzt werden. Mit Musik aus Smartphone und Bluetoothlautsprecher könne man das besondere Raumempfinden ausprobieren. Dazu können die Jugendlichen verschiedene kirchliche und weltliche Songs aus ihrer Playlist abspielen. „Dann spricht man darüber, welche Musikrichtungen zur Atmosphäre des Raums passen.“

Bei der Entdeckung der Kirche kämen auch kreative Elemente gut an. Jugendliche sollen Figuren aus dem Gotteshaus pantomimisch nachahmen. „Einer macht die Figur vor, alle anderen machen mit und raten, um welche Figur es sich handelt.“ Zu bestimmten Details oder Figurenkonstellationen können sich die Jugendlichen Geschichten überlegen, was diese Aussagen sollen. Natürlich bespreche man danach auch die wahre Bedeutung. „Ich lasse einen wichtigen Gegenstand wie die Bibel verschwinden und die Jugendlichen sollen erkennen, was fehlt“, erklärte Rupp ein weiteres Spiel, das die Beobachtungsgabe schule.

Selbst von der Kanzel sprechen

Störzner beschrieb Methoden zum Umgang mit Grabdenkmälern. Die Jugendlichen könnten zum Beispiel überlegen, an wen sie sich besonders erinnern und welche Erinnerungen es an sie geben sollte. Außerdem sollen sie sich Gedanken machen, was die Besitzer mit der Ausgestaltung der Grablegen aussagen wollten. „So entstehen Gesprächsanlässe.“ Wenn sich Schülerinnen und Schüler darauf einlassen, könne man auch tiefsinnige Themen diskutieren. Dazu eignen sich zum Beispiel Heiligengeschichten. „Es können Diskussionen über den Wert des Lebens entstehen.“ Spannend sei auch, etwas zu tun, was sonst verboten ist,sie zum Beispiel von der Kanzel sprechen zu lassen.

Das besondere an der Stiftskirche sei zudem, dass sie Zeichen des fürstlichen Selbstbewusstseins ist. So lässt sich an vielen Darstellungen auch die weltliche Geschichte und der Machtanspruch der damals regierenden Fürsten aufzeigen. Um Kindern einen Eindruck von der Größe des Kirchenschiffes zu geben, empfahl er, es mit Hilfe des eigenen Körpers auszumessen. Dabei könne man sich alter Maßeinheiten wie zum Beispiel dem Fuß bedienen.