Wertheim

Schlager, Böller und Tschaikowsky

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nichts wie rein ins Freibad.“ Es ist also soweit, ab sofort kann wieder unter freiem Himmel geplanscht und geschwommen werden. Nur schade, dass die Wettermacher gerade jetzt eine andere alte Schallplatte aus ihrem Hit-Archiv herausgekramt haben. Statt der oben zitierten Conny Froboess geht es eher in Richtung Dalida: „Am Tag als der Regen kam.“ Immerhin, heute, morgen und auch übermorgen soll es eventuell, vielleicht, möglicherweise Temperaturen geben, die sich so haarscharf um die „Sommertagsgrenze“ herum bewegen. Und zumindest eingefleischte Fans wissen, dass das Freibad auch Spaß macht, wenn es nicht (mindestens) drei Tage hintereinander (mindestens) 30 Grad gehabt hat.

Dass Zeitungsleser mehr wissen, dieser alte Slogan hat nach wie vor seine Berechtigung. Wenn man ihm denn folgt und die Zeitung auch liest. Der Autor dieser Zeilen „durfte“ das vergangenen Sonntag persönlich erleben. Gemütlich mit Familie und Freunden im Freien sitzend, das seinerzeit sehr schöne Wetter zum Grillen nutzend, wurde die Ruhe plötzlich von mehreren lautstarken Böllerschüssen durchbrochen. Was ist das denn?

Von einem Fest war nichts bekannt, von einer Prominentenhochzeit auch nicht. (Fast) alle Augen richteten sich auf den, „der für die Zeitung schafft“, folglich also (nahezu) alles wissen muss. Wusste er aber nicht und das eigene Blatt hatte er, wie schamhaft eingeräumt werden musste, an diesem Wochenende noch nicht ausgiebig genug studiert. Hätte er es nur mal getan. Stand doch in der Samstagsausgabe vorsorglich abgedruckt, dass am späteren Sonntagnachmittag die Böllerschüsse von der Burg (von wo sonst?) herab ertönen würden, als „Begleitmusik“ einer Tschaikowsky-Ouvertüre, intoniert vom Musikverein Lengfurt.

Es war dies sozusagen der Schlussakkord eines recht lebhaften und zeitweise auch lautstärkeren Wochenendes in der Altstadt. Dem jetzt, zur Erholung quasi, ein ruhigeres folgt. Dabei würden morgen durchaus auch ein paar Böllerschüsse passen, als Salut zum Muttertag. Sie haben schon noch daran gedacht, dass dieser am Sonntag begangen wird, oder?

Kommen wir noch einmal in die „ruhige Altstadt“ zurück. Dass diese noch ruhiger werden könnte, befürchten so manche. Dann nämlich, wenn ein bekanntes Geldinstitut sein Domizil in der Rathausgasse verlässt und es in die, von manchen spöttisch so genannte, „Ärztemeile“ links der Tauber verlegt. Was durchaus mehr als ein Gerücht sein soll. Leerstehen soll das Gebäude gegenüber dem Grafschaftsmuseum dann allerdings nicht. Nachdem einige Vertreter der Stadtwerke ja bildlich in der Altstadt schon für Aufsehen sorgen, sollen angeblich einige Mitarbeiter des Versorgungsunternehmens auch physisch dorthin umziehen, um in der Zentrale in der Mühlenstraße Platz zu schaffen. Und auch Teile der Stadtverwaltung, die häufiger mit Bürgern zu tun haben, könnten in die dann ehemalige Sparkasse einziehen.

Gute drei Jahre sind es noch. Scheinbar viel Zeit also, bis mit dem Neubau der alten Mainbrücke begonnen werden soll. Zeit, die aber auch benötigt werden wird, um all die Fragen zu klären, die derzeit noch offen sind. Und nicht auf alle, so steht es zu befürchten, wird es eine allseits zufriedenstellende Antwort geben. In der rund 30 Monate währenden Bauzeit wird es mit der Spessartbrücke nur eine Verbindung geben zwischen Wertheim hüben und Kreuzwertheim drüben (meinetwegen auch umgekehrt). Kompensationsmaßnahmen „sind nicht vorgesehen“, heißt es im Bericht aus einer Sitzung des Bauausschusses des Landkreises Main-Spessart. „Nicht vorgesehen“ heißt ja eigentlich nicht, dass sie „nicht möglich“ wären. Das erscheint aus der Sicht der Betroffenen zumindest unbefriedigend.

Elf Monate lang wird auch die Eichelsteige gesperrt sein. „Im Falle eines Hochwassers des Mains seien alternative Zuwegungen notwendig.“ Wohl wahr. Das und noch manch anderes mehr – Fahrradwege, Baustelleneinrichtung und so weiter – lässt einem die Zeit bis zum ins Auge gefassten Baubeginn fast schon kurz erscheinen.