Wertheim

Erfolgreich Jürgen Wünsche hat sich auf ältere Waffen spezialisiert und erzielt seit Jahren Spitzenergebnisse

Schütze mit Lizenz für Sprengstoff

Archivartikel

Wenn er Gewehr, Revolver oder Pistole anlegt, trifft er meist ins Schwarze. Sportschütze Jürgen Wünsche zählt, ob im Einzel oder mit der Mannschaft, zu den Erfolgreichsten in Wertheim.

Wertheim. Denkt man darüber nach, wer wohl zu Wertheims erfolgreichsten Sportlern gehört, kommt einem sein Name nicht automatisch in den Sinn. Dabei hat Jürgen Wünsche in den vergangenen Jahren wahrscheinlich mehr Meistertitel und gute Platzierungen auf den verschiedenen Ebenen errungen als die meisten anderen.

Fragt man den 64-Jährigen nach der genauen Anzahl, kann er nur schmunzelnd mit dem Schultern zucken. Er weiß es schlicht nicht, und so richtig scheint es ihn auch nicht zu interessieren.

Seine Erfolge haben ihn jedenfalls 2012, 2015 und 2018 auf die Sportlerbestenliste gebracht. Das bedeutet ausgezeichnete Ergebnisse jetzt seit - mindestens - zehn Jahren, denn Wertheims „Sportler des Jahres“ werden immer im 3-Jahres-Rhythmus für die jeweils vorangegangenen drei Jahre geehrt.

Die meisten seiner Urkunden, Medaillen und Pokale hat sich Wünsche dabei auf Kreisebene „erschossen“, aber auch an Landes- und mindestens dreimal an Deutschen Meisterschaften nahm er schon teil. „Für diese Wettbewerbe muss man sich mit den entsprechenden Resultaten jeweils qualifizieren“, erzählt der gebürtige Bremer, der des Berufes wegen 1987 nach Wertheim kam.

Nach einer Lehre zum Werkzeugmacher nutzte Wünsche den zweiten Bildungsweg, um sich über die Mittlere Reife, die Fachoberschulreife und das Studium zum Diplom-Ingenieur weiterzubilden. Seit gut zwei Jahrzehnten arbeitet er im Außendienst eines Unternehmens der Zentralschmiertechnik - „aber nicht in dem, das in Wertheim bekannt ist“ - und ist vornehmlich in Baden-Württemberg und Bayern unterwegs.

Früher im Garten geübt

Während er beruflich „auf der Zielgeraden“ ist, soll das für seinen Sport noch lange nicht gelten. Begonnen hat es damit, dass er als Jugendlicher, zusammen mit Freunden, im Garten Schießübungen mit dem Luftgewehr veranstaltet hat. „Damals ging das noch. Wenn sie das heute machen, kommt gleich das SEK.“

Früh schon war Jürgen Wünsche Mitglied im Schützenverein, auch später in Wiesbaden, einer weiteren Berufs- und Lebensstation.

„Dazwischen war aber schon auch mal eine lange Zeit Ruhe.“ Anfang der 1990er Jahre trat er der Schützengesellschaft Wertheim 1359 bei und ist dort inzwischen Erster Schützenmeister. Seine Ziele, die in der Regel in 25 Metern Entfernung stehen, nimmt Wünsche mit den verschiedensten Waffen ins Visier.

„Die Sportpistole Kaliber 22 ist so die Gängigste“, berichtet er. Damit geht er mit der Mannschaft in der Verbandsliga Ost im Badischen Schützenverband an den Start. „Wir belegen nahezu regelmäßig den zweiten Platz.“ Spezialisiert hat er sich aber auf ältere Waffen, wie Vorderlader-, Perkussions- oder Steinschlosspistole. Für diese kann er auch spannend die Entwicklungsgeschichte referieren.

Wie autogenes Training

Und von einer Besonderheit berichten. Denn wer mit diesen Waffen schießen will, muss erst einmal eine Prüfung nach dem Paragraf 27 des Sprengstoffgesetzes absolvieren und natürlich bestehen. Dabei geht es vornehmlich um den sachgemäßen Umgang mit dem als Sprengstoff eingestuften Schwarzpulver. Überhaupt, Prüfungen und Kontrollen: „Wir Schützen müssen viel häufiger als andere nachweisen, dass wir noch alle Tassen im Schrank haben.“

Wünsche hat ein gewisses Verständnis dafür, obwohl, gemessen an der großen Zahl an Schützen, die es in Deutschland gibt, doch relativ wenig passiere. Die Politik solle sich mehr an der Normalität orientieren, weniger an den Extremen.

Für den 64-Jährigen ist Schießen wie autogenes Training. „Man braucht Konzentration und muss in der richtigen Verfassung sein. Wenn man das nicht ist, sieht man das sofort am Ergebnis.“ Gerade bei den von ihm bevorzugten Waffen sei der ganze Körper beteiligt, „das ist mehr als nur eine Fingerübung“.

Bei Vorderladern seien meist die älteren Schützen erfolgreicher als die jüngeren. Auch deshalb hofft der Schützenmeister, sein Hobby noch eine ganze Weile betreiben zu können.

„Gerade ist auf dem Schützenstand ein Kollege, der ist fast 90. Der ist auch bei Wettkämpfen dabei. Und er schießt nicht nur, der trifft auch noch.“